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Hartz IV: Wo die meisten Kinder betroffen sind

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Hartz-IV  

Kindheit mit Hartz IV

09.02.2010, 09:42 Uhr | dpa

Hartz IV: Wo die meisten Kinder betroffen sind.

Kindheit in einer Hartz IV-Familie. (Bild: dpa) (Quelle: dpa)

Die Hartz-IV-Regelsätze für Kinder sind verfassungswidrig. So entschied jetzt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Mit 215 Euro monatlich wird jedes Kind bis zu seinem sechsten Geburtstag unterstützt, danach sind es 251 Euro. Eine Auswertung von dpa-Regio-Data zeigt, wo in Deutschland die meisten Kinder in Hartz-IV-Familien leben. Bremerhaven bildet mit 37 Prozent der Kinder die traurige Spitze.

Bremerhaven trauriger Spitzenreiter

Von insgesamt rund 15.000 Kindern unter 15 Jahren wachsen in Bremerhaven mehr als 5600 in Hartz-IV-Familien auf. Dass in Bremerhaven sehr viele Menschen in Armut leben, geht auf die industrielle Vergangenheit der Hafenstadt zurück: "Bremerhaven war von Fischerei und Werftindustrie geprägt. Den Zusammenbruch dieser Industriezweige hat die Stadt kaum verkraftet," sagt Lothar Eichhorn vom niedersächsischen Landesbetrieb für Statistik in Hannover. Auch in anderen alten Industriestädten wie Offenbach am Main und Gelsenkirchen leben nach dem Strukturwandel heute mehr als 30 Prozent der Kinder von Hartz IV.

Ostdeutschland über dem Bundesdurchschnitt

Auch im Osten Deutschlands sind besonders viele Kinder auf staatliche Unterstützung angewiesen. Hier wachsen Kinder in fast allen Regionen deutlich häufiger in Hartz-IV-Familien auf als im bundesweiten Durchschnitt, vor allem in den Städten Schwerin (37 Prozent) und Stralsund (36 Prozent) in Mecklenburg-Vorpommern. Auch in Ostdeutschland erklären sich die hohen Quoten durch den Wegfall vieler Industriebereiche, sagt Lothar Eichhorn. „Im Gegensatz zum Westen war der Osten mit der Wiedervereinigung allerdings schlagartig mit diesem Wandel konfrontiert, nachdem die alten Strukturen in der DDR künstlich aufrecht erhalten worden waren.“ Lediglich in der Stadt Jena und in fünf Landkreisen leben weniger Kinder von Hartz IV als im bundesweiten Schnitt - darunter auch der Landkreis Potsdam-Mittelmark im Speckgürtel von Berlin mit einem Anteil von elf Prozent.

Ranking: Anteil der Kinder unter 15 Jahren, die in Hartz IV-Familien leben (in Prozent)

1Bremerhaven37
2Schwerin37
3Stralsund36
4Berlin36
5Frankfurt (Oder)36
6Neubrandenburg35
7Uecker-Randow, Kreis35
8Uckermark, Landkreis35
9Brandenburg an der Havel34
10Stendal34
11Magdeburg34
12Offenbach am Main34
13Leipzig34
14Greifswald34
15Rostock33

Städte und Kreise mit geringstem Anteil an Kindern unter 15 Jahren, die in Hartz IV-Familien leben (in Prozent)

399Landshut, Landkreis4
400Biberach, Landkreis4
401Donau-Ries, Landkreis4
402Ostallgäu, Landkreis4
403 Landsberg am Lech, Landkreis4
404Neumarkt i.d.OPf., Landkreis4
405Erlangen-Höchststadt, Landkreis3
406Aichach-Friedberg, Landkreis3
407Miesbach, Landkreis3
408Pfaffenhofen a.d.Ilm., Landkreis3
409Starnberg, Landkreis3
410 Ebersberg, Landkreis3
411Unterallgäu, Landkreis3
412Eichstätt, Landkreis2
413Freising, Landkreis2

Deutliches Stadt-Land-Gefälle

Noch seltener wachsen Kinder in Bayern (8 Prozent) und Baden-Württemberg (9 Prozent) in Hartz-IV-Familien auf. In den oberbayerischen Landkreisen Freising und Eichstätt sind es sogar nur zwei Prozent aller Kinder unter 15 Jahren. In Baden-Württemberg ist der Anteil im Landkreis Biberach und im Bodenseekreis mit jeweils vier Prozent am geringsten. Auch darüber hinaus zeigt sich ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. So kommen hohe Hartz-IV-Quoten von mehr als einem Drittel aller Kinder fast ausschließlich in Städten vor. Mit dem Kreis Uecker-Randow in Mecklenburg-Vorpommern mischt sich darunter lediglich ein Landkreis. Auf der anderen Seite sind es überwiegend ländliche Regionen, in denen weniger als jedes zehnte Kind von Hartz IV lebt –– einzige Ausnahme ist die Stadt Memmingen in Schwaben mit einem Anteil von neun Prozent

Jedes sechste Kind wächst in Hartz IV-Familie auf

Deutschlandweit wächst jedes sechste Kind in einer Hartz-IV-Familie auf. Das sind insgesamt rund 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren, deren Leben mit dem morgigen Urteil zumindest etwas unbeschwerter werden könnte. Denn Geldmangel steht in ihrem Leben häufig im Mittelpunkt. "Viele Kinder aus armen Familien können besser rechnen als schreiben. Denn Rechnen lernen sie ständig beim Einkaufen, wo es auf jeden Cent ankommt", sagt Friederike Görke von der Bremerhavener Aktion "Rückenwind". Andere Fähigkeiten bleiben bei vielen Kindern in der Not häufig auf der Strecke: "Sie haben große Probleme mit dem Lesen und Schreiben und können sich schlecht ausdrücken – egal, ob sie aus einer deutschen oder ausländischen Familie stammen".



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