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Jugendliche in der Schuldenfalle – ein Leben im Minus

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Schulden  

Jugendliche in der Schuldenfalle – ein Leben im Minus

06.11.2009, 11:45 Uhr | Jenni Zwick, t-online.de

Jugendliche in der Schuldenfalle – ein Leben im Minus . Junge mit Handy und Geldscheinen.

Schulden bei Jugendlichen unter 20 Jahren: 128.000 sind betroffen. (Bild: Imago)

Die Zahlen sind alarmierend: Jugendliche unter 20 Jahren verschulden sich sehr viel stärker als noch vor fünf Jahren. Laut dem SchuldnerAtlas 2009 von Creditreform können 128.000 junge Menschen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das sind 75.000 Betroffene mehr als noch 2004. Auch die Verschuldung in der Altersgruppe der 20 bis 29-Jährigen hat zugenommen. In diesem Segment wuchs die Schuldnerzahl gegenüber 2004 um fast eine Viertelmillion (223.000). Denn die Versuchungen im Alltag sind groß: schicke Handys, iPods, Markenklamotten oder schnelle Autos. Obwohl Kindern und Jugendlichen immer mehr Geld zur Verfügung steht, lernen die wenigsten mit dem Geld zu haushalten. Der Weg in die Verschuldung wird ihnen leicht gemacht: Um Jungkunden zu gewinnen geben Banken schon 18-Jährigen Dispokredite, Einzel- und Versandhandel bieten Ratenzahlungen an und die Eltern strecken ihren Kindern das fehlende Geld für den neuen PC vor. Der Schuldenberg wächst und wächst, ohne, dass die Jugendlichen es merken - vorerst. Spätestens, wenn der Gerichtsvollzieher den ersten Brief schreibt, werden sich die meisten Teenager der Problematik bewusst. Doch zu diesem Zeitpunkt ist es oft zu spät.

Schulden bei Eltern und Kindern  

Bei Jugendlichen ab 18 Jahren ist die Gefahr der Verschuldung besonders hoch, da sie in diesem Alter Kredite erhalten können. Außerdem können sie ohne Zustimmung ihrer Eltern Waren auf Ratenzahlung erwerben. Die Zahlen sind erschreckend: Im Durchschnitt haben die verschuldeten Jugendlichen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1.800 Euro. Diese Summe vom Taschengeld zurückzuzahlen bedarf schon einiger Jahre. Die Gefahr, dass sich die Schulden erhöhen, ist groß. Jüngere Kinder und Jugendliche können theoretisch keine Schulden machen, doch die Praxis sieht anders aus. Viele Schuldnerberatungsstellen beobachten, dass die Schuldner immer jünger werden. Bereits zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen haben heute Schulden – meistens bei ihren Eltern, Freunden oder Verwandten. Doch diese sind häufig ebenfalls verschuldet. Die aktuellen Zahlen von Creditreform belegen zwar, dass die Deutschen weniger verschuldet sind als letztes Jahr, doch sind noch rund 6,2 Millionen Bürger auf unabsehbare Zeit nicht in der Lage, aus ihrem Einkommen oder Vermögen ihre laufenden Kosten zu bestreiten. Das färbt auch auf die Kinder und Jugendlichen ab. Ein Grund für die Verschuldung von jungen Leuten ist das Verhalten der Eltern, die eine schlechte Zahlungsmoral oder Unfähigkeit des Haushaltens vorleben. Die Jugendlichen sehen bei ihren Eltern, dass Rechnungen und Zahlungsaufforderungen ignoriert werden und der Kredit immer höher wird. In solch einem Umfeld fällt es schwer, den Umgang mit Geld zu lernen und nicht selbst in die Schuldenfalle zu tappen.

Mit dem Handy in die Schuldenspirale

Fragt man Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren, rangiert das Handy auf Platz zwei der „Taschengeldfresser“. Nur für Kleidung geben Teenager mehr Geld aus. So ist auch die Handyrechnung oftmals der erste Schritt in die Schuldenspirale. Denn neben den Gebühren fürs Telefonieren und Simsen fallen Kosten für neue Dienste, wie das Versenden von MMS-Bildnachrichten, das Herunterladen von Logos, Spielen und Videos sowie mobiles Surfen im Internet an. Für die Kids häufig völlig unüberschaubare Ausgaben - bis die erste Rechnung kommt. Die Eltern sind in der Pflicht, Kinder über die mit der Handy-Benutzung verbundenen Kosten genau zu informieren. Schuldnerberatungsstellen raten zu Prepaid-Karten bei Kindern und Jugendlichen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn mit Klingelton-Abos können sich unbemerkt monatliche Kosten ansammeln, die der Jugendliche nicht bezahlen kann. Die Gebühren für das Abo werden direkt von der Prepaid-Karte abgebucht. Ist die Karte leer, passiert scheinbar gar nichts - im Hintergrund aber sammeln sich die Kosten an. Lädt der Besitzer die Karte auf, wird der Betrag vom Guthaben abgezogen und die Karte ist dauerleer. Wird die Karte nicht aufgeladen summieren sich die monatlichen Kosten. Der Anbieter kann die Adresse des Kartenbesitzers über den Provider feststellen und irgendwann eine saftige Rechnung schicken.

Wann gelten Kinder als geschäftsfähig?

Um Minderjährige davor zu bewahren, für sie nachteilige Geschäfte einzugehen und die daraus entstehenden Folgen tragen zu müssen, gibt es gesetzliche Vorschriften, die sie davor schützen sollen. Minderjährige, die das siebte Lebensjahr nicht vollendet haben sind geschäftsunfähig. Ein Vertragsschluss mit ihnen ist daher unwirksam. Nimmt Ihr Kind beispielsweise Geld aus Ihrem Geldbeutel und kauft damit beim Kiosk um die Ecke beispielsweise drei „Mickey Maus“-Hefte, dürfen Sie diese zurückgeben und das Geld zurückverlangen. Vom siebten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind Minderjährige beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet, dass die meisten Rechtsgeschäfte, die beschränkt Geschäftsfähige schließen, unwirksam sind, wenn sie nicht mit Einwilligung der Eltern geschlossen werden. Sie als Elternteil können dem Rechtsgeschäft jedoch auch nachträglich zustimmen oder es ablehnen. Altersübliche, geringfügige Geschäfte können ohne Ihre Zustimmung abgeschlossen werden, wenn sie mit dem Taschengeld bezahlt werden. Beispielsweise der Kauf einer CD, einer Zeitschrift oder eines Buches. Kauft Ihr Kind ein teures Elektrogerät und Sie sind mit dem Kauf nicht einverstanden, können Sie das Gerät ebenfalls zurückbringen und das Geld zurückverlangen. Das gilt auch für eine durch Ihr Kind abgeschlossene Ratenvereinbarung. Ab der Volljährigkeit ist Ihr Kind voll geschäftsfähig. Das bedeutet, dass Ihr volljähriges Kind eigenständig Verträge jeder Art abschließen kann. Für die sich daraus ergebenden Folgen ist es aber auch voll verantwortlich.

Geschäftsfähigkeit im Internet

Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen versuchen verschiedene Anbieter gerade geschäftlich unerfahrene Personen in Verträge zu locken, die diese mehrere Monate beziehungsweise Jahre binden. Drohungen mit einer Anzeige wegen Betrugs oder einen Eintrag in das Erziehungsregister (auch seitens eines Rechtsanwalts oder Inkassobüros) brauchen die Eltern aber nicht zu fürchten. Wer kein Alter unter 18 eingeben konnte, kann in aller Regel nicht des Betrugs bezichtigt werden. Dieser Fall tritt beispielsweise ein, wenn das Kind oder der Jugendliche im Internet in einer Maske das Alter einstellen soll, das Alter aber nicht manuell eingegeben, sondern nur in einer Maske ab 1990 eingestellt werden kann. Der Anbieter unterbindet die korrekte Altersangabe auf der Homepage gegebenenfalls absichtlich, in der Hoffnung, alle Minderjährigen dann mit dem Betrugsvorwurf zur Zahlung bewegen zu können. Haben Minderjährige den vermeintlichen Vertrag abgeschlossen, sollten die Erziehungsberechtigten dem Anbieter mitteilen, dass der Vertrag unwirksam ist und nicht genehmigt wird. Wer auf eine der irreführenden Offerten hereingefallen ist, kann in vielen Fällen von seinem zweiwöchigen Widerrufsrecht Gebrauch machen und schriftlich vom Vertrag zurücktreten. Ein von Minderjährigen abgeschlossener Vertrag ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten ist unwirksam. (Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen)

Kontoeröffnung für Minderjährige

Um zu lernen mit Geld umzugehen, bietet sich ein eigenes Konto für Jugendliche an. Um es eröffnen zu können, brauchen Minderjährige in der Regel die Zustimmung der Eltern. Eine Ausnahme gilt, wenn der Jugendliche mit der Erlaubnis der Eltern ein Arbeitsverhältnis (zum Beispiel eine Lehre) angetreten hat. Dann ist es für diesen Bereich geschäftsfähig. Der Jugendliche ist in diesem Fall zur Annahme des Lohns berechtigt und darf allein ein Girokonto einrichten. Über dieses Konto kann der Jugendliche jedoch keine Überweisungen vornehmen. Die Banken sind übrigens dazu verpflichtet, Konten Minderjähriger nur auf Guthabenbasis zu führen. Darauf sollten Eltern unbedingt achten, damit ihr Kind keine Möglichkeiten bekommt, sich Geld von der Bank zu leihen und so in die Schuldenfalle gelockt werden.

Bei der Schuldnerberatung

Bekommen Sie mit, dass Ihr Kind Schulden hat und sich alleine nicht aus der Situation befreien kann, ist es ratsam, sich an eine Schuldnerberatung zu wenden. Auch Sozialverbände bieten Beratungsgespräche und Beratungen an, die man ohne Scham nutzen kann. Schuldnerberatungen geben Hilfestellung bei der Bewältigung von Schuldenproblemen und sind kostenfrei. Sie unterliegen den gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz und der Schweigepflicht. Als Ratsuchende bekommen Sie und Ihr Kind keine Geldmittel von den Beratungsstellen, allerdings wird mit Ihnen und Ihrem Kind ermittelt, in welcher Höhe sich die Schulden belaufen und wie Sie weiter vorgehen können. Gegebenfalls können Sie auch klären, ob Ihr Kind zum Zeitpunkt des Abschlusses eines Ratenvertrags schon geschäftsfähig war und alle Leistungen wirklich zahlen muss. Zudem beraten Schuldnerberatungen in hauswirtschaftlichen Fragen und bei der Einteilung der Finanzen auf Grundlage eines realistischen Haushaltsplanes, der in der Beratung besprochen wird. Außerdem können die Berater mit Gläubigern verhandeln und mit ihnen Vereinbarungen treffen, wann und in welchen Raten sie ihr Geld erhalten. Dazu sind viele Jugendliche trotz Schuldenberg häufig nicht in der Lage.

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