Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie >

Familienmodelle im Wandel: Kinder stehen im Mittelpunkt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Im Mittelpunkt stehen die Kinder

17.04.2009, 14:37 Uhr | mmh, t-online.de, dpa

Familienmodelle im Wandel: Kinder stehen im Mittelpunkt. Kind fotografiert seine Eltern und diese lachen in die Kamera.

Kinder stehen im Mittelpunkt. (Bild: Archiv)

Kinder und Familien stehen in der Bundesrepublik schon immer unter besonderem Schutz. Aber das, was heute als Familie gilt, hat sich ziemlich stark von der traditionellen Form weg entwickelt. Es gibt mehrere gleichberechtigte Modelle. Von der lebenslangen Familiengemeinschaft, über die zwanglose Kommune zur Patchworkfamilie, der Einelternfamilie und zur Lebensgemeinschaft mit dem Lebensabschnittspartner. Auch die Rechtssprechung hatte damit viel zu tun, insbesondere was das Sorgerecht und die Unterhaltspflicht im Trennungsfall anbelangt. Auch die Berufstätigkeit der Eltern wirkt sich auf die Familien aus.

Besonderer Schutz für Familien

Die Väter des Grundgesetzes in Deutschland wollten Ehe und Familie unter den besonderen Schutz stellen, doch man merkte, dass diese beiden Begriffe doch nicht so untrennbar verbunden sind, wie die Verfassungsväter dachten. Man einigte sich im Artikel 6, Absatz 1 auf die Formulierung "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

Was ist Familie?

Es kristallisierte sich heraus, dass Ehe und Familie keine Synonyme sind. Familie ist da, wo Kinder sind, so ließ sich der kleinste gemeinsame Nenner definieren. Dass unehelichen Kindern gleiche Bedingungen zugestanden wurden, wie den ehelichen, entsprach nicht wirklich einer modernen, aufgeklärten Einstellung, sondern war eher eine Konsequenz aus dem Frauenüberschuss nach dem Krieg. Aber erst 2007 kippte das Bundesverfassungsgericht die Nachteile Unverheirateter beim Unterhalt für die Kindesbetreuung. Wie viel Zuwendung ein Kind benötige, richte sich nicht danach, "ob es ehelich oder nicht ehelich geboren ist", befand das Gericht.

Gleichberechtigung in der Ehe

In kaum einem Rechtsgebiet lässt sich eindrücklicher nachvollziehen, wie eng gesellschaftliche und rechtliche Entwicklungen verquickt sind. Bestens zu beobachten beim Thema Gleichberechtigung in der Ehe: Das letzte Wort, das der Vater in Erziehungsfragen haben sollte, wurde 1959 für nichtig erklärt. Ähnlich lief es beim Namensrecht - etappenweise drängten die Richter die männliche Dominanz beim Nachnamen zurück.

Berufstätigkeit wirkt auf das Familienmodell

Längst brauchen Frauen nicht mehr die Zustimmung ihrer Väter oder Ehemänner, um einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Hausmänner gelten nicht mehr automatisch als "Softis", Berufstätige Mütter nicht mehr als "Rabenmütter", doch ist institutionalisierte Kinderbetreuung noch nicht so unproblematisch verfügbar, wie beispielsweise in Frankreich. Eltern, die beide ihren Job weiter ausüben, müssen oft immer noch heftig organisieren, um dies zu verwirklichen, ohne dass die Kinder dabei auf der Strecke bleiben. Denn das Modell "Großfamilie" mit einer Oma, die die Kidner hütet, ist in der mobilen Welt nicht mehr Alltag. Viele Omas arbeiten selbst oder leben weit entfernt von ihren Kindern.

Streitpunkt Geld

Ein Anliegen der jüngeren Vergangenheit ist die steuerliche Entlastung der Familien - mehrfach von Karlsruhe angemahnt und mit einem fulminanten Beschluss von 1998 schließlich durchgesetzt. Das Leitmotiv, das auch in anderen Entscheidungen anklingt: Wer Kinder großzieht, tut etwas für den Fortbestand der Gesellschaft und muss deshalb unterstützt werden. Was gar nicht so weit von der Weimarer Reichsverfassung von 1919 entfernt ist - geschützt war dort die Ehe "als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und der Vermehrung der Nation".

Dauer der Unterhaltszahlungen

Ein Aufschrei ging jetzt durch die Nation: Getrennt lebenden Müttern soll viel früher als bisher zugemutet werden wieder Vollzeit zu arbeiten, um für den eigenen Unterhalt zu sorgen, früher als bisher. Doch so leicht kommen die Väter nicht aus der Pflicht. Richter prüfen, ob es eine Vereinbarung gab: Äußerten beide Partner zu Beginn der Beziehung beispielsweise den gemeinsamen Wunsch, die Kinder im klassischen Familienmodell - Mutter mindestens zehn Jahre zu Hause bei den Kindern, Vater im Vollzeitjob - zu erziehen, kann die Frau sich darauf berufen und die Ablehnung des Einstiegs in einen Vollzeitjob damit begründen.

Umwälzungen der Rollen- und Familienbilder

Es scheint, als wären der Zweite Weltkrieg und die Ideen der 68er die Auslöser der größten Umwälzungen bei den Rollen- und Familienbildern. Die Ein-Eltern-Ideologie hat ausgedient, das Mehrfamilienmodell setzt sich durch. Kinder können mehreren Familiensystemen angehören, beispielsweise nach einer Trennung und Wiederverheiratung in einer Patchworkfamilie.

Patchwork, Doppelmütter und alleinerziehend

Patchwork, also Flickenteppich, klingt lustig, birgt aber für die Betroffenen meist viel Konfliktpotential und benötigt große Kompromissbereitschaft und Motivationsfähigkeit, sich "zusammenzuraufen". Das heißt, eine Mutter mit ihrem Kind lebt mit einem neuen Partner zusammen, mit dem sie ein weiteres gemeinsames Kind hat. Auch Unverheiratete leben in eheähnlichen Gemeinschaften, die inzwischen vom Gesetzgeber besonders in Fragen der Erbschaft, des Sorgerechts oder der Auskunft im Krankheitsfall als gleichberechtigt berücksichtigt werden. Inzwischen können auch gleichgeschlechtliche Partner Kinder adoptieren. Kinder können also auch zwei Mütter oder zwei Väter haben.

Alleinerziehende sind meist Frauen

Nicht immer steht das starke neue Selbstbewusstsein der selbstbestimmten Frau hinter der Entscheidung, ein Kind allein zu erziehen, oft ist die Entscheidung auch nicht aus freien Stücken getroffen. Die 68er hatten die Ideen der freien Partnerschaft, der offenen Beziehung gepflegt. Größere sexuelle Freiheit und die Möglichkeiten der Pille taten ein Übriges. Die Emanzipationsbewegung hat sich für Alleinerziehende und für Frauen, die auf die Institution Ehe verzichten, stark gemacht.

Streitpunkt Sorgerecht

Die Kinder stehen im Mittelpunkt, leider auch bei einer Scheidung, wenn die Träume von der lebenslangen Gemeinschaft platzen. Sprach man früher automatisch den Müttern das Sorgerecht zu, die dann von den Vätern finanziellen Unterhalt erhielten, so wird das Sorgerecht heute meist den getrennt lebenden Eltern als gemeinsames Sorgerecht zugesprochen. Die Väter sind nicht mehr so lange verpflichtet, den Müttern Unterhalt zu zahlen, allerdings den Kindern.


Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal