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Cybermobbing: Brutale Attacke auf 13-Jährige in Tübingen

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Kriminalexperte: "beständiges Problem"  

13-Jährige wird zum Opfer von Prügel und Cybermobbing durch Mädchen-Gang

21.11.2014, 17:29 Uhr | Julia Gier, dpa

Cybermobbing: Brutale Attacke auf 13-Jährige in Tübingen. Cybermobbing: Erst verprügelt, dann im Internet zu Schau gestellt - für das Opfer eine zweifache Verletzung.  (Quelle: imago/Emil Umdorf - Symbolfoto)

Erst verprügelt, dann im Internet zu Schau gestellt - für das Opfer eine zweifache Verletzung. (Quelle: Emil Umdorf - Symbolfoto/imago)

In Tübingen ist eine 13 Jahre alte Schülerin gleich zweifach zum Opfer von Gewalt durch Gleichaltrige geworden. Eine Gruppe von Mädchen hat sie brutal verprügelt und das Video davon ins Internet gestellt. "Es ist ein beständiges Problem, das sich in den letzten Jahren nicht entschärft hat", sagt der Medienexperte des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart, Stefan Middendorf.

Eine Mädchenclique im Alter von 13 und 14 Jahren hat die Schülerin verprügelt und getreten. Ein Video der Gewaltattacke tauchte auf Youtube und Facebook auf. Rund ein Dutzend jugendliche Zeugen hatten die Szene beobachtet. Die Köpfe der Schlägerinnen sind von der Kamera weitgehend abgeschnitten. Das Video endet mit einer Aufnahme der verletzten 13-Jährigen - ihr blutiges Gesicht ist gut erkennbar.

Die Motive für die Veröffentlichung erläutert der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Martin Klett: "Die Täter wollen ihre Macht über das Opfer demonstrieren - möglicherweise, weil sie selbst zuvor Erfahrungen mit Ohnmacht gemacht haben." "Das Mädchen darf nicht noch Tausende Male Opfer werden", sagte der LKA-Medienexperte. Die 13-Jährige müsse wieder zur Normalität zurückzukehren können.

Polizei ermittelt wegen Körperverletzung

Gegen die mutmaßlichen Schlägerinnen ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Ob die Verdächtigen die 13-Jährige nahe ihrem Schulhof gezielt aufgesucht hatten, war zunächst unklar. Die Mädchenclique und ihr Opfer besuchen nach Polizeiangaben unterschiedliche Schulen.

Weniger körperliche Gewalt, mehr Cybermobbing

Anders als das Cybermobbing handelt es sich bei dem Gewaltausbruch der Mädchen aber eher um eine Ausnahme. "Das ist ein Ausreißer", meint der Kriminologe Klaus Boers aus Münster. Insgesamt nimmt die Kriminalität von Mädchen ab. Im Südwesten ist bei der schweren Körperverletzung der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen unter 21 Jahren von 13,2 (2012) auf 12,6 Prozent im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.

Nicht weniger schlimm als körperliche Gewalt ist die seelische Verletzung bei Cybermobbing. Die technischen Möglichkeiten erleichterten die digitale Schmähung, sagt Middendorf. "Dazu braucht man kein Computercrack zu sein. Heute ist jeder in der Lage, Täter zu sein, aber auch Opfer zu werden." Durch das Video erleide das Opfer nicht nur körperliche, sondern auch psychische Gewalt.

Opfer schweigen aus Angst und Scham

Obwohl es sich um ein "allgegenwärtiges Phänomen" handele, gibt es keine Statistiken, denn Cybermobbing ist kein eigener Straftatbestand. Überdies sei das Dunkelfeld sehr groß, weiß der LKA-Experte: Denn Angst und Schuldgefühle verhinderten, dass die Opfer sich offenbaren.

Gewalt von Mädchen wird seltener angezeigt

Das Dunkelfeld spielt auch bei der Bewertung von Mädchengewalt eine Rolle, sagt Experte Boers. Denn kriminelle Mädchen würden weniger häufig angezeigt als Jungen. Das Alter der mutmaßlichen Schlägerinnen aus Tübingen sei allerdings typisch: Jungen wie Mädchen begehen im 14. Lebensjahr die meisten Gewaltdelikte.

"Danach wird es jedes Jahr deutlich weniger", sagt Boers. Mädchen hörten früher auf, schon ab dem 15. Lebensjahr. Auch Intensivtäterinnen sind deutlich seltener als bei Jungen. Unter Mädchen liegt deren Anteil zwischen 0,1 und 0,9 Prozent, bei Jungen zwischen 0,5 und 3,4 Prozent. Typisch ist die Tübinger Attacke, weil sie in einer Gruppensituation geschah. Dies war 2013 bei 53,7 Prozent der Gewaltdelikte der unter 21-Jährigen im Südwesten der Fall.

So erkennen Eltern Anzeichen für Mobbing

Für das verprügelte Mädchen in Tübingen, das bei dem Angriff leicht verletzt wurde, beginnt eine schwere Zeit. Es muss nicht nur mit den Blessuren zurecht kommen, sondern auch damit leben, dass sein Leid noch sehr lange im Internet kursieren wird. Nun sei es wichtig, dass Eltern, Freunde und Lehrer sowie nötigenfalls Psychotherapeuten der Schülerin helfen, den Angriff zu verarbeiten. Ansonsten könne es zu sozialem Rückzug bis hin zu Schulverweigerung kommen, meint der Freiburger Experte Klett.

Studien zufolge ist bereits jeder sechste Schüler einmal Opfer von Cybermobbing gewesen - und jeder fünfte schon einmal Täter. Nicht immer vertrauen sich die Betroffenen ihren Eltern an. Umso wichtiger, dass diese sensibel auf Anzeichen achten, dass ihr Kind unter Mobbing leidet: zum Beispiel bedrückte Stimmung, Konzentrationsprobleme, Leistungsabfall, plötzliche Verschlossenheit, Rückzug, Angstzustände, Kopf- und Magenschmerzen.

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