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Studieren mit Kind: Zwischen Campus und Kita

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Studierende Eltern  

Studieren mit Kind - zwischen Campus und Kita

13.01.2012, 16:56 Uhr | Jenni Zwick

Studieren mit Kind: Zwischen Campus und Kita. Junge Frau sitzt mit ihrem Baby vor dem Computer und arbeitet.

Nur etwa sechs Prozent der Studenten sind Eltern. (Bild: Imago)

Morgens in die Kita, bis nachmittags im Hörsaal, kurz auf den Spielplatz und abends an den Schreibtisch - der Alltag von Studierenden mit Kind ist alles andere als einfach. Wahrscheinlich sind deshalb durchschnittlich nur sechs Prozent der Studenten Eltern. Doch die Paare oder Alleinerziehenden, die es schaffen, Studium, Kindererziehung und Nebenjob unter einen Hut zu bekommen, sind meistens wahre Organisationstalente und äußerst stressresistent - Fähigkeiten, die im späteren Beruf sehr gefragt sind. Außerdem haben sie das Kinderkriegen schon hinter sich - ein weiterer Pluspunkt für zukünftige Arbeitsgeber. Studieren mit Kind ist eine Herausforderung - doch es birgt auch Chancen. Der Staat hilft jungen Eltern, damit sie ihre Ausbildung beenden können. Die meisten Hochschulen sind mittlerweile familienfreundlich und auch die Kommilitonen sind oft hilfsbereit.

Exoten auf dem Campus

Seit Jahren liegt der Anteil studierender Eltern konstant zwischen sechs und sieben Prozent (bezogen auf Kinder bis 15 Jahren). Davon befinden sich drei Viertel im Erststudium. Laut dem „Monitor Familienforschung“, herausgegeben vom Bildungsministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sind das rund 120.000 Studierende mit Kind. Fast die Hälfte der Kinder ist jünger als drei Jahre. Von den studierenden Eltern ist etwa die Hälfte verheiratet, jede vierte studierende Mutter erzieht ihr Kind jedoch alleinerziehend. Die Rollenverteilung der verheirateten oder in einer festen Partnerschaft lebenden Partnerschaft ist eher traditionell - die Väter verdienen das Geld für die Familie, die Mütter widmen sich der Kindererziehung. Häufig unterbrechen die Mütter in den ersten drei Jahren ihr Studium, Väter treten an der Uni kürzer oder unterbrechen ebenfalls das Studium. Dass die Vereinbarkeit von Kind und Studium schwierig ist, zeigt sich an Studiendauer und Studienverläufen der Studierenden. Eltern studieren länger und ihr Studienverlauf ist problematischer. Jede zweite Mutter hat das Studium bereits einmal unterbrochen, im Gegensatz zu jeder zehnten Studentin ohne Kind. Die Unterbrechung gestaltet sich mit fünf Semestern im Durchschnitt zwei Semester länger als bei kinderlosen Studierenden. Auch die Abbruchrate des Studiums ist höher. Von denjenigen, die ihr Studium nicht beenden, gibt die Hälfte die Nichtvereinbarkeit von Studium und Familie als Grund an.

Hilfe von der Universität

Studierende haben weniger Zeit fürs Studium als diejenigen ohne Kind. In ihrem Zeitbudget müssen neben den Studienleistungen noch Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit zur Finanzierung der Familie untergebracht werden. Das führt zu einer insgesamt höheren zeitlichen Belastung. Die meisten Hochschulen haben mittlerweile Beratungsstellen für Studierende mit Kind eingerichtet, um ihnen in ihrer ohnehin schwierigen Situation das Studium zu erleichtern. Eine weitere Anlaufstelle ist die Sozialberatungsstelle des Studentenwerks. Hier können die Studenten eine einmalige Summe für die Babyerstausstattung beantragen oder einen Antrag auf einen so genannten Not-Fond stellen. Es gibt außerdem die Möglichkeit, zumindest für ein Elternteil, sich von den Studienbeiträgen befreien zu lassen. Dies ist von Universität zu Universität unterschiedlich geregelt. Manche Unis befreien nur zwei Semester, andere die komplette Regelstudienzeit.

Anspruch auf Kinder- und Elterngeld

Auf Kindergeld haben auch studentische Eltern Anspruch. Das Kindergeld ist einkommensunabhängig und beträgt bisher für das erste und zweite Kind je 164 Euro, für das dritte Kind 170 Euro und für jedes weitere Kind erhöht sich die Zahlung auf 195 Euro im Monat. Die Studierenden können, genau wie erwerbstätige Eltern, Elternzeit nehmen. Hierbei werden für zwölf Monate 67 Prozent des letztjährigen Netto-Gehalts, maximal jedoch 1800 Euro gezahlt. Als pauschale Mindestsumme werden 300 Euro Elterngeld je Kind gewährt. Studentinnen, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse familienversichert und - wenn auch nur geringfügig – beschäftigt sind, können ab Beginn des Mutterschutzes beim Bundesversicherungsamt Mutterschutzgeld von einmalig maximal 210 Euro erhalten. Studentinnen, die selbst - freiwillig oder pflichtweise - gesetzlich krankenversichert sind, erhalten Mutterschaftsgeld auch bei geringfügiger Beschäftigung, beispielsweise als Minijob, von ihrer Krankenkasse. Die Beantragung und Auszahlung von maximal 13 Euro pro Tag erfolgt ebenfalls über die zuständige Krankenkasse.

Unterstützung vom Staat

Wenn das Einkommen nicht ausreicht, was bei Studierenden häufig der Fall ist, kann Wohngeld und für das Kind Arbeitslosengeld II beantragt werden (ALG II erhält nur das Kind, nicht die studentischen Eltern). Bei der Bundesstiftung Mutter und Kind können werdende Mütter Geld beantragen. Sie müssen ihre finanzielle Situation offenlegen und erhalten eine einmalige Hilfe, wenn sie mittellos sind. Für Alleinerziehende, bei denen die Väter des Kindes den Unterhalt nicht zahlen können, gibt es die Möglichkeit, beim Jugendamt einen Unterhaltsvorschuss zu bekommen. Dieser wird später vom Vater des Kindes zurückgefordert.

BAföG mit Kind

Laut dem Bundesausbildungsgesetz (BAföG) erhalten Schüler, Studierende und Praktikanten Unterstützung vom Staat, wenn ihnen aufgrund fehlender finanzieller Mittel eine entsprechende Ausbildung unter anderen Umständen nicht möglich wäre. Die Höhe der Förderung hängt vom eigenen Einkommen und Vermögen sowie von dem der Eltern ab. Die Hälfte der Förderung wird als Zuschuss gezahlt, die andere als zinsloses Darlehen. Das BAföG wird in der Regel nur für die Dauer der Regelstudienzeit gewährt. In Ausnahmefällen, beispielsweise einer Schwangerschaft oder Krankheit, besteht die Möglichkeit, über das Ende der Förderungshöchstdauer hinaus gefördert zu werden. Schwangerschaft und/oder Kindeserziehung müssen allerdings Grund für die Verzögerung der Ausbildung sein.

Im Notfall Arbeitslosengeld II beantragen

Muss das Studium aufgrund der Schwangerschaft und Geburt länger als drei Monate unterbrochen werden, haben die Eltern keinen Anspruch auf BAföG mehr, bis sie das Studium wieder aufnehmen. Sobald absehbar ist, dass die drei Monate überschritten werden, ist man verpflichtet, das BAföG-Amt über die Unterbrechung zu informieren. In dieser Zeit können studentische Eltern, wenn keine anderen Mittel zur Verfügung stehen, ALG II beantragen, obwohl Studenten generell keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben. Im Falle einer Elternschaft gibt es aber die Möglichkeit, schwangerschaftsbedingten Mehrbedarf sowie einmalige Leistungen (beispielsweise Schwangerschaftskleidung oder die Erstausstattung fürs Baby) zu beantragen. Das BAföG kann seit Dezember 2007 um einen Kinderbetreuungszuschlag erhöht werden. Für das erste Kind werden 113 Euro gezahlt, für jedes weitere 85 Euro. Es handelt sich um Pauschalbeträge. Betreuungskosten müssen also nicht nachgewiesen werden.

Betreuungsprobleme an der Uni

Obwohl viele Unis, Fachhochschulen und Studentenwerke mittlerweile eigene Kitas eingerichtet haben - Betreuungsplätze sind rar. Meistens fehlen Plätze für Kinder unter drei Jahren, obwohl gerade Studierende auf die Betreuung angewiesen sind. Sie möchten in den seltensten Fällen die gesamte Zeit bis zum Kindergarten aussetzen und Plätze in privaten Elterninitiativen können sich die Studenten nur selten leisten. Die Plätze in städtischen Einrichtungen werden meistens nach Sozialplänen vergeben, so dass junge Eltern in der Ausbildung bessere Chancen auf einen Platz in der Krippe haben als erwerbstätige Eltern. Die studierenden Eltern sollten möglichst früh beginnen, sich um einen Betreuungsplatz zu kümmern. Eine Alternative bieten auch Tagesmütter, die durch das Jugendamt bezuschusst werden, was nach dem Einkommen errechnet wird. Da diese auch nur beispielsweise drei Vormittage in Anspruch genommen werden können, ist eine Tagesmutter manchmal billiger als ein Platz in der Kinderkrippe. Manche Universitäten bieten Notbetreuungsplätze an. Diese können genutzt werden, wenn die Tagesmutter krank oder der Kindergarten beispielsweise einen pädagogischen Tag hat und geschlossen ist.

Studieren mit Kind als Chance

Auch wenn das Leben der jungen Eltern komplett umgekrempelt wird - Studieren mit Kind(ern) birgt auch Chancen für zukünftige Akademiker und Akademikerinnen. Im Interview mit der Techniker Krankenkasse bestärkt Dr. Karin Anderson, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, junge studentische Eltern und erklärt, wo die Chancen und Vorteile liegen: „Die Verantwortung, Entscheidungs- und Durchsetzungsfähigkeit, Fürsorge und Geduld, die man im Umgang mit seinen Kindern lernt, kommen einem auf jeden Fall im Berufsleben sehr zugute. Elternschaft bedeutet einen großen Reifungsschritt und ermöglicht ein wesentliches Stück Lebenserfahrung. Wer den Alltag mit chaotischen Dreijährigen bewältigen kann, ist sicher nicht mehr so einfach aus der Ruhe zu bringen.“ Ihrer Meinung nach können sich Studenten, die Erfahrungen in Kindererziehung und der Dreifachbelastung Studium, Elternschaft und Erwerbstätigkeit haben, besser im Berufsleben durchsetzen.

Relativ freie Zeiteinteilung

Ein weiterer Vorteil für das Studieren mit Kind ist die verhältnismäßig freie Zeiteinteilung. Natürlich benötigen die Eltern eine gute Betreuung für ihr Kind und die Regelstudienzeit wird möglicherweise überschritten, doch können sie ihren Stundenplan an die Bedürfnisse ihres Kindes anpassen. Anders als im Beruf, wo Arbeitszeiten vorgegeben werden und es gerade für Frauen schwierig ist, ihre Zeiten flexibel zu gestalten, können die Studierenden entscheiden, wann sie an die Universität oder die Fachhochschule gehen. Schwierig wird es allerdings bei sehr verschulten Studiengängen, bei denen Pflichtfächer beispielsweise nur in den Abendstunden liegen und deshalb nicht oder erst in den folgenden Semestern belegt werden können. Auch, wenn das Studium etwas länger dauert: Hat Frau schon ein oder gar zwei Kinder, kann sie ihrem künftigen Arbeitgeber glaubhaft versichern, dass sie ihre Karriere plant und dass die Familienplanung schon abgeschlossen ist und bekommt nach dem Studium möglicherweise genau aus diesem Grund einen guten Job.

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