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Elternzeit  

Die Rückkehr des Mannes

10.07.2009, 18:43 Uhr | Robert Scholz

. Mann sitzt vorm Computer und arbeitet.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen Väter beim beruflichen Wiedereinstieg des Mannes nach der Elternpause. (Bild: Archiv)

Von Frauen weiß man es, von Männern nicht: Der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit ist nicht einfach. Der aktive Familienvater, der sich an Erziehung und Betreuung des Kindes beteiligt, ist schon lange keine Ausnahme mehr – aber immer noch eine Minderheit. Wie aber unterscheidet sich der Wiedereinstieg in den Beruf bei Frauen und Männern ? Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen Väter nach der Elternzeit in ihrem beruflichen Umfeld?

Anteil an der Erziehung tragen


Als Siegfried seine Tochter im Arm hatte, da gab es keinen Grund mehr daran zu zweifeln, dass er die Elternzeit in Anspruch nehmen würde. Er ist ein moderner Mann - wie er findet. Er beteiligt sich an der Betreuung seines Kindes und ermutigt seine Frau, ihren beruflichen Weg weiter zu gehen. Er will seinen Anteil an der Erziehung und Betreuung des gemeinsamen Kindes tragen. Seiner Frau sollte es durch seine Elternzeit ermöglicht werden, schnell wieder in ihren Beruf zurückzukehren. Dies ist nach etwa anderthalb Jahren ohnehin bereits schwierig, dachten beide damals. Dann wäre auch die Wartezeit für Ceciles Krippenplatz überbrückt worden. Siegfried war mit sich zufrieden. Wie er das alles geplant hatte - top. „Ich wollte ein halbes Jahr meinem Kind widmen und gleichzeitig meiner Frau nach dem ersten Lebensjahr von Cecile eine vermutlich bessere Chance auf den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen.“, so sah das Siegfried damals und so sieht er es heute noch.

Zurück in die Zukunft

Aber dann ist sein halbes Jahr vorbei und er steht vor dem gleichen Problem, bei dem er seine Frau noch unterstützen wollte. „Es war schwierig. Ich bin zwar mit meinem Arbeitgeber immer wieder in Kontakt geblieben, um die Verbindung nicht abreißen zu lassen, aber die Dinge wandeln sich sehr schnell, wenn man sechs Monate nicht ständig im Netzwerk unterwegs ist“ Siegfried ist unter den Vätern in Elternzeit einer von Wenigen. Männer nutzen zu 61 Prozent die Mindestdauer (2 Monate) der Elternzeit und gehen dann wieder in den Beruf zurück. Die Probleme, die andere Väter nach der Elternzeit haben verstärken sich somit bei ihm. Auch deswegen ist er ein gutes Beispiel, um die Schwierigkeiten von Männern beim Zurück-in-den-Beruf zu verdeutlichen.

Das „starke“ Geschlecht reibt sich am Großen und Ganzen genauso

Männer haben es leichter, die Rückkehr in den Beruf zu managen. Allein die Dauer ihrer beruflichen Abstinenz macht die Rückkehr leichter – da besteht überhaupt kein Zweifel. Und trotzdem sehen sich Männer beim Wiedereinstieg in den Beruf ähnlichen Problemlagen gegenüber wie Frauen.

Eine neuer Chef oder eine neue Chefin

 

Im Papa-Café des Väterzentrums Berlin treffen sich die Väter, die ihren Chef gewechselt haben, sagen die Organisatoren. Dieser Chef heißt jetzt Jonas oder Marlies und will statt der Planungskennziffern die gelbe Ente am Fußende des Kinderwagens. Das Zentrum ist nicht nur Treffpunkt und Tauschbörse für Informationen - zum Beispiel, wie man einen schreienden Stammhalter auf die Lärmschutzverordnung des Bezirkes Pankow aufmerksam machen kann - es ist auch eine Art Seismograph für die Praxis der Elternzeit.

Probleme zurückzukehren


Der Leiter des Zentrums (www.vaeterzentrum-berlin.de), Eberhard Schäfer, weiß aus vielen Gesprächen, dass Männer nach ihrer Elternzeit große Probleme hatten in den gewohnten Gang der Strukturen zurückzukehren. Die betriebsinternen Netzwerke beginnen sich zu verschieben, Kompetenzbereiche werden beschnitten und manchem Vater ist es gar passiert, dass Karrieren ohne ihn gemacht wurden: „Es gibt Fälle, da wurde den Vätern unverhohlen zu verstehen gegeben, dass sie bei einer Dauer der Elternzeit über sechs Monate, nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren könnten“, bemerkt Eberhard Schäfer.

Arbeitsplatzgarantie oder Kündigungsschutz

Arbeitgeber müssen ihren aus der Elternzeit zurückkehrenden Mitarbeitern eine gleichwertige Arbeit anbieten. Eine Arbeitsplatzgarantie aber, im juristischen Sinne, besteht nicht. Das Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit sieht aber einen Kündigungsschutz vor - acht Wochen vor Antritt (also mit Stellung des Antrags), bis zum Ende der Elternzeit. Was dann passiert ist offen und dem Betriebsklima an sich geschuldet. Es gibt Unternehmen, die sich auf aktive Väter eingestellt haben und diese „Auszeit“ ihrer Mitarbeiter für das Unternehmen nutzen - zum Beispiel zur Weiter- und Fortbildung. Außerdem haben einige auch erkannt, dass sich die erworbenen Fähigkeiten des Familienmanagements auch für das Unternehmen nutzen lassen. Die Väter bringen, so das Kalkül, weiche Kompetenzen mit in den Betrieb, wie Toleranz, Nachsicht und frische Neugier. Dies kann das Klima im Unternehmen nachhaltig verbessern und es generell stärken.

Familie und Arbeit

Das zuständige Bundesministerium für die Familie ist jedenfalls bemüht, die Wirtschaft hinter ihrem Anliegen zu vereinen, die Elternzeit auch für Männer attraktiver zu machen. Und eine in Auftrag gegebene Umfrage durch das Allensbach Institut, bestätigt die Öffnung von Personalabteilungen für die Idee des aktiven Vaters. Danach befürworten 61 Prozent der Personalverantwortlichen die Unterbrechung der Berufstätigkeit von Vätern. Zwei Jahre davor waren es noch 48 Prozent. Geringer werden die Zahlen, wenn sie sich auf die Erwartungen für die Zukunft beziehen. 37 Prozent der Verantwortlichen in Unternehmen glauben, dass in Zukunft mehr Männer Elternzeit beanspruchen, so dass Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es bleibt eine Entscheidung, die beruflich gesehen auch Nachteile haben kann.

Männer unter Männern

Männer, die die Elternzeit anstreben, werden vor allem von den eigenen Geschlechtsgenossen unter den Kollegen wegen ihrer Entscheidung belächelt. Mann macht Karriere und diese ist mit der Elternzeit zumindest in Zweifel gezogen. Vergessen darf man auch nicht, dass eine Großzahl der Chefs ihren Aufstieg auf Kosten eines eigenen Familienlebens gemacht haben. Dies kann sie dem Gedanken an eine aktive Vaterschaft öffnen, es kann sie aber auch verbittert zurückgelassen haben. Männer unter sich in einem Wettbewerbsumfeld, da spielen immer auch andere, persönliche Kriterien ein Rolle. Eberhard Schäfer wehrt sich auch gegen die übliche Praxis die Elternzeit unter Kollegen als Urlaub oder Luxus abzutun: „Schlimmer noch, manche Männer müssen sich auch vorwerfen lassen, wohl im Job überfordert zu sein - deswegen würde sich man jetzt mal ausklinken aus dem Tagesgeschäft.“ Erst einmal eine böswillige Unterstellung, die deutlich macht: „Das Anliegen der aktiven Väter wird von manchen Chefs überhaupt nicht verstanden, geschweige denn ernst genommen“, so der Leiter des Väterzentrums weiter.

Die Elternzeit für Väter sollte individuell gut überlegt sein, zumal der Mann in den meisten Fällen den Großteil des Familieneinkommens bestreitet. Meist können Familien gar nicht über längere Zeit auf dieses verzichten. Aber ein paar Tipps sollen den Übergang zum neuen „Chef“ oder der neuen „Chefin“, zu Marlies und Jonas, erleichtern.

- Planen Sie ihre gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs gut. Überzeugen Sie schon bei Antragstellung bei ihrem Arbeitgeber mit einem durchdachten Konzept. Die Homepage www.vaeter.de stellt Ihnen ein ganze Palette von Möglichkeiten eines strategischen Vorgehens zur Verfügung (http://www.vaeter.de/beruf/strategien/elternzeit_nehmen/checkliste). Ihre Motivation sollten Sie klar benennen. 

- Organisieren Sie ihre Abwesenheit und einen fließenden Übergang. Fragen, wie Nachfolgeregelungen, Projektübergaben etc., können Sie selbst einer Lösung zuführen und somit den Schritt für das Management leichter gestalten. Machen Sie diese Vorkehrungen transparent, damit auch alle in Ihr Vorhaben eingeweiht werden.

- Halten Sie während der Elternzeit stetigen Kontakt zum Unternehmen. Sie können auch in Teilzeit 15 bis 30 Stunden die Woche weiterarbeiten, wenn das sinnvoll erscheint. Besuche mit dem Kind in der Abteilung und beim Chef, werden die Herzen des härtesten Führungspersonals brechen lassen. 

- Legen Sie schon bei Antragstellung möglichst schriftlich, die Rahmenbedingungen des Wiedereinstiegs gemeinsam mit der Führungsebene fest. 

- Nutzen Sie die Zeit für Aus- und Weiterbildung, auch wenn ihr neuer „Chef“, dass anders sehen wird, dem alten wird es leichter gemacht, Ihren Wunsch zu respektieren. 

- Auch wenn es Väterprogramme in Unternehmen gibt, die den Einstieg erleichtern und organisieren sollen, Sie müssen aktiv werden - und zwar in jeder Phase des Projekts „Elternzeit“.

Die richtige Entscheidung?

 

Siegfried würde im Rückblick noch einmal in die Elternzeit gehen, auch wenn es schwierig war, den Weg zurück in das berufliche Umfeld zu finden: „Aber was ich in dieser Zeit über mich und meine Familie gelernt habe, wird unser gemeinsames Leben nachhaltig positiv verändern. Ich habe einiges gelernt über meine Ansprüche an meine Frau und meine eigenen Fähigkeiten.“ Siegfried hat sich heute beruflich verändert. Er hat sich eine berufliche Aufgabe gesucht, die Karriere anders versteht. Er ist auch dabei einer von Wenigen.  

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