Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie >

Wahlkampf 2009: Wünsche von Familien an die Politiker

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Politikwünsche  

Wo setzen Familien das Kreuz?

10.09.2009, 19:07 Uhr | mmh, dpa, t-online.de

Übers Ohr gehauen, resigniert, nicht ernst genommen - so fühlen sich Familien in Sachen Politik. Hören Politiker eigentlich zu? Kennen Sie überhaupt die Wünsche, Anliegen und Probleme der Familien, der Alleinerziehenden, der Kinder? Die müssen nämlich - wie alle anderen Wahlberechtigten die nächsten vier Jahre mit der tatsächlichen Politik leben, nicht von den Wahlversprechen der Politiker. Wir haben im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 t-online.de-Leser aufgerufen, uns ihre Wünsche und Kritik an die Politik zu schreiben. Wir lesen von viel Frust, Resignation und Unmut! Sagen auch Sie ihre Meinung.

Nutzen Sie die Kommentar-Funktion am Ende des Artikels um Ihre Vorstellungen von Politik und Anregungen an die Politiker mitzuteilen.

Kinder fordern Mitspracherecht

"Warum gibt es nicht in jeder Stadt regelmäßige Treffen zwischen den zuständigen Politikern und Kindern? Dann könnten die Kinder mitreden, wie das Geld eingesetzt werden soll, das für Kinder zur Verfügung steht. Also für Schulen, Sportmöglichkeiten oder Spielplätze. Politiker wissen doch gar nicht immer, was für Kinder gut ist." Die zwölfjährige Lene darf leider noch gar nicht wählen, würde aber gerne, denn schließlich interessiert sie sich für die Themen um sich herum und hat auch in der Schule das Fach "PoWi". In "Politik und Wirtschaft" lernt man beispielsweise, was Demokratie ist.

Politiker keine "normalen" Menschen

Sind unsere Volksvertreter zu weit entfernt von den Normalbürgern? Das fragen sich manche Leser: "Manche Politiker heiraten zwar mehrfach, andere sind selbst kinderreich, aber kennen sie die Probleme, die für Otto-Normalverdiener aus solchen Situationen entstehen?" Eine 33-jährige Leserin bezweifelt dies: "Was soll man sagen zu diesen Politikern die unser Land vertreten aber vergessen dass es noch mehr gibt als in anderen Ländern rumzureisen???" Denn die Lebenssituationen sind zu verschieden, Familien lassen sich nicht pauschal behandeln. "Wir sind eine Familie aus zwei Familien neu entstanden. Mein Exmann zahlt keinerlei Unterhalt für seine Kinder die bei uns im Haushalt leben allerdings mein jetziger Ehemann zahlt den vollen Unterhalt an seine Kinder, die bei der Mutter leben und was kommt dabei rum? Uns fehlt es hinten und vorne den das sogenannte Alg II stockt nicht komplett auf den da wird ja alles neu berechnet und uns stehen ja dann nur Regelsätze zu. Ich frage mich allen ernstes könnte die gute Frau von der Leyen mit so minimalistischen Beträgen leben?"

Bestrafung der Ehrlichen?

Soziale Ungerechtigkeit, Bestrafung der Ehrlichen, veraltete Gesetze sind weitere Themen, die unsere Leser bewegen. So schreibt eine Userin: "Ich bin der Meinung unsere Gesetze sind ziemlich überholt und berücksichtigen nicht, dass es auch individuelle Lösungen geben muss, denn eine Familie lebt im Überfluss und der anderen bleibt gerade soviel das man nicht verhungert."

Sorge um Kindeswohl

Erhöhte Aufmerksamkeit erhält das Problem Kindesmisshandlungen, hier geraten die Jugendämter unter Beschuss: "Wenn ich sehe wie die Jugendämter arbeiten, krieg ich Brechreiz. Würde einer von uns so arbeiten wäre er seinen Job los. Es ist da auch Aufgabe der Politiker, etwas zu ändern, den es muss definitiv etwas passieren sonst werden noch mehr Kinder unter ihren Eltern gequält, gemästet oder verhungern und das in Deutschland in einer westlichen Kultur."

Problem: Vereinbarkeit von Job und Kind

Ein ewiges Streitthema, das sich in Sonntagsreden nicht lösen lässt. Hier müssen sich die Politiker harte Kritik gefallen lassen, wie die einer 33-jährigen, vierfachen Mutter: "Hat sich irgendeiner der Herrschaften für die Zeit nach der Wahl schon mal Gedanken gemacht was ist, wenn die Mutter wieder arbeiten möchte? Erstens bekommt die Mutter denn überhaupt noch einen Job? In den meisten Fällen ist es doch so auch wenn sie qualifiziert genug ist nimmt der Arbeitgeber doch lieber die Frau ohne Kinder den sie ist flexibler. Und sollte sie dann doch den Job bekommen ist die Kinderbetreuung denn flexibel genug und finanzierbar??"

Haltung der Politiker

Welche Haltung und Einstellung gegenüber Kindern trauen die User den Politikern zu? Respekt und Achtung vor der Erziehungsleistung? Fehlanzeige - denke viele. Obwohl die gewünschte und geforderte Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Eltern immer noch schmerzhaften Spagat bedeutet oder gar nicht zu organisieren ist. Eine Userin greift das Thema bezahlte Erziehungsarbeit auf und kritisiert die finanzielle Förderung von Ganztagesbetreuung:„Ich wünsche mir zum Wohl von Kindern die Anerkennung der Mutterliebe für zärtliches Umsorgen der Kinder. Dieser Job ist ein 24 Stunden-Job und wird nach wie vor NICHT anerkannt und auch nicht bezahlt. Die finanziellen Entlastungen des Staates dürfen nicht mehr in Kinderverwahranstalten, Kinderheime, Pflegefamilien !!!  etc fließen--um so mit geraubten Kindern  Arbeitsplätze in Form von Dienstleistungsgewerbe, wie von Steinmeier propagiert geschaffen werden. Denn diese Form der Entrechtung von Kindern hat nichts mehr mit familienfreundlicher Politik zu tun.“ Ein extrem hartes Urteil fällt eine Userin in ihrer Mail an die Redaktion: „Kindeswohl ist meiner Meinung nach in der derzeitigen Familienpolitik nicht vorhanden!“

Erziehungsarbeit anerkennen

Viele Leser wünschen sich eine bessere Anerkennung und Absicherung von Eltern und betonen die Wichtigkeit und Schwierigkeit dieser Arbeit, wie beispielsweise "zippe": "Ich wünsche mir das unsere Politiker einen Tag lang den Job meiner Frau übernehmen: Tagesmutter! Das heißt Zwölf-Stunden Tag, körperlich und geistig sehr verantwortungsvoll, und das ganze für den bei uns in Leipzig momentan geltenden, kommunal vorgeschriebenen Stundenlohn von 2,13€ !!! Aber auch das würde sicher nichts an der Familienpolitik ändern. Schließlich musste das Geld für die Rettung einer einzigen Bank viel sinnvoller ausgegeben werden ... und nicht für Kinder !!!" genauso knapp bringt es "Ines" auf den Punkt: "Familie scheint in Deutschland nicht wichtig, wenn man bedenkt, dass man für eine Schrottkarre hat man 2500,- bekommen, pro Kind einmalig 100,-... ganz toll"

Vorschlag Familiencoach und Wahllokal

Ein konstruktiver Vorschlag ist beispielsweise die Einführung von Familiencoaches. Diese Idee birgt vielfältige Umsetzungsmöglichkeiten: Ähnlich wie Elternkursen, Hausbesuchen durch Pädagogen oder Erziehungsberatung.

Kinder einbinden

Bei einer Wahl sollten Kinder ruhig eingebunden werden. Eltern könnten sie beispielsweise mit zum Wahllokal nehmen und ihnen dabei noch einmal das Verfahren erläutern, rät Doris Kahlert von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth. Bis zum Ende der Grundschulzeit hätten Kinder meist selbst schon verschiedene Wahlen erlebt - etwa zum Klassensprecher - und gut verstanden, wofür Wahlen stehen. Daher kennen sie auch die Rituale wie das Ausfüllen des Wahlzettels. Über diese Erfahrungen erlebten Kinder, dass sie durch ihr Handeln etwas verändern können, erläutert die Diplom-Psychologin. Außerdem werde die Grundlage für ein demokratisches Selbstverständnis gelegt. Eltern könnten das unterstützen, indem sie selbst wählen gehen. Außerdem sei es sinnvoll, nach der Wahl mit den Kindern über das Ergebnis zu sprechen. Vor allem Jugendliche hätten oft schon sehr klare Vorstellungen davon, welche politischen Aussagen sie glaubwürdig finden.

Nur ein Kreuz?

Es wäre sicherlich wünschenswert, Kinder bald zu mündigen und verantwortungsvollen Bürgern zu erziehen, die ihr wertvolles Wahlrecht zu nutzen wissen, die Wahlbeteiligung allerdings lässt anderes vermuten. Mehr Engagement, Mitsprache und Wahlbeteiligung würde vielleicht auch viel Frust verhindern, wie den dieser Frau, die uns ihr resigniertes Fazit mitteilte: "Aber ach egal was mach ich mir denn 'nen Kopf. wir gehen wieder alle hübsch unser Kreuz machen und haben mit ganz viel Pech wieder auf ganzer Linie verloren."

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal