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Wohnen mit Kindern  

Stadt oder Land? Was für Familien entscheidet

06.07.2011, 17:01 Uhr | Robert Scholz, dpa, t-online.de

Wohnen mit Kindern. Miniaturfamilie vor einem Schneckenhaus.

Wenn Kinder da sind, spielen andere Faktoren bei der Wohnraumsuche eine Rolle. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Wohnen ist Leben, sagt man. Wie und wo man wohnt, bestimmt entscheidend die Lebensqualität mit. Für Familien spielen die praktischen Erwägungen des Wohnortes eine mindestens so große Rolle, wie die sogenannten weichen Faktoren. Szeneviertel, Clubs, Restaurants und Kaffees – all das muss hinter Schulnähe, Supermarkt, naher Spielplatz und ortsnahem Kindergarten zurückstehen. Mit Kind verändern sich die Ge-Wohnheiten. Oder ist das Stadtleben auch mit Kindern für mich geeigneter?

Stadt oder Land?

Wenn Kinder in die Familie hineingeboren werden, stellt sich für viele Familien die Fragen nach dem "Wie-wohnen" neu. Neue Bedürfnisse, die sich an das Wohnumfeld knüpfen, kommen hinzu oder ersetzen die alten. Nicht selten wird die City gegen die Randlagen getauscht. Die Stadt gegen das Land. Die Wohnung gegen das Haus. Andere bleiben dem City-Leben treu, wie nicht zuletzt die hohen Kinderzahlen in Stadtteilen wie dem Berliner Prenzlauer Weg oder Hamburg Eimsbüttel zeigen. Die Entscheidung für Stadt oder Land, ist letztlich eine persönliche, ganz private. Sie wird zuerst einmal geprägt durch die beruflichen Umstände und finanziellen Möglichkeiten, aber auch durch die Kriterien bei der Wohnortwahl, denen Eltern Priorität einräumen. Unabhängigkeit vom Auto versus freien Spielmöglichkeiten im Freien und kulturelles Angebot versus Fahrradtouren und Inlineskaten vor der Haustür.

Kaufen oder mieten?

Paare mit drei und mehr Kindern sind in Deutschland am häufigsten Wohneigentümer. 70 Prozent dieser Familien lebten 2008 in einer eigenen Wohnung oder einem Haus, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in der neuen Broschüre "Zuhause in Deutschland" mit. Bei Paaren mit zwei Kindern lebten 67 Prozent im eigenen Heim, bei Paaren mit einem Kind lag die Quote bei 51 Prozent. Kleine Haushalte lebten dagegen mehrheitlich als Mieter: 76 Prozent der Alleinstehenden und 52 Prozent der Zweipersonenhaushalte zahlten monatlich Miete. Insgesamt betrage die Wohneigentümerquote in Deutschland 43 Prozent. Damit sei die Bundesrepublik Schlusslicht in der Europäischen Union. Eine Studie zum Wohnstatus in den EU-Mitgliedsstaaten aus dem Jahr 2005 habe ergeben, dass durchschnittlich 63 Prozent der Privathaushalte in der EU über Wohneigentum verfügen.

Mehrkosten auf dem Land

Viele Familien wollen raus aus der Stadt. Sie suchen Sicherheit für ihre spielenden Kinder, Natur und Ruhe. Auf dem Land oder in der Vorstadt können die Kinder Wege alleine zurücklegen und alleine draußen spielen, ohne auf einen Spielplatz angewiesen zu sein. Sie führen ein viel freieres Leben als in der Stadt, es gibt noch Nischen, in denen Kinder ungestört spielen, ohne von Mama und Papa an die Hand genommen zu werden. Eltern nehmen dafür weitere Wege in Kauf und ein Leben im und mit dem Auto. Das Land ist aber nicht zwangsläufig billiger. Mal abgesehen von dem Erwerb von Wohneigentum, bringt das Leben auf dem Land zusätzliche Kosten in Form von zum Teil erheblich höheren Nebenkosten und, in den meisten Fällen, einem Zweitwagen mit sich.

Große Auswahl in der Stadt

Genau gibt es aber auch die Familie, die einfach gerne in der Stadt bleiben will - auch mit Kindern. Sie schätzen die kurzen Wege zur Arbeit, die Unabhängigkeit vom Auto durch eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Einkaufsmöglichkeiten genauso wie die größere Auswahl an Schulen und Schulformen, an organisierten Freizeitangeboten wie Musikschule und Ähnlichem. Dazu kommt, dass Kinder ja auch nicht ewig klein sind und vielleicht auch bereits als Teenager die Vorzüge der Stadt schätzen. Auch genießen viele die vielen öffentlichen (Spiel-) Plätze, auf denen man sich mit Kindern trifft, und durch die man schneller Anschluss hat als auf dem Land.

Bin ich vorbereitet auf das Land?

Einige Fragen sollte man sich stellen, ehe die Familie diese Entscheidung fällt. Nehmen wir eine durchschnittliche Beispielfamilie: Sabine, 31, beruflich erfolgreich, und ihr Mann Karsten, 35, suchen nach der Geburt ihres zweiten Kindes die Idylle des Landes. Bisher blieben sie aus Überzeugung der Stadt treu. Genossen die kürzeren Wege, das Nachtleben nebst Babysitter, auch die Anonymität, die Freiraum lässt und außerfamiliäre Verpflichtungen meist ausschließt. Nun also das Dorf. Die Gegenwelt, die keine sein muss, aber für die meisten Städter am Anfang erstmal eine ist. Sabine und Karsten sollten sich ehrlich fragen:

 

  • Sind wir darauf vorbereitet, uns in eine gewachsene, dörfliche Gemeinde zu integrieren?       

  • Kann ich die engeren sozialen Kontakte wirklich aushalten?

  • Werden die längeren Versorgungs- und Arbeitswege wirklich durch die Ruhe, die relative Sicherheit für die Kinder und die Natur ringsum aufgewogen?

  • Ist mein Leben auf dem Land mit meiner Arbeitsbelastung vereinbar? Oder anders gefragt: Ist der längere Weg vereinbar mit meinen Überstunden und anderweitigen beruflichen Verpflichtungen?

  • Sind Freunde und Verwandte kurzfristig erreichbar, wenn Hilfe in der Kinderbetreuung zum Beispiel benötigt wird?

  • Kaufen oder mieten wir? Wie ist unsere finanzielle Basis ausgerichtet auf diesen Schritt?

  • Welche Förderung können wir in Anspruch nehmen?

 

Neue städtische Wohnformen

Sabine und Karsten könnten aber auch neue städtische Wohnformen wählen, die eine Mischform darstellen aus den Vorzügen der Stadt und des Landes. Diese sind in vielen Städten Deutschlands auf dem Vormarsch. Die Städte legen nach. Viele haben nach Angaben des Deutschen Städtetages Programme aufgelegt, die Familien in ihren speziellen Bedürfnissen besser zur Kenntnis nehmen.

Beispiel: Stadthäuser

Vor allem in den Städten der neuen Bundesländer werden die Stadthäuser wieder neu entdeckt. Dies ist kein Zufall. Sie bieten speziell dort die Möglichkeit, die Baulücken der vergangenen Jahre zu schließen und innovativen Wohnraum für Familien zu schaffen. Die Stadt Leipzig zum Beispiel begann 2003 damit Brachflächen für Stadthäuser auszuweisen. Zielgruppe war, genau, die junge Familie. Bis heute sind 100 Häuser zu Quadratmeterpreisen von 1300 bis 1500 Euro, inklusive des Grundstücks, entstanden. Weitere 50 Bauanträge liegen der zuständigen Behörde für die nächsten Jahre vor. Alle Gebäude können individuell gestaltet werden und liegen in einem Radius von drei bis vier Kilometern vom Stadtkern. Hier werden die Vorteile beider Lebensformen integriert: Man ist im städtischen Umfeld, mit all seinen Infrastrukturvorteilen, kann aber das kleine, grüne Glück mit der Familie genießen.

Alternatives Wohnen und die Wiederkehr des Schrebergartens

Neben den klassischen Wohnformen gibt es heute auch eine Vielzahl von alternativen Wohn- und Lebensmöglichkeiten, gerade für Familien. Hier ein paar Beispiele, die sicherlich viele Mischformen zulassen. Ihre Ideen sind bei diesem Thema gefragt – die Möglichkeiten sind vielfältig.

Das Mehrgenerationen-Haus

Das Mehrgenerationen-Haus ist eine seit langem wiederentdeckte Wohnform. Zum Teil sicherlich erzwungen durch finanzielle Überlegungen bei Hausbau oder Renovierung. Wie auch immer, die Vorteile sind offenkundig und helfen Alt wie Jung. Kostenteilung und Stärkung der sozialen Bindungen, ein neues-altes Konzept, das die Erfahrungen der Großfamilie vergangener Zeiten wieder aufnimmt. Die Nanny in Form der eigenen Eltern oder Schwiegereltern im gemeinsamen Hause zu haben, kann aber auch die oft beschriebenen (schwieger)mütterlichen oder –väterlichen Nachteile haben. Man braucht Toleranz und ein grundsätzlich gegenseitiges Verständnis, um diesen Spagat leben zu können.

Der Wohnhof in der Stadt

Der Wohnhof in der Stadt, ist ein Modell, in dem sich mehrere Parteien zusammenfinden, ob Familien, Einzelpersonen, Alte, Junge, Freunde usw., um gemeinsam ein Mietshaus in der Stadt zu erwerben. Dies kann neu sein oder alt und renovierungsbedürftig. Gemeinsam sind sie Eigentümer, teilen sich Kosten, Arbeitsstunden, Freiflächen und vieles mehr. Manche haben die Unterhaltung und dauerhafte Sicherung solcher Gebäude auch in Form eines Vereines oder einer Stiftung organisiert. Die Phantasie kennt keine Grenzen. Auch hier muss natürlich ein Grundverständnis für den jeweils Anderen da sein. Man muss bereit sein, mit anderen Menschen klar zu kommen, Nähe aushalten zu können, Konsens herzustellen in strittigen Fragen. Die Ziele und Interessen, die der Einzelne mit diesem Projekt verbindet, sollten im Vorfeld klar abgesteckt, besprochen und womöglich vertraglich fixiert sein. Bedürfnisse können sich ändern. Lebensumstände können sich ändern.

Der gemeinsame Bauernhof 

Was in der Stadt geht, geht natürlich auch auf dem Land. Der gemeinsame Bauernhof mit mehreren, getrennten Wohneinheiten ist das ländliche Gegenmodell zum Wohnhof. Meist wird in ihn, in Erinnerung an die wilden sechziger Jahre, eine Kommunen-Welt hineingedichtet, die jeder für sich leben kann oder nicht. Aber kein Bauernhof zwingt zu gemeinsamen Kaminen und Strickmustern.

Der Schrebergarten kommt zurück 

Gerade bei jungen Paaren mit Kind ist der Schrebergarten wieder sehr beliebt. Etwa 20 Prozent der 1,2 Millionen deutschen Kleingärten werden von Familien bewirtschaftet. Dieser Anteil hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, aber: „Unter den Neuverpachtungen der letzten fünf Jahre lag der Anteil von Familien mit Kindern allerdings bei fast 45 Prozent“, so die Kleingartenstudie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahre 2008. Schrebers Zukunft scheint die gestiegene Nachfrage von Familien nach Hollywood-Schaukel, Gartenhaus und Wasserpumpe zu sein. Die Familien suchen verstärkt nach Ergänzungen zur Mietwohnung im städtischen Umfeld. Nach Ruhe, Natur und auch nach Freizeitmöglichkeiten, die nicht immer 100 Euro und mehr verschlingen, wie Zoo- oder Kinobesuche. „In den Großstädten ist die Nachfrage von Familien größer als im Durchschnitt“, so bestätigt die Kleingartenstudie diesen Trend. Eine weitere Form der Stadt mit ländlicher Idylle zu begegnen und den Kindern ein bisschen Natur zu schenken.

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