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Deutschland: Kinderarmut hat kein einheitliches Gesicht

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Kinderarmut  

Kinderarmut hat kein einheitliches Gesicht

23.03.2009, 12:13 Uhr | ots; sca

Deutschland: Kinderarmut hat kein einheitliches Gesicht. Zwei Mädchen spielen auf einem heruntergekommenen Spielplatz.

Kinderarmut in Deutschland hat kein einheitliches Gesicht. (Bild: Bepanthen Presse)

Kinder, die in Deutschland in Armut leben, sind in ihren Chancen erheblich beeinträchtigt. Die heute veröffentlichte Bepanthen-Kinderarmutsstudie unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Sabine Andresen, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft, und Susann Fegter, beide Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld, hat erstmals Erkenntnisse gewonnen, wie sozial benachteiligte Kinder zwischen sechs und 13 Jahren selbst ihre Situation wahrnehmen, welche Unterstützung aus ihrer Sicht nötig ist und was sie als fördernd erfahren. Demnach hat Armut für die Kinder kein einheitliches Gesicht - sie erleben ihre soziale Benachteiligung höchst unterschiedlich. Gleichzeitig liefert die Studie Hinweise auf ein tiefes Bedürfnis der Kinder, dass sie und ihre Familien nicht stigmatisiert werden. In der Studie werden nicht Defizite von Kindern, sondern der Mangel an Möglichkeiten und guten Entwicklungsbedingungen thematisiert.

Das Wichtigste für ein gutes Kinderleben

Erstmals wurden Kinder in der Studie gefragt, was sie unter einem "guten Leben für alle Kinder" verstehen. Dafür wurde die von der Philosophin Martha Nussbaum konzipierte "Liste des guten Lebens", die die Voraussetzungen für ein gutes Erwachsenenleben festhält, in eine für Kinder verständliche Sprache übertragen. Ergebnis: "Von ihren Eltern geliebt zu werden", "genug zu essen bekommen", "gute Freunde und Freundinnen haben" und "immer jemanden zu haben, der sich um sie kümmert" ist ihnen am wichtigsten. "Das heißt, Kinder wünschen sich für alle Altersgenossen gute Beziehungen, die Versorgung von Grundbedürfnissen, aber sie verlangen auch ein Recht auf Schulbildung, Gewaltfreiheit, Freizeit und medizinische Versorgung", sagt Andresen.

Die Bedeutung materieller Ressourcen

Die große Bedeutung von Beziehungen zu Eltern, anderen Erwachsenen und Gleichaltrigen wird auch an anderer Stelle deutlich. Obwohl nach den für sie "wichtigsten Dingen" befragt, nennen die meisten Kinder nicht die Playstation oder das Handy, sondern mit knapp 18 Prozent zuerst Personen wie Familienangehörige und Freunde. Das bedeutet jedoch nicht, dass materielle Dinge entbehrlich sind. Der Zugang zu materiellen Ressourcen - sei es die Busfahrkarte oder die Mitgliedschaft in einem Sportverein - ist elementare Voraussetzung für soziales Wohlergehen und ermöglicht erst die Teilhabe an der Gesellschaft.

Vertrauen in eigene Fähigkeiten

Die aktuelle öffentliche Diskussion über Kinderarmut konzentriert sich auf die Defizite und vernachlässigt den Blick auf das, was die Kinder können. Dabei hat die Mehrheit der Kinder - trotz der schwierigen Lebensbedingungen - noch großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten: 89,2 Prozent glauben, ihr "Leben wird richtig schön", 85,1% denken, dass sie "viele Dinge gut können" und 70,8 Prozent sind überzeugt, dass sie auch "Probleme lösen können". Diese Angaben zur Selbstwirksamkeit sprechen für das Potential, das Kinder mitbringen. "Damit die vorhandenen Fähigkeiten jedoch nicht verloren gehen, ist auch außerschulische Förderung, so genannte nicht-formale Bildung unentbehrlich", fordert Andresen. Denn alarmierend ist, dass immerhin fast elf Prozent bereits im Alter von sechs bis 13 Jahren glauben, ihr "Leben wird nicht richtig schön".

Ein heterogenes Bild

Zwar schafft die strukturelle Benachteiligung durch Arbeitslosigkeit und geringe Qualifizierung der Eltern, durch schlechtere Chancen im Schulsystem, das Leben in einem bestimmten Stadtteil oder einen Migrationshintergrund ähnliche Bedingungen für sozial benachteiligte Kinder, aber die alltäglichen Formen der Benachteiligung von Kindern unterscheiden sich. Da ist zum Beispiel Basti , ein elfjähriger Junge, der nicht genügend Zuwendung erfährt und sich wünscht "dass seine Eltern ihm gegenüber netter sein sollten". Er legt täglich einen weiten Weg zurück, um in die Arche zu kommen und fühlt sich dort sicher. Und es gibt Tamika , ein zwölfjähriges Mädchen aus Vietnam, das am Wochenende regelmäßig im Imbiss ihrer Verwandten arbeitet, statt einem Hobby nachgehen zu können, oder die zwölfjährige Rhina4, die sich mehr Geld wünscht, damit sich auch ihre Mutter etwas leisten kann. "Alle drei Kinder sind, wenn auch in völlig unterschiedlicher Weise, sozial benachteiligt", verdeutlicht Andresen. "Basti leidet oft unter seinen Eltern, die weder mit ihm spielen noch ihn fördern, Tamika hat eine große Stieffamilie, in der sie sich aufgehoben fühlt, aber sie muss selbstverständlich am Wochenende - wenn andere Kinder frei haben und für die Schule lernen können oder einem schönen Hobby nachgehen - für den Lebensunterhalt mitarbeiten, und Rhina erlebt eklatant den materiellen Mangel der Familie und die Sorgen und Entbehrungen der Mutter."

Impulsgeber Arche

Aus Sicht der Kinder besitzt die Arche eine große Bedeutung hinsichtlich Freundschaft, Fürsorge, Betreuung und Verlässlichkeit. Wichtige Impulse für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bieten die außerschulischen Bildungsangebote, wie die Arche sie in Form von Tanzen, Reiten, Ausflügen oder Feriencamps anbietet. "Solche Angebote kompensieren die strukturelle Benachteiligung von Kindern, die in Armut aufwachsen, daher macht es Sinn, in diesen Bereich zu investieren", befürwortet Bernd Siggelkow, Gründer und Leiter des Kinder- und Jugendwerks "Die Arche e. V.".

Brennpunktthema Kinderarmut

Kinder in Deutschland sind arm, wenn ihre Eltern über ein Einkommen verfügen, das weniger als 50-60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens umfasst. Der Deutsche Kinderschutzbund rechnet mit einem massiven Anstieg der Kinderarmut. Waren im Jahr 2008 noch 2,5 Millionen Kinder betroffen, sind es aktuell schon etwa drei Millionen.

Zur Bepanthen-Kinderarmutsstudie

Das Sozialforschungsprojekt wurde von Bayer Vital initiiert, von der Universität Bielefeld unter Leitung von Professor Dr. Sabine Andresen und Susann Fegter konzipiert und in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendwerk "Die Arche e.V." umgesetzt. Die Studie beschreibt die Perspektive von 200 Arche-Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren auf Basis von kindgerechten Fragebögen, intensiven Beobachtungen und Interviews.

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