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Elternzeit wird für Väter immer attraktiver (1)

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Elternzeit wird für Väter immer attraktiver

06.11.2008, 15:19 Uhr | das geflügelte wort

Elternzeit wird für Väter immer attraktiver (1) . Ein Vater hält sein Baby im Arm.

Nutznießer der Elternzeit für Väter sind in erster Linie die Kinder. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Noch immer geistert ein Wort in den Köpfen mancher Menschen herum, das eigentlich bereits seit dem Jahr 2001 abgeschafft ist: der Erziehungsurlaub – die Betonung liegt auf Urlaub. Dass es sich aber hier nicht um angeregte, von der Tagespolitik beeinflusste Gespräche auf der Spielplatzbank, gemütliche Mittagsschläfchen oder ausgedehnte Shoppingtouren mit dem Kinderwagen handelt, kommt nur langsam an. Und das gilt auch für die Tatsache, dass es zum Beispiel ein politisches Ziel ist, mithilfe der Elternzeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. Nicht nur die Frauen, auch die Männer sollen es einfacher haben, sich einzubringen. Und werden dafür vom Staat belohnt: mit zwei Monaten mehr Elterngeld.

Finanzen noch immer Männersache?

Das Ergebnis einer aktuellen Studie, erstellt vom Deutschen Jugendinstitut, besagt, dass mehr als neun von zehn kinderlosen Männern Nachwuchs möchten. Dabei sehen es aber rund 95 Prozent nach wie vor als ihre Pflicht an, der Familie die finanziellen Rahmenbedingungen dafür zu bieten. Wobei sich wiederum deutlich mehr als die Hälfte davon überzeugt zeigt, dass sich mit Gründung einer Familie ihre finanzielle Situation massiv verschlechtern werde.

Väter zwischen Tradition und Moderne

Befragt wurden deutschlandweit mehr als 1.800 Männer im Alter zwischen 15 und 42 Jahren. Die sich größtenteils in einem Spannungsfeld zu bewegen scheinen: Auf der einen Seite herrschen traditionelle Rollenbilder in den Köpfen, auf der anderen Seite wollen und sollen Männer das Bild des „neuen Vaters“ ausfüllen. Doch wie soll das gehen, wenn lediglich drei Prozent aller berufstätigen Väter angeben, dass sie am Arbeitsplatz optimale Unterstützung zur Kinderbetreuung vorfinden? Und wenn selbst dort, wo ein solches Angebot besteht, dieses oft nicht in Anspruch genommen wird?

Zu wenig Vorbilder

Das Ergebnis der Studie: Es mangelt nach wie vor an einer Unternehmenskultur, in der Väter, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen möchten, nicht belächelt werden. Und es mangelt nach wie vor an Vorbildern, denen es gelingt, Familie und Beruf zu vereinbaren. Vor allem in den höheren Ebenen.

Unterstützung durch die Mütter

Durch die Möglichkeiten, die die Elternzeit schafft, wird es - theoretisch zumindest - mehr Frauen leichter gemacht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Und so zum Familieneinkommen beizutragen. Das wiederum entlastet die Väter und gibt ihnen die Chance, sich aktiv an der Kindererziehung zu beteiligen.

Staatliche Hilfeleistungen

Zusätzlich hat der Staat mit Elternzeit und Elterngeld Anreize geschaffen, die zu wirken scheinen. Immerhin hat sich seit der Einführung des Elterngelds die Zahl der Väter, die zur Betreuung ihrer Kinder die berufliche Laufbahn unterbrechen, mehr als vervierfacht. Derzeit sind es durchschnittlich 16 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen rechnet sogar damit, dass im Jahr 2009 jeder fünfte Antrag auf Elterngeld von einem Mann gestellt wird.

Zwei Monate für den Nachwuchs

Allerdings nehmen die meisten Männer nur kurze Erziehungszeiten in Anspruch. Rund 60 Prozent entscheiden sich für gerade mal zwei Monate. Und das hat seinen Grund. Denn das sind genau die zwei Monate, in denen es vom Staat zusätzliche finanzielle Unterstützung gibt. Die Anreizmonate sozusagen. Und acht Wochen sind auch ein Zeitraum, der betrieblich leichter aufgefangen werden kann. Aber immerhin wird dadurch auch denjenigen Vätern der Weg geebnet, die sich für eine längere Erziehungszeit entscheiden.

Auch gemeinsame Elternzeit möglich

Sind beide Elternteile berufstätig, dann können sie selbst wählen, wer die Elternzeit in Anspruch nimmt. Sie kann aber auch gemeinsam genommen werden, ist jedoch auf bis zu drei Jahre für jedes Kind begrenzt. Der Übertrag von Elternzeit auf den anderen Elternteil ist dabei nicht möglich. Auch für unverheiratete und nicht sorgeberechtigte Väter gibt es übrigens die Möglichkeit, Elternzeit zu beantragen. Dazu ist lediglich die Zustimmung der Mutter notwendig.

Elternzeit: Nicht zwangsläufig nach der Geburt

In der Regel wird die Elternzeit gleich nach Geburt des Kindes genommen. Die Elternteile haben aber die Möglichkeit, den Beginn frei zu wählen bzw. auch die drei ihnen zustehenden Jahre zu splitten. Bis zu zwölf Monate davon können nach Zustimmung des Arbeitgebers noch bis zum achten Lebensjahr des Kindes genommen werden. Dies kann zum  Beispiel im Jahr der Einschulung sehr nützlich sein.

Der optimale Zeitpunkt ist abhängig von vielen Faktoren

Die Mutterschutzfrist wird übrigens auf die mögliche dreijährige Gesamtdauer angerechnet. Der Vater kann seine Elternzeit ebenfalls bereits während dieser Frist beginnen. Was sich aber nur dann rechnet, wenn die Mutter keinen oder nur einen sehr geringen Anspruch auf Mutterschaftsgeld hat. Denn die ersten beiden Monate nach der Geburt des Kindes sind mit dem Mutterschaftsgeld abgegolten und die eigentliche Elterngeldzahlung findet erst danach statt. Sollte also der Vater für die ersten zwei Lebensmonate des Kindes Elterngeld beantragen, so erhält er dies zwar, allerdings werden der Frau dann die letzten beiden Monate gekürzt und es ist somit nicht möglich, 14 Monate lang Bezüge zu erhalten. Wenn sich beide Partner entscheiden, länger als 14 Monate zuhause zu bleiben, so ist auf jeden Fall zu bedenken, dass kein Anspruch auf Sozialhilfe besteht.

Teilzeitarbeit während der Elternzeit

Das Recht auf Teilzeitarbeit während der Elternzeit ist ein Kernpunkt der Reform. Allerdings muss der Arbeitgeber dazu regelmäßig mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen und das Arbeitsverhältnis muss seit mindestens sechs Monaten bestehen. Dann können Eltern eine Teilzeitarbeit zwischen 15 und 30 Wochenstunden beantragen. Der Anspruch muss dabei dem Arbeitgeber acht Wochen vor dem geplanten Beginn der Teilzeitarbeit schriftlich mitgeteilt werden. Dem Wunsch auf verringerte Arbeitszeit können allerdings dringende betriebliche Gründe entgegenstehen.

Kleine Fallen

Während der Elternzeit genießt man Kündigungsschutz. Dieser beginnt acht Wochen vorher. Meldet man also den Wunsch nach Elternzeit zu früh an, dann kann aus anderen Gründen dem Arbeitnehmer noch gekündigt werden. Dem gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass man den Arbeitgeber möglichst frühzeitig über die Situation informieren sollte, um gemeinsam eine optimale Lösung zu finden. Der Kündigungsschutz während der Elternzeit endet mit dem letzten Tag derselben. Für eine Kündigung danach muss in der Regel eine Frist von drei Monaten eingehalten werden.

Erstmal zwei Jahre anmelden

Die Elternzeit ist auf drei Jahre begrenzt. Um das dritte Jahr flexibel zu gestalten, sollten grundsätzlich nur zwei Jahre beim Arbeitgeber angemeldet werden. Eine Verlängerung ist danach problemlos möglich, da bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes die Zustimmung des Arbeitgebers nicht notwendig ist. Eine schriftliche Anmeldung der Elternzeit muss dem Arbeitgeber aber ebenfalls sieben Wochen vor dem Beginn des geplanten dritten Jahres zugehen. Da es sich direkt an die vorher beanspruchte Elternzeit anschließt, zählt es nicht als neuer Zeitabschnitt. Schwieriger ist es, wenn man zunächst nur ein Jahr angemeldet hat und dann verlängern möchte. Der Arbeitgeber kann bei Beantragung nur eines Jahres davon ausgehen, dass auf die Elternzeit für das zweite Jahr verzichtet wird. Er muss einer Verlängerung dann erst zustimmen.

Was ist bei einer schnellen zweiten Geburt?

Bei Kindern, die kurz nacheinander geboren werden, ist es ratsam, mit Übertragung zu arbeiten und die Elternzeiten nach Abstimmung mit dem Arbeitgeber aufzuteilen. Macht man das nicht, so endet die Elternzeit automatisch mit Vollendung des dritten Lebensjahres des letztgeborenen Kindes. Das bedeutet: Bei einer kurzen Geburtenfolge verlängert sich die Elternzeit nur um den Zeitraum zwischen den beiden Geburten.

Wichtig: Gute Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Arbeitgeber

Väter, die Elternzeit in Anspruch nehmen wollen, sollten sich auf das Gespräch mit dem Vorgesetzten gut vorbereiten und sich im Vorfeld genau über die gesetzlichen Regelungen informieren. Wer auf Teilzeit umsteigen möchte, sollte ein exaktes Bild davon im Kopf haben, welche Aufgaben auch weiterhin bewältigt werden können.

Argumentationshilfen für Väter

Auch, wenn sich – gesellschaftlich bedingt – die Einstellung der Arbeitgeber in den letzten Jahren verändert hat, müssen trotzdem gerade Männer nach wie vor mit gemischten Reaktionen auf ihren Wunsch rechnen. Dies gilt vor allem für kleinere Betriebe, in denen von vornherein die Flexibilität nicht so gegeben ist. Doch die Argumente für die Elternzeit sind zahlreich. Denn gerade während der Zeit mit den Kindern verstärken sich die sogenannten Soft Skills wie Einfühlungsvermögen, Organisations- und Konfliktfähigkeit. Und davon profitiert auch der Betrieb. Davon und von der Tatsache, dass der entsprechende Arbeitnehmer sehr motiviert sein wird, seine verbleibenden Aufgaben optimal zu erledigen bzw. sich auch während der Zeit zuhause auf dem Laufenden zu halten. Der Perspektivenwechsel ändert nämlich auch den Blick auf den eigenen Arbeitsplatz.

Kinder profitieren am meisten

Wer aber vor allem von der Elternzeit der Väter profitiert, das sind die Kinder. Denn erstens bekommen Männer durch die Elternzeit einen Einblick in den Alltag mit dem Kind, der ihnen sonst verwehrt bliebe und ihr Verständnis für den Part der Frauen erhöht und zweitens bestärken sie, Soziologen zufolge, den Nachwuchs vor allem bei den Themen Selbstständigkeit und Selbstvertrauen. Was den Kindern wiederum im späteren Leben hilft, mit emotionalem Stress besser zurechtzukommen.

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