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Von der Geburt direkt zum Job

12.01.2009, 14:51 Uhr | rev, dapd

Rachida Dati, schöne und energische Justizministerin, spaltet die französische Nation: Ist sie eine Rabenmutter? Eine Heldin der Emanzipation? Oder schlicht ein Opfer des machiavellistischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy? Nur fünf Tage nach ihrer Niederkunft per Kaiserschnitt erschien Dati wieder zur Arbeit. Ihr Auftritt hat eine erbitterte Debatte entfacht, die jetzt die Ebene politischer Verschwörungstheorien erreicht. Die sozialistische Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal wirft Sarkozy vor, Dati ins politische Aus manövrieren zu wollen.

Trotz Kaiserschnitt erscheint Dati auf Kabinettssitzung

In gewohnt elegantem, figurbetontem Kostüm und auf hohen Pfennigabsätzen trippelte die Ministerin am Mittwoch, den 7. Januar, zur ersten Kabinettssitzung des Jahres in den Élysée-Palast und wurde von ihren Kollegen eifrig zu Töchterchen Zohra beglückwünscht. Die 43-Jährige zeigte kein Anzeichen der Erschöpfung - nur der verbissene Gesichtsausdruck zeugte vom inneren Kampf.

Nicht ungewöhnlich in Frankreich

Datis Entscheidung trifft einen Nerv der französischen Gesellschaft. Wegen der gut ausgebauten Kinderbetreuung ist es nicht ungewöhnlich, dass Mütter wenige Wochen nach der Geburt die Arbeit wieder aufnehmen. Das Wort "Rabenmutter" war bis zum Fall Dati unbekannt.

70 Prozent würden gerne ein Jahr Kinder hüten

Das System von kostenlosen Kindertagesstätten wird in Deutschland oft als Vorbild und Grund für die vergleichsweise hohe Geburtenrate von zwei Kindern pro Frau betrachtet. Vergessen wird dabei, dass Familien auch darunter leiden. 70 Prozent der Französinnen würden sich gerne ein Jahr oder länger zu Hause um ihren Nachwuchs kümmern. Der soziale und finanzielle Druck hindert sie daran. Laut einer Umfrage haben 56 Prozent der Franzosen kein Verständnis für Dati. Für manche Feministinnen ist sie vom Vorbild zur Feindin geworden: Ihr Verhalten sei "ein Skandal", zürnt das Kollektiv für die Rechte der Frauen. Die Ministerin spiele Arbeitgebern in die Hand, "unerträglichen Druck" zur eiligen Rückkehr in den Job zu machen. Für Florence Montreynaud, Frauenrechtlerin und Mutter von vier Kindern, erinnert der Fall Dati an die "monströse Ausbeutung" von Arbeitnehmerinnen in den 20er Jahren, als jede fünfte von ihnen in einer Fabrik niederkam.

Kinderarzt schlägt Alarm

Auch Mediziner schlagen plötzlich in der sonst gelassenen Debatte Alarm: "Bei einer so frühen Trennung kann schwer ein inniges Verhältnis zwischen Mutter und Kind entstehen", warnt der Kinderarzt Philippe Grandsenne. Besorgt ist auch der Gynäkologenverband. Drei bis vier Wochen Ruhezeit nach einem Kaiserschnitt seien für die Mutter notwendig, um die Gesundheit nicht zu gefährden.

Zwischen "Heldin" und "Rabenmutter"

Für die Medien ist Dati längst zum Spielball geworden. Weil sie den Namen des Vaters hartnäckig geheim hält, wurde ihr der hämische Spitzname "unbefleckte Empfängnis" angehängt. Genüsslich spekuliert die Klatschpresse über den Erzeuger, unter Berufung auf marokkanische Geheimdienste wurde Spaniens Expremier José Maria Aznar gerade mal wieder ins Spiel gebracht. Ihr couragierter Auftritt am vergangenen Mittwoch, dem bereits zahlreiche Termine folgten, ließ sie kurz als "Heldin der Arbeit" erstrahlen, die ihr Privatleben ganz in den Dienst der Ministerpflicht stellt. Gegen die darauf folgende Verteufelung als Rabenmutter nimmt sie jetzt ausgerechnet Oppositionspolitikerin Royal in Schutz.

Schuld bei Sarkozy?

Sie sieht in Präsident Sarkozy den Schuldigen. Denn Sarkozy kündigte ausgerechnet fünf Tage nach Datis Niederkunft eine umfassende Justizreform an. "Welche Wahl hat man denn da als Justizministerin", klagte Royal. Sarkozy habe den Termin bewusst gewählt, um seine in Ungnade gefallene Ministerin weiter zu schwächen. "Höre man doch auf mit der moralischen Belästigung", wetterte Royal.

Zwangspause ab Juni

Dati scheint davon bislang unbeeindruckt. Und ihre Energie scheint ebenso unerschöpflich wie ihr Machtwillen. Ob die Kampfbereitschaft von Sarkozy auf Dauer gewürdigt wird, gilt indes als fraglich. Nach der Europawahl im Juni 2009 steht eine größere Kabinettsumbildung an. Und spätestens dann, so heißt es in eingeweihten Zirkeln, stehe für Dati eine Zwangspause auf der Tagesordnung.

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