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Jugendliche leben häufig über ihre Verhältnisse

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Umgang mit Geld  

Teenies im Shopping-Fieber

09.12.2009, 10:43 Uhr | rev; Jenni Zwick; ots; iconkids & youth

Jugendliche leben häufig über ihre Verhältnisse. Mädchen beim Shoppen.

Am liebsten geben Teenager ihr Geld für Kleider aus. (Bild: Archiv)

Junge Leute sind im Umgang mit Geld oft noch recht blauäugig. Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der "Apotheken Umschau" räumte mehr als ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen (35,0 Prozent) ein, für sie sei es schwierig, mit Geld umzugehen. Betrachtet man weitere Ergebnisse der Umfrage, ist dies auch kein Wunder: Vier von zehn Jugendlichen (42,4 Prozent) geben laut eigener Angaben auch schon mal mehr Geld aus als sie eigentlich zur Verfügung haben. Und fast ebenso viele (37,1 Prozent) meinten, beim Shoppen nicht darüber nachzudenken, ob sie sich die erstandenen Schnäppchen auch wirklich leisten könnten.

Krise erreicht die Jugend

Die Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben in diesem Jahr 20,5 Milliarden Euro eingenommen. Dies sind über zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor (2008: 23,1 Milliarden), wie das Münchner Meinungsforschungsinstitut iconkids & youth in einer weiteren Umfrage herausgefunden hat. Dafür wurden insgesamt 1468 Sechs- bis 19-Jährige in Deutschland befragt. Damit hat die Krise auch den Nachwuchs erreicht. Dabei gibt es dieses Minus von zehn Prozent sowohl beim Taschengeld (2009: 4,3 Milliarden) als auch beim regelmäßigen Gehalt (2009: 9,9 Milliarden). Die übrigen Einnahmen stammen von Geldgeschenken und aus Nebentätigkeiten/Jobs.

Hoffen auf bessere Zeiten

Jedoch sind die Kids bei ihrem Konsum noch nicht bereit, Abstriche zu machen: Hochgerechnet aufs Jahr belaufen sich die Ausgaben der Kinder und Jugendlichen auf 22,9 Milliarden. Diese sind damit sogar noch etwas höher als 2008 (22,7 Milliarden). „Im Geldbeutel ist die Krise angekommen, aber noch nicht im Herzen. Die Konsumlust ist trotz der zehn Prozent weniger im Geldbeutel ungebrochen“, meint Ingo Barlovic von iconkids. „Und man hofft, dass man bald wieder mehr in der Tasche hat. Damit sind die Kids ein Spiegelbild der Gesamtbevölkerung.“

Was Teenager kaufen

Was aber ist es, das Jugendliche besonders anzieht? Viele Hersteller sind ganz besonders daran interessiert, Kinder und Jugendliche für ihre Produkte zu begeistern. Denn anders als Erwachsene sind Kinder in ihrem Geschmack noch nicht so sehr festgelegt. Sie haben noch eine lange Konsumentenkarriere vor sich. Erst kürzlich hat die Studienreihe "Bravo Faktor Jugend" ermittelt, welche Marken und Produkte bei Kindern und Jugendlichen am besten ankommen: "Digitale Marken" aus dem Entertainment- und Kommunikationsbereich haben im Lebensalltag der Jugendlichen eine Spitzenposition. Die Top-5-Marken der Jugendlichen in 2009 sind: McDonald's mit 83 Prozent, Sony Ericsson mit 72 Prozent, Nintendo mit 71 Prozent, Coca Cola mit 71 Prozent und Playstation mit 68 Prozent. Teilt man den Konsum der Kinder und Jugendlichen in verschiedene Bereiche ein, zeigt sich: Die Kinder und Jugendlichen investieren ihr Geld vor allem für Kleidung (3,4 Milliarden), fürs Weggehen (2,6 Milliarden) und fürs Handy (insgesamt 2,3 Milliarden).

128.000 Jugendliche haben Schulden

Dass dieses Verhalten vieler Jugendlichen aber schwerwiegende Folgen haben kann, zeigen andere alarmierende Statistiken: Jugendliche unter 20 Jahren verschulden sich sehr viel stärker als noch vor fünf Jahren. Laut dem SchuldnerAtlas 2009 von Creditreform können 128.000 junge Menschen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das sind 75.000 Betroffene mehr als noch 2004.

Schuldner werden immer jünger

Im Durchschnitt haben die verschuldeten Jugendlichen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1800 Euro. Diese Summe vom Taschengeld zurückzuzahlen, bedarf schon einiger Jahre. Die Gefahr, dass sich die Schulden erhöhen, ist groß. Jüngere Kinder und Jugendliche können theoretisch keine Schulden machen, doch die Praxis sieht anders aus. Viele Schuldnerberatungsstellen beobachten, dass die Schuldner immer jünger werden. Bereits zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen haben heute Schulden - meistens bei ihren Eltern, Freunden oder Verwandten. Besonders hoch ist die Verschuldungsgefahr jedoch bei Jugendlichen ab 18 Jahren, da die Teenager in diesem Alter Kredite erhalten können. Außerdem können sie dann ohne Zustimmung ihrer Eltern Waren auf Ratenzahlung erwerben.

Gesetzliche Vorgaben

Um Minderjährige davor zu bewahren, für sie nachteilige Geschäfte einzugehen und die daraus entstehenden Folgen tragen zu müssen, gibt es gesetzliche Vorschriften, die sie davor schützen sollen. Minderjährige, die das siebte Lebensjahr nicht vollendet haben, sind geschäftsunfähig. Ein Vertragsschluss mit ihnen ist daher unwirksam. Nimmt ein Kind beispielsweise Geld und kauft damit beim Kiosk um die Ecke drei „Mickey Maus“-Hefte, dürfen Eltern diese zurückgeben und das Geld zurückverlangen. Vom siebten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sind Minderjährige beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet, dass die meisten Rechtsgeschäfte, die beschränkt Geschäftsfähige schließen, unwirksam sind, wenn sie nicht mit Einwilligung der Eltern geschlossen werden.

Rechtliche Möglichkeiten der Eltern

Eltern können dem Rechtsgeschäft jedoch auch nachträglich zustimmen oder es ablehnen. Altersübliche, geringfügige Geschäfte können ohne die elterliche Zustimmung abgeschlossen werden, wenn sie mit dem Taschengeld bezahlt werden. Beispielsweise der Kauf einer CD, einer Zeitschrift oder eines Buches. Kauft das Kind ein teures Elektrogerät und die Eltern sind mit dem Kauf nicht einverstanden, kann das Gerät ebenfalls zurückgebracht und das Geld zurückverlangt werden. Das gilt auch für eine durch das Kind abgeschlossene Ratenvereinbarung. Ab der Volljährigkeit ist ein Kind voll geschäftsfähig. Das bedeutet, dass das volljährige Kind eigenständig Verträge jeder Art abschließen kann. Für die sich daraus ergebenden Folgen ist es aber auch voll verantwortlich.

Richtiger Umgang mit Geld: Eltern sind gefordert

Unabhängig der gesetzlichen Vorschriften ist es wichtig, dass Eltern frühzeitig ihren Kindern den richtigen Umgang mit Geld vermitteln. "Die Grundlagen eines angemessenen Umgangs mit Geld werden schon in jungen Jahren gelegt", erklärt Dr. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Deshalb sei es wichtig, spätestens zur Einschulung die Kinder schrittweise und altersgerecht an den verantwortungsvollen Umgang mit Geld heranzuführen.

Taschengeld - erster und wichtigster Schritt

Das Taschengeld bildet die Grundlage für das Erlernen des vernünftigen Geldumgangs. Mit den gesammelten Geldbeträgen können sich die Heranwachsenden bereits zwischen Sparen und Konsumieren entscheiden und somit den Umgang mit Geld erlernen. "Die Zuteilung des Taschengeldes ist ein erstes Lernprogramm für den Umgang mit Geld, das Eltern für ihre Kinder bereitstellen", erklärt Martin. Die Beiträge sollten dem Kind zur freien Verfügung stehen. Empfehlenswert sei es aber, dass Eltern weiterhin für Fahrkarten, Schulmaterial und besondere Ausgaben, die sein müssen, aufkommen.

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Die Zuteilung des Taschengeldes im wöchentlichen Turnus sei bei jüngeren Kindern sinnvoll. Ältere Kinder und Jugendliche sollten ihr Geld monatlich ausgehändigt bekommen. Schließlich nimmt mit dem finanziell zu überbrückenden Zeitraum auch die Schwierigkeit der richtigen Geldentscheidung zu. Die verschiedenen Banken geben pädagogisch fundierte Empfehlungen für die jeweilige Höhe der Taschengeldbeträge ab. Beispielsweise liegt der wöchentliche Satz bei sechs- bis siebenjährigen Kindern in der Regel bei 0,5 bis zwei Euro. Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren erhalten üblicherweise monatlich 13 bis 15 Euro. Für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren sollte das Taschengeld zwischen 30 und 40 Euro im Monat betragen.

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