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Kinderarmut: OECD kritisiert mangelnde Chancengleichheit

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Kinderarmut  

OECD kritisiert mangelnde Chancengleichheit

01.09.2009, 13:15 Uhr | dapd, AFP

Kinderarmut: OECD kritisiert mangelnde Chancengleichheit. Junge versteckt sein Gesicht hinter seiner Kappe.

Jedes sechste Kind in Deutschland lebt in Armut. (Bild: dpa)

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die im Vergleich der Industriestaaten hohe Zahl von in Armut aufwachsenden Kindern in Deutschland kritisiert. Deutschland zahle seinen Eltern zwar mehr staatliche Beihilfen als die meisten anderen OECD-Mitglieder, dennoch gehe es den Kindern teilweise schlechter, heißt es in dem in Berlin vorgestellten OECD-Kinderbericht.

Kindern geht es schlechter

Deutschland tut viel für seine Kinder - aber tut es auch das Richtige? Die Ergebnisse einer am Dienstag, den 1. September in Berlin veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lassen daran Zweifel aufkommen. Zwar gibt es kaum ein OECD-Land, das Eltern mehr Geld zahlt. Und dennoch geht es den Kindern hierzulande in einigen Bereichen schlechter als Gleichaltrigen in anderen Industriestaaten.

Jedes sechste Kind in Armut

Der erste OECD-Kinderbericht vergleicht die Lebensbedingungen von Heranwachsenden in den 30 Mitgliedsländern im Hinblick auf Wohlbefinden und Chancengleichheit. Er stellt - wie schon das Un-Kinderhilfswerk UNICEF vor vier Jahren - fest, dass in Deutschland zu viele Kinder arm sind. Trotz der staatlichen Leistungen lebt fast jedes sechste Kind in einem Haushalt mit unterdurchschnittlichem Einkommen. Im OECD-Schnitt ist es nur jedes achte Kind, in Dänemark, dem OECD-Spitzenreiter, nur jedes 37. Kind.

Mehr Transfers für bedürftige Kinder

Die OECD mahnt deshalb, das Geld nicht nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. "Deutschland sollte seine Transfers stärker auf bedürftige Kinder und deren Familien konzentrieren. Außerdem sollten Kinderbetreuung und Ganztagsschulen weiter ausgebaut werden", sagte Monika Queisser, Leiterin der Abteilung Sozialpolitik der OECD, bei der Präsentation der Studie. Grund ist, dass es häufig Alleinerziehende sind, die in die Armut abrutschen, nämlich 40 Prozent unter den Haushalten mit einem Elternteil. Im OECD-Schnitt sind es 30 Prozent.

Deutsche Eltern verbringen viel Zeit mit Kindern

Doch es gibt auch Positives zu vermelden: Deutsche Mütter stillen mehr als viele andere, sie impfen mehr und verbringen auch relativ viel Zeit mit ihren Kindern, nämlich rund 10,5 Stunden pro Woche. Bei den Vätern sind es knapp vier Stunden. Die durchschnittliche Französin kümmert sich nur 6,8 Stunden um ihr Kind, ihr Mann gerade mal 1,8 Stunden. Dreiviertel des deutschen Nachwuchses wächst mit beiden Elternteilen auf - eine ordentliche Zahl, verglichen etwa mit den USA, wo nur 57 Prozent der Kinder mit beiden Eltern leben. Auch bei den Selbstmorden von 15- bis 19-Jährigen rangiert Deutschland im unteren Drittel, die traurigen Spitzenplätze belegen Neuseeland und Finnland. Gute Ergebnisse gibt es beim Gesundheitszustand: So liegt die Sterblichkeit von Kindern deutlich unter dem OECD-Schnitt. Babys werden in den ersten Lebensmonaten häufig gestillt, und auch der Impfstand bei Kinderkrankheiten liegt über dem OECD-Mittelwert. Dagegen fehlt mehr als 80 Prozent der Elf- bis 15-jährigen ausreichende Bewegung. Lediglich bei der notwendigen Ausstattung für den Schulbesuch hätte es Deutschland fast auf Platz eins geschafft. Hierzu gehören unter anderem ein Schreibtisch, Computer und Internetzugang. Nur einer von 200 Jugendlichen berichtete, dass ihm notwendige Dinge fehlten. Das ergab immerhin Platz zwei - hinter Island.

Jugendliche zeigen hohes Risikoverhalten

Weniger erfreulich ist das Suchtverhalten der Minderjährigen. Fast 20 Prozent der befragten 15-Jährigen in Deutschland gaben an, mindestens einmal pro Woche zu rauchen. Rund 18 Prozent der 13- bis 15-Jährigen erklärten, mindestens zweimal betrunken gewesen zu sein - zwar nicht so viel wie bei den Briten (33 Prozent), aber immer noch vorderes Mittelfeld.

Große Unterschiede zwischen guten und schlechten Schülern

Weitere Defizite fand die OECD beim Thema Bildung. Sie entdeckte große Unterschiede zwischen starken und schwachen Schülern in Deutschland. Bei der Lesekompetenz sei der Abstand zwischen den oberen zehn und den unteren zehn Prozent nur in sieben Ländern größer, darunter Mexiko, USA und Griechenland. "Deutschland sollte mehr für frühkindliche Entwicklung ausgeben. Das lohnt sich.", mahnte Queisser.

20 Prozent mehr Geld

Hohe Direktzahlungen an Familien verhindern keine Armut: Obwohl Deutschland für Kinder so viel Geld ausgibt wie kaum ein anderes OECD-Land, zählt es bei der Verwirklichung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Chancengleichheit zu den Schlusslichtern. Das geht aus der Studie zum Wohlbefinden von Kindern hervor, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorstellte. Danach gibt Deutschland für Kinder zehn bis 20 Prozent mehr für Bildung, Dienstleistungen und direkte Finanztransfers aus als die OECD-Länder im Schnitt. Dennoch lebt fast jedes sechste Kind in relativer Armut, also mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens. Im OECD-Durchschnitt ist es nur jedes achte Kind, in Dänemark, dem Land mit der geringsten Kinderarmut in der OECD, sogar nur jedes 43. Kind.

Vor allem Alleinerziehende von Armut betroffen

Die Armutsquote bei Kindern sei hoch, obwohl Deutschland Familien so direkt wie kaum ein anderes OECD-Land fördere, heißt es in der Studie. Etwa 40 Prozent der öffentlichen Mittel für Kinder würden unmittelbar an die Eltern gezahlt. Unter den 30 OECD-Ländern leisteten nur Luxemburg und die Slowakei ähnlich hohe direkte Finanztransfers. In Dänemark oder Schweden liege der Anteil bei 20 Prozent. In diesen Ländern werden die Finanzmittel für Kinder überwiegend in Bildung und Betreuungsangebote investiert. Vor allem Kinder, die nur mit einem Elternteil leben, sind der Studie zufolge von Armut betroffen. So liegt die Armutsrate unter Alleinerziehenden in Deutschland bei 40 Prozent, im OECD-Schnitt sind es 30 Prozent. "Deutschland sollte seine Transfers stärker auf bedürftige Kinder und deren Familien konzentrieren", erklärte Monika Queisser, Leiterin der OECD-Abteilung Sozialpolitik. Außerdem sollten Dienstleistungen wie Kinderbetreuung und Ganztagsschulen weiter ausgebaut werden. In Deutschland werden für ein Kind bis zu seinem 18. Geburtstag durchschnittlich 144.500 US-Dollar (101.000 Euro) ausgegeben. Weit vorn liegt Luxemburg, wo jedes Kind 380.000 US-Dollar erhält. Dahinter folgen Norwegen (204.200 US-Dollar) und Schweden (176.000 US-Dollar). Am Ende der Skala liegen Polen (43.700 US-Dollar) und Mexiko (24.000 US-Dollar). Diese Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2003.

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