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Pendlerfamilien: Berufliche Mobilität zwingt viele zu einem "Doppelleben"

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Fernbeziehungen  

Pendlerfamilien: Leben in zwei Welten

| mmh, t-online.de

Pendlerfamilien: Berufliche Mobilität zwingt viele zu einem "Doppelleben". Frau mit Koffer auf Reisen.

Wochenendfamilien: Leben in zwei Alltagswelten. (Bild: Imago)

Berufliche Mobilität, Karriere, eigenes Heim, schicker Lifestyle, Sport, Urlaubsreisen - selbst auf Besserverdienern lastet heute ein unheimlicher Druck, der nicht selten zu Lasten der Partnerschaft geht. Jammern auf hohem Niveau oder der ganz normale Druck der modernen Zeit? Eine Auswirkung der heutigen beruflichen Anforderungen an Flexibilität und Mobilität ist die wachsende Zahl von Fernbeziehungen in Familien, wenn der Arbeitsplatz eines Partners fern vom Familienwohnort liegt, wenn die Familie nicht dorthin ziehen kann oder will, wo die Arbeitsstätte ist. Zwischen Sehnsucht und Wochenend-Harmonie: Fernbeziehungen - eine Belastungsprobe für jede Partnerschaft.

Immer mehr Pendler

Ein kleines möbliertes Zimmer, vielleicht eine günstige Pension oder der ausgebaute Speicher irgendeiner Familie, das frühere Jugendzimmer des längst erwachsenen Sohns, egal, es ist ja nur zum Schlafen, nur vier Nächte, Hauptsache es gibt Internet, um die Distanz zu den Lieben zumindest so zu überbrücken und die Arbeit zu erledigen. Für immer mehr Menschen ist es Alltag, an einem Ort fern der Familie zu arbeiten. Der heutige Arbeitsmarkt verlangt diese Mobilität und das nicht nur von hochbezahlten Führungskräften, die sich eine schicke Zweitwohnung leisten können. Familien wollen aber Raum zum Leben haben, ein einmal gebautes oder gekauftes Haus in einem schönen Ort gibt man nicht so leicht auf, also muss ein Partner pendeln.

Zwei Alltagswelten

Wer Glück hat, kann Montagmorgen anreisen, Donnerstagabend schon wieder zuhause den Kindern einen Gute-Nacht-Kuss geben und am Freitag im Homeoffice arbeiten. Je nachdem, wie viel Flexibilität der Arbeitgeber zeigt. Manche sind über mehrere Wochen oder Monate in Projekte eingebunden, beispielsweise als Ingenieure auf Großbaustellen im Ausland oder als Soldaten bei Bundeswehreinsätzen im Ausland. Während der Woche stehen Job oder Alltag mit den Kindern im Vordergrund - und die Sehnsucht nach der kompletten Familie. Und am Wochenende? Nur eitel Sonnenschein? Leider nein! Oft genug prallen dann zwei Alltagswelten aufeinander, zu viel wird reingepackt, die Harmonie ist trügerisch, vieles wird nicht ausgesprochen, um die wackelige Harmonie nicht zu gefährden, es bleibt eine Unzufriedenheit mit der Situation.

Soldatenfamilien als Forschungsobjekt

Soldaten, diese spezielle Gruppe hat der Familienforscher Peter Wendl vom Zentralinstitut für Ehe und Familie (ZFG) untersucht. Aus seinen Beobachtungen lassen sich viele Tipps für den „ganz normalen“ Wochenend-Pendler ableiten. Wendl beobachtet verschiedene Phasen, die solche Beziehungen durchmachen und verrät, was die Partner tun können, damit die Beziehung auch über räumliche Entfernung auf Zeit gelingt. Er betont: Eine Fernbeziehung kann auch positive Seiten haben, betont er. t-online hat Tipps, Phasen und verschiedenen Aspekte für Sie zusammengestellt.

Kinder brauchen Stabilität

Die positiven Seiten zu sehen, fällt erwachsenen Partnern sicher leichter: Man freut sich aufeinander, man schreibt sich nette SMS oder sogar romantische Briefe, am Telefon verabschiedet man sich in die Träume der Nacht. Doch wie ist das für die Kinder? Für den Teilzeit-alleinerziehenden Partner? Es erfordert ein besonderes Erziehungsmodell, denn die Kinder benötigen Stabilität und Sicherheit, um sich in der Welt orientieren zu können. Besonders Säuglinge und Jungs in der Pubertät leiden in dieser Situation. Säuglinge, da sie gerade die Bindung zu den Eltern aufbauen, vertraute Personen in vertrauter Umgebung wichtig für die Bonding-Phase sind. Pubertierende Jugendliche suchen männliche Vorbilder. Ist der Vater weg, werden ihm schnell Vorwürfe für alles mögliche gemacht. Für die Kinder müssen in der gemeinsamen Zeit Rituale und Unternehmungen gefunden werden, die ihnen diese Stabilität geben. Das kann der fest eingeplante Besuch am Fußballplatz sein, das gemeinsame Radfahren oder ein Kino-Besuch. Besonders wichtig sind jedoch Alltags-Bezüge. Papa soll auch mal bei den Hausaufgaben helfen, mal vom Kindergarten abholen oder gemeinsam das Fahrrad reparieren.

Kein schlechterer Papa

Wichtig ist, dass die wenige gemeinsame Zeit zur "quality time" wird, also eine erfüllte Zeit wird. Vor allem muss der pendelnde Elternteil das Gefühl haben, er ist kein schlechterer Vater, nur weil er selten da ist. Meist verpassen auch die Nicht-Pendler die meisten Wach-Stunden ihrer Kinder.

Vollgepacktes Wochenende

Die betroffenen Eltern neigen dazu, die gemeinsame Zeit total zu verplanen. Mit schönen und praktischen Dingen: Vom Baumarkt zur Grillparty, die Palette ist weit. Die Erwartungen hoch. Doch oft sind auch die Enttäuschungen groß: "Musst du wirklich Fußball gucken?", "Warum gehst du heute zum Friseur, wenn ich schon mal da bin?", "Du musst die Windeln wechseln, ich muss das immer machen!" Oder beide Partner sind so ausgepowert von der Woche, dass sie einfach nur müde und erschöpft sind, und keine Lust auf irgendwelche Unternehmungen haben. Was bleibt ist der schale Geschmack, Chancen vertan zu haben, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Positive Seiten für Paare

Jede Veränderung bewahrt andererseits davor, in einem „Alltagstrott“ gefangen zu werden. Doch eine  Veränderung  kann eine Partnerschaft auch erschüttern, besonders, wenn ein Partner sich dadurch benachteiligt fühlt, der andere sich aber weiter entwickeln kann. Dazu kommt die Erschöpfung, die das Getrenntsein mit sich bringt: Mütter, die klagen, keine Minute für sich gehabt zu haben, an denen die gesamte Familien-Organisation hängt, Väter, die ein Riesen-Pensum abarbeiten, um früher den Heimweg antreten zu können. Keine Schulter, an der man sich abends ausruhen könnte, kein Partner, bei dem man sich geborgen fühlt und sich fallen lassen kann, mit dem man spontan über das selbe lachen oder schimpfen kann. Nicht immer gelingt es, den Stress der Woche hinter sich zu lassen und nicht dem anderen die Schuld zu geben. Statt gutgelaunt in das gemeinsame Wochenende zu starten, schläft man vor Erschöpfung auf dem Sofa ein.

Liebe und Kommunikation als Basis

Der Familienforscher Peter Wendl nennt vier zentrale Erfüllungs- und Belastungsfaktoren der Fern-Beziehung: Liebe, erfolgreiche Kommunikation (verbal und nonverbal), Geborgenheit (Intimität) und Vertrauen, erfüllende Sexualität. Stimmt die Qualität dieser Faktoren, dann wird auch die Partnerschaft als erfüllend empfunden, ist die Qualität gering, erscheint auch die Partnerschaft belastet. Meist sind die vier Säulen in einer Fernbeziehung unterschiedlich stark belastbar, die Partnerschaft wirkt dadurch „bruchstückhaft“ oder einseitig.

Das Sonntagsgefühl

Die Hemden sind gebügelt, der Koffer ist gepackt, die Stullen für die Fahrt geschmiert. Meist bleibt die Mutter mit den Kindern in der großen Familienwohnung, der Vater reist an seinen Arbeitsplatz, in das kleine Zimmer. Und da schleicht es sich wieder an, dieses „Sonntagsgefühl“, diese blöde Beklemmung, dabei hätten sie doch noch zwei Stunden Zeit. Statt Nähe herrscht Distanz, Sprachlosigkeit, Nervosität, Gereiztheit. Leider normal in dieser Situation, sagen die Forscher. Das ist wie Weihnachten: Man will besonders viel Nähe und Romantik, dann wird umso heftiger gestritten. Man muss sich immer wieder neu aneinander gewöhnen.

Trotz Krisen- und Trauerphasen: Chancen sehen

Drei Phasen sind typisch für das Auf und Ab einer Fernbeziehung: vor der unmittelbaren Abreise, während der Trennung und beim Wiedersehen, beziehungsweise danach. Sie ähneln den Empfindungen bei stark belastenden Ereignissen, wie der Diagnose einer schlimmen Krankheit. Die erste Phase ist die Distanzierung, die Verleugnung der Problematik, die Partner ziehen sich zurück, anstatt die letzten gemeinsamen Stunden angenehm zu verbringen, es fehlen die richtigen Worte und Gesten. In der zweiten Phase herrschen Wut, Zorn und Traurigkeit, bis hin zur Depression, Sehnsucht und Einsamkeit, langsam aber wird der neue Zustand akzeptiert. Große Gefühlsschwankungen verwirren, man fühlt sich verloren. Die dritte Phase zeigt, ob die Partnerschaft die Veränderung verkraftet hat: Die veränderten Konstellationen werden akzeptiert und neu gestaltet, langsam können die Partner sich wieder austauschen und auf andere zugehen. Der Blick wird frei für Chancen und Freiräume.

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