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Karrierekiller Kind: Erfahrungsberichte von Müttern

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Karrierekiller Kind

01.07.2010, 17:34 Uhr | Michael Kröger, Spiegel Online

Karrierekiller Kind: Erfahrungsberichte von Müttern . Junge Frau im Business-Outfit mit Akten und kleinem Mädchen.

Bedeuten Kinder automatisch das Karriere-Aus für Frauen? (Bild: Imago)

In Umfragen geben sich Deutschlands Unternehmen familienfreundlich, preisen Betriebskitas und Teilzeitangebote an. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. "Spiegel Online" dokumentiert die Erfahrungsberichte berufstätiger Frauen. Deren Fazit: Kindererziehung bedeutet oft das Ende der Karriere.

Baby bedeutet oft das Karriere-Aus

Es war ein Zufall, der Silke Herrmann (Name geändert) vor dem Karriere-Abstieg bewahrte. Vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes hatte sich die 36-jährige Kulturwissenschaftlerin bei ihrer Vorgesetzten gemeldet, um über den Wiedereinstieg in den Beruf zu sprechen. Sie wollte klären, ob eine 60-Prozent-Stelle besser zu den Anforderungen passe oder eher 80 Prozent. Ob der Büro-Rhythmus ganze Arbeitstage erfordere oder lieber eine ganze Woche mit verkürzten Zeiten pro Tag. Doch die Vorgesetzte wollte von alldem nichts wissen: "Ich war vollkommen baff: Sie sagte mir, dass sie für eine Teilzeitkraft keine Verwendung habe", erinnert sich Herrmann. Als regelrecht empörend habe sie jedoch die Empfehlung empfunden, sich als gute Mutter erst einmal um ihren Nachwuchs zu kümmern. "Und das von einer Frau, die selbst keine Kinder hat."

Früherer Posten ist meist weg

Schlussendlich ging die Geschichte noch passabel aus, denn Herrmann hat einen guten Draht zu ihrem Abteilungsleiter. Er erteilte eine klare Anweisung, und plötzlich war die Teilzeitstelle doch möglich. "Die Rückendeckung von oben hat geholfen", sagt Herrmann. Doch das Glück eines einflussreichen Mentors haben die wenigsten Frauen. Allzu oft können sie die Position, die sie vor der Geburt ihres Kindes innehatten, nicht halten. Das belegen die Erfahrungsberichte berufstätiger Mütter, die SPIEGEL ONLINE aufgezeichnet hat.

"Wir sind längst nicht so weit, wie wir sollten"

Zwar gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr in den Betrieb - doch bisweilen bringt er nur wenig. "Immerhin verbessert das Gesetz die Verhandlungsposition, wenn es um eine Abfindung geht", ätzt eine Mutter. Wie ihre Leidensgenossinnen möchte sie nicht namentlich genannt werden. Dabei sind den Unternehmen die Probleme der Frauen durchaus bewusst - zumindest theoretisch. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft messen fast 80 Prozent der befragten Manager dem Thema einen hohen Stellenwert bei.

Elternzeit als Normalfall

Beispiel Daimler: Bei der Lastwagentochter des Konzerns initiierte Personalmanager Harald Klein bereits 2001 das Projekt "Beruf und Familie", um die Gleichberechtigung im Betrieb voranzutreiben. Hier wird die Elternzeit als Normalfall akzeptiert: Zwei Drittel der Beschäftigten, die eine Auszeit für ihre Kinder nehmen, sind mittlerweile Männer - 2002 waren es noch zu 99 Prozent Frauen.

Teilzeit für Führungskräfte? Ausgeschlossen!

Doch Daimler ist eine Ausnahme, in den meisten Firmen sieht es anders aus. "Das Thema ist in aller Munde - trotzdem sind wir längst nicht soweit, wie wir sollten", sagt Stefan Becker von der Initiative berufundfamilie, die von der Hertie-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Ein kostspieliger Fehler: Denn eine familienfreundliche Personalpolitik bietet entscheidende Vorteile im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Betriebe, die sich in Sachen Kinderbetreuung und Teilzeit flexibel zeigen, erhalten mehr Bewerbungen, binden ihre Mitarbeiter stärker an sich und haben motivierteres Personal. Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums belegt dies eindrucksvoll.

Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsvorteil

Aber reicht das für eine familienfreundliche Personalpolitik? Nach Beckers Überzeugung dürfen es die Firmen nicht dabei belassen. Vielmehr müssten sie Frauen auch attraktive Karriereperspektiven bieten, um sie auf Dauer an das Unternehmen zu binden. Hier ist der Nachholbedarf besonders groß. Nur wenige Arbeitgeber bieten Teilzeitstellen für Führungskräfte an - und die meisten Manager finden das sogar richtig. Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung halten Personalvorstände Führungsaufgaben grundsätzlich für unvereinbar mit einer Teilzeittätigkeit.

Aber was heißt das für das Leben berufstätiger Mütter? Wie haben sie ihre Elternzeit und die Rückkehr in den Beruf erlebt? Spiegel Online dokumentiert die Erfahrungsberichte von zehn Frauen. Sie alle möchten anonym bleiben, um ihre Position im Unternehmen nicht noch weiter zu schwächen. Alle Namen sind deshalb Pseudonyme.

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