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Berufswahl  

Den passenden Ausbildungsberuf finden

13.04.2010, 10:45 Uhr | dpa, dpa

Wie Jugendliche den passenden Ausbildungsberuf finden. Jugendliche sitzt telefonierend im Büro und arbeitet am Computer.

Qual der Wahl: Für Schulabgänger ist es heutzutage nicht leicht den passenden Ausbildungsplatz zu finden. (Bild: Imago)

Nach dem Schulabschluss steht einem die ganze Welt offen. Das Problem ist nur: Für einen Weg müssen Jugendliche sich entscheiden. Unter das Gefühl grenzenloser Freiheit dürfte sich daher nicht selten etwas mischen, das Peter Stegelmann als "Problem der Handy-Internet-Generation" bezeichnet: Immer häufiger hätten Jugendliche keine Ahnung, wie es nach der Schule weitergehen soll. "Über Ausbildungsmöglichkeiten informieren sich die jungen Leute immer später", sagt der Experte vom Dienstleister EDU-CON in Rheine, der zum Thema Bildung forscht und berät. "Alles ist kurzlebiger und schneller geworden."

Berufswahl sollte schon im Jugendalter beginnen

Genau davor warnt Knut Böhrnsen von der Agentur für Arbeit in Hamburg. Der Startschuss für die Ausbildungswahl sollte bereits im frühen Teenageralter fallen, rät er. "Man sollte mit 14 schon gucken, was man will." Denn um eine passende Lehrstelle zu finden, müssen Jugendliche sich frühzeitig über ihre Wünsche klar werden. Der erste Schritt ist für Heike Niemann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn daher, die eigenen Interessen und Stärken zu analysieren. Danach rät Böhrnsen zum Praxistest im Wunschberuf. "Nicht immer steckt dahinter, was man sich vorstellt." Ein Jugendlicher braucht in dieser Phase Helfer. Das könnten Eltern, Freunde oder Berufsberater sein. Aber auch ein Praktikum, ein Schülerjob oder der Besuch von Berufsmessen könnten aufschlussreich sein. Heike Niemann empfiehlt, mit Leuten zu reden, die den vermeintlichen Traumjob schon haben. Immer wieder erlebe sie etwa, dass angehende Erzieherinnen erwarten, ihr Beruf bestehe nur aus dem Spielen mit Kindern. Das sei aber längst nicht alles: "Zu dem Beruf gehört auch Büroarbeit oder das Erstellen pädagogischer Konzepte."

Auch negative Erfahrungen helfen weiter

Hat den Jugendlichen zum Beispiel nach dem Probetag im Kindergarten die Realität eingeholt, sollten sie das als Schritt nach vorn verstehen. "Das ist nicht negativ. Es ist eine wichtige Sache, wenn ich weiß, was nicht mein Ding ist", sagt Böhrnsen. Immerhin haben Jugendliche heute bei der Ausbildungssuche im wahrsten Sinne die Qual der Wahl. "Es gibt etwa 360 Ausbildungsberufe. Es ist erstaunlich, dass viele Jugendliche sich auf die Top Ten stürzen." Das sind 2009 laut einer Erhebung des BIBB vor allem die kaufmännischen Berufe gewesen. Das Ranking führen Einzelhandelskaufleute an. Auf Platz zwei stehen Verkäufer, dann kommen Bürokaufleute.

"Manchmal muss man sich von Träumen verabschieden"

Dabei steigt laut Böhrnsen die Chance auf die Lehrstelle der Wahl, "wenn man sich mit Exoten als Beruf anfreunden kann". So sei etwa der Ausbildungsmarkt des Segelmachers im Vergleich zu dem des Kaufmanns kaum umkämpft. Auch Peter Stegelmann rät, stets die Jobaussichten im Hinterkopf zu haben. "Nicht nur das Herz sollte eine Rolle spielen, auch die Vernunft." Sein Lieblingsbeispiel ist der Job des Profilers - eines Polizisten, der psychologische Täterprofile erstellt. "Seit dem Erfolg der Fernsehserie CSI will jeder Profiler werden. Faktisch gibt es 20 Stellen in Deutschland beim BKA", gibt Stegelmann zu bedenken. "Manchmal muss man sich von Träumen verabschieden." Das muss dann auch keine persönliche Katastrophe bedeuten. Während die Ausbildung früher in der Regel über die nächsten 30 Arbeitsjahre entschied, sei das heute meist nicht mehr so, sagt Stegelmann.

Flexibilität erhöht die Chancen

Als Alternative sollten Jugendliche sich Niemann zufolge nach Berufen umschauen, die ihrem Traumjob ähnlich sind. Dabei sollten sie sich fragen: Warum will ich eigentlich Zimmermann werden? Reizt mich der Umgang mit Holz, oder bin ich einfach gerne auf dem Bau? Dann sei nämlich nicht die Tischlerlehre die richtige Wahl, sondern womöglich eher der Beruf des Maurers oder Glasers. Bessere Chancen hat außerdem, wer regional flexibel ist. Viele Jugendliche seien nicht bereit, ihre Heimatstadt zu verlassen. Allerdings sei häufig bloß die Angst vor dem Unbekannten der Grund dafür. Daher legt Niemann gerade den Eltern nahe, ihren Kindern Mut zur Luftveränderung zu machen.

Nicht zu viele Wege offen halten

Und was ist zu tun, wenn trotz aller Flexibilität keine Lehrstelle zu bekommen ist? Abwarten hält Stegelmann nicht für sinnvoll - es sei denn, Jugendliche können zwischendurch einen höheren Abschluss wie das Abitur nachholen. Niemann rät dagegen: "Statt sich zu früh etwas anderes zu suchen, kann man über Überbrückungsmöglichkeiten nachdenken." Dazu biete sich etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr an. Sich möglichst viele Wege offen zu halten, bringt in der Regel aber auch nichts. So halten es die Experten für heikel, sich gleichzeitig etwa als Elektriker, Florist und Kaufmann um eine Lehrstelle zu bewerben und die erste Zusage über die eigene berufliche Zukunft entscheiden zu lassen. "Das geht nur, wenn mich das wirklich alles gleich interessiert", warnt Niemann.

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