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Mehrkindfamilien haben oft finanzielle Nöte

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Kinderreichtum  

Mehrkindfamilien oft in Finanznot

| Pressetext

Mehrkindfamilien haben oft finanzielle Nöte. Playmobil-Großfamilie.

Familien mit mehr als zwei Kindern haben häufig Geldnöte. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Familien mit mehr als zwei Kindern sind häufig in finanziellen Notsituationen. Davor warnen Forscher des Deutschen Jugendinstituts, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Studien verglichen, die den Alltag von Mehrkinderfamilien untersuchen. "Für das Familienklima sowie für die Beziehungsqualität der Eltern spielt die Kinderzahl keine Rolle. Allerdings sind Mehrkinderfamilien häufig mit finanziellen Nachteilen und einem schlechten Image in der Gesellschaft konfrontiert", berichtet Studienautorin Barbara Keddi.

Engpässe wegen fehlender Erwerbstätigkeit

Einbußen haben Mehrkinderfamilien vor allem, da die Mütter meist nicht erwerbstätig sind oder es nicht sein können. "Das ist vor allem der Fall, wenn die Eltern sehr jung sind und nur einen niedrigen oder keinen Bildungsabschluss besitzen. Sind dann auch Väter nur gering qualifiziert oder nicht erwerbstätig, oder sind die Mütter Alleinerzieherinnen, rutschen viele in die Armut ab", so die Münchner Jugendforscherin. Generell sei die Arbeitsteilung in Mehrkinderfamilien deutlich traditioneller als in Ein- und Zweikinderfamilien strukturiert, was Erwerbsleben, Haushalt, Kinderbetreuung und Erziehung betrifft.

Flexible Betreuungszeiten für Kinder jeden Alters

Mehrere Handlungsempfehlungen an die Politik leiten die Autoren daraus ab. Sinnvoll sei ein Mix aus flexiblen, verlässlichen und bedarfsgerechten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder jeden Alters sowie gezielte monetäre Förderung für die häufig jungen Mütter und Väter. Die Möglichkeiten der Weiterqualifizierung für junge Mütter und Väter sollten ausgebaut werden - ist dies doch meist eine Voraussetzung dafür, dass Familien ihre Lebensbasis durch Erwerbstätigkeit materiell absichern können, zudem stärkt dies Entwicklung und Sozialisation der Kinder. "Es fehlt auch an Beratung für Patchwork-Mehrkinderfamilien, die immer häufiger werden", erklärt Keddi.

Zwei Kinder sind Norm

Laut den Ergebnissen der Studie orientieren sich heute mehr als die Hälfte der 20- bis 39-Jährigen in der Familienplanung an der Zwei-Kind-Familie, 15 Prozent wünschen sich mehr Kinder. Tatsächlich haben derzeit 10,6 Prozent der Paare im Westen Deutschlands und 7,5 Prozent im Osten drei Kinder, während vier Kinder mit 3,3 beziehungsweise 2,1 Prozent die Ausnahme darstellen. Mehrkinderfamilien leben meist in ländlichen Gebieten, im Falle eines Migrationshintergrundes - wobei der Anteil mit mehreren Kindern deutlich größer ist - eher in der Stadt.

Stabile Partnerschaft und Religiosität

Fast alle Paare, die mehr als zwei Kinder haben, wünschen sich meist schon vor der Heirat eine große Familie. Faktoren, die den Wunsch einer großen Kinderzahl begünstigen, sind laut Studie eine stabile Partnerschaft, eine aktiv gelebte Religiosität sowie eigene Erfahrung mit mehreren Geschwistern. Paare, die zwei Kinder anpeilen, sehen darin hingegen die "ideale Kinderzahl schon erreicht", fürchten große finanzielle Belastungen durch weitere Kinder, fehlende Freiräume oder Nachteile für die berufliche Entwicklung.

Schlechtere Bildungschancen, bessere soziale Kompetenz

Keine eindeutigen Ergebnisse liefert die Studie für die Frage, wie die Geschwisterzahl die Entwicklung eines Kindes bestimmt. "Generelle Empfehlungen gibt es nicht. Man kann jedoch erkennen, dass die Bildungschancen umso größer sind, je kleiner die Kinderzahl ist. Bei mehr Kindern sind diese meist ausdifferenziert in unterschiedliche Bildungswege", so Keddi. Soziale Kompetenzen sowie die Selbstständigkeit entwickeln Kinder mit mehreren Geschwistern schneller, zudem helfen sie mehr im Haushalt und bei der Betreuung der Geschwister mit. Allerdings erhalten Einzelkinder am meisten Zeit und Förderung der Eltern.

Geburtenrückgang kein neues Phänomen

Der Rückgang großer Familien ist der Hauptgrund des allgemeinen Geburtenrückgangs. Allerdings ist er kein neues Phänomen. "Rückgänge waren historisch schon in den 1920er-, dann wiederum in den 50er- und 60er-Jahren zu verzeichnen", betont die Familienforscherin. Nicht haltbar dürfte allerdings die weit verbreitete Ansicht sein, es hätte früher nur kinderreiche Familien gegeben. "Untersuchungen der Familiengröße der vorindustriellen Zeiten zeigen, dass etwa in Städten wie London oder Frankfurt zwei bis drei Kinder durchaus normal waren."

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