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"Hart aber fair" (ARD): Berufsziel Hartzer - Perspektiven für Kinder

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"Hart aber fair"  

Wie aus Kindern Hartzer werden

10.03.2010, 15:26 Uhr | mmh

"Hart aber fair" (ARD): Berufsziel Hartzer - Perspektiven für Kinder. Trauriger Junge mit zerlöcherten Schuhen sitzt am Boden vor einer besprühten Wand.

Lebensperspektive Hartz IV? Jung, arm, chancenlos. (Bild Imago)

Viel zu oft bleiben arme Kinder auch als Erwachsene arm – an Bildung und Chancen. Was hilft? Mehr Geld für die Eltern oder mehr staatlicher Einfluss auf die Erziehung? Wer soll eine Neuordnung der Unterstützung organisieren? Und wird Eigeninitiative überhaupt belohnt? Diesen Fragen ging die ARD-Sendung „Hart aber fair“ nach: „Jung, arm, chancenlos: Wie aus Kindern Harzer werden“. Doch die Sendung verfehlte das Thema, es ging um Politikerparolen und Pauschal-Urteile, aber am allerwenigsten um Kinder oder um Lösungen.

Es gibt keine Pauschal-Urteile oder Patent-Rezepte und alle Hartz-IV-Familien sind unterschiedlich. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema: Perspektiven der Hartz-IV-Kids! Soll der Staat mehr eingreifen oder liegt die Verantwortung bei den Eltern? Nutzen Sie das Kommentarfeld am Ende des Artikels oder diskutieren Sie im Forum mit.

Debatte oder Aktion

Warum sitzen eigentlich zwei Politiker, ein Kirchenvertreter, eine Unternehmerin, ein Journalist, aber nur eine Hartz IV-Mutter in der Diskussionsrunde, um mit Frank Plasberg in „Hart aber fair“ über die Chancen und Perspektiven von Hartz IV-Kindern zu sprechen? Also ging es vor allem um Politiker-“Gedöns“, um den Austausch bekannter Positionen. Das beantwortet auch schon die Frage, warum sich so wenig tut, obwohl man sich doch einig ist, dass mehr in Bildung und die Chancen der Kinder investiert werden muss. Eine Meinung, aber verschiedene politische Lager: Deshalb scheitern Initiativen zur Verbesserung der Situation der Kinder. Und das schon seit Jahren. Sie reden davon Hürden zu beseitigen und von sozialer Teilhabe, von Pauschalen und Einzelfallregelungen, von Eigenverantwortung und staatlicher Regulierung. Die Politiker Martin Lindner (FDP) und NRW-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft (SPD) führen politische Debatten, die Unternehmerin Claudia Sturm bemängelt, dass junge Leute nicht mehr arbeiten wollen und der Journalist Walter Wüllenweber vertritt mit dem Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider das soziale Gewissen, die Forderung nach Perspektiven. Es geht um Perspektiven, um Bildung, um die Pflicht des Staates und die Verantwortung der Eltern, um Menschenwürde und Arbeit, um Arbeitspflicht und um gemeinnützige Arbeit.

Bildung als Aufstiegs-Chance

„Bildung ist der einzige soziale Aufzug nach oben, aber an diesem Aufzug hängt immer das Schild 'defekt'.“ So formuliert es der Autor Walter Wüllenweber. Denn das deutsche Bildungssystem schneidet im europäischen Vergleich extrem schlecht ab. Kinder und Jugendliche in Deutschland beurteilen ihre Zukunftsperspektiven wesentlich pessimistischer als ihre europäischen Altersgenossen. Und die gefühlte Perspektivlosigkeit ist noch viel schlimmer als die tatsächliche: Jeder vierte Jugendliche in Deutschland befürchtet, später nur einen schlecht bezahlten Job ausüben zu können. „Die soziale Mobilität nach oben ist gering“, also ein Aufstieg kaum möglich. Braucht es mehr Regelungen und Finanzhilfen vom Staat oder mehr Eigeninitiative der Betroffenen?

Eigeninitiative wird bestraft

Dabei ist es gerade Lauras Beispiel, das zeigt, dass der Staat Eigeninitiative und Fleiß bestraft. Die 15-jährige Tochter der Hartz IV-Auftstockerin Christiane Weimar, jobbte drei Wochen in den Sommerferien, um sich einen großen Wunsch zu erfüllen: einen E-Bass. Dann flattert der Bescheid ins Haus, die Familie müsse 334,30 Euro nachzahlen, denn der Ferienjob werde auf das Familien-Einkommen angerechnet. Laura schrieb einen Brief an den damaligen Bundesarbeitsminister Olaf Schulz und fragte ihn, ob das gerecht sei? Er antwortet ihr im November 2009, dass dies geändert werden müsse. Ihr Fall ging durch den Bundestag. Alle waren sich einig, dies sei Unsinn und ungerecht und müsse tatsächlich geändert werden. Doch Lauras Familie musste die 334,40 Euro zahlen. Dabei ist bekannt, wie wichtig auch Musik für die geforderte „soziale Teilhabe“ sein kann.

Laura hat eine Perspektive

Lauras Familie ist ein positives Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter, die beides will, arbeiten und für die beiden Töchter (14, 16) da sein. Sie stockt ihre Dreiviertel-Stelle mit Hartz IV auf. Sätze wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder „Eigeninitiative wird groß geschrieben“, fallen. Das Geld ist knapp, Nachhilfe ist nicht bezahlbar, genauso wenig die Klassenfahrten ins Ausland, Brille und Zahnspange sind Riesenposten im Familien-Budget. Dennoch vermittelt Christiane Weber ihren Kindern eine Perspektive und kümmert sich um deren Bildung. Familie Weimar kann sicherlich nicht für alle Hatz IV-Empfänger stehen.

Wie kann der Staat helfen?

Musikschule, Sportverein, Nachhilfe – die Diskussionsteilnehmer sind sich einig: ja, das soll vom Staat bezahlt werden, bisher sieht der Hartz IV-Satz dafür keinen Etat vor. Doch wie organisieren und finanzieren? 116 Millionen Euro pro Monat, 1,4 Milliarden Euro pro Jahr, das rechnet Frank Plasberg vor, würde es kosten, falls alle Hartz IV-Kinder zwischen sieben und 17 Jahren Musikunterricht, Sportvereins-Angebote und Nachhilfe wahrnähmen. Aber wäre das nicht unfair den Familien gegenüber, die zwar ohne Hartz IV, aber auch mit einem knappen Budget auskommen müssten? Müsste nicht die Schule mehr leisten, um Nachhilfe überhaupt überflüssig zu machen? Ganztagsschulen die Kinder mit Essen versorgen?

Pauschal oder individuell?

Ist ein Pauschalsatz oder eine individuell beantragte Einzelleistung besser? Oder Gutscheine? „Es gibt immer Leute, die verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen und andere, die das nicht tun“, gibt EKD-Präsident Schneider zu bedenken. „Ich würde das Geld in das System stecken, am besten wäre wohl ein sozialer Mix.“ Würde es zu viel  Aufwand bedeuten, für jede Klassenfahrt, jede Zahnspange, jede Nachhilfestunde Anträge zu stellen und zu bearbeiten? Oder gilt: System vor Einzelleistung. Martin Lindner gibt zu bedenken: „Ich würde mir die Institutionen vornehmen, die Schulen. Würde es Ganztagsschulen mit Essen geben, bräuchte ich keine Gutscheine mehr.“ Die letzte Kindergelderhöhung, hätte man besser in Strukturen gesteckt, es hätte gereicht, die Kinderbetreuung auszubauen. Fazit: Es ist nicht nötig, eine Debatte anzustoßen, denn die gibt es schon längst. Wichtig wäre es, parteiübergreifend sinnvolle und praktikable Lösungen zu finden, die möglichst vielen Menschen gerecht werden, um den Kindern und damit auch der Gesellschaft neue Perspektiven zu geben.

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