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Hebammen klagen an - "Ich will davon leben können"

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Hebammen klagen an - "Ich will davon leben können"

27.07.2010, 10:10 Uhr | dpa

Hebammen klagen an - "Ich will davon leben können". Hebamme wäscht neugeborenes Baby.

Versicherungen für Hebammen werden immer teurer. (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Wenn Hebammen einen Fehler machen, kommen auf die Versicherungen Riesensummen zu. Deshalb werden die Geburtshelferinnen jetzt ordentlich zur Kasse gebeten. Viele von ihnen können die Kosten nicht stemmen - und erwägen, ihren Beruf aufzugeben.

Beitrag zur Berufshaftpflicht drastisch gestiegen

Hebamme Silke Eitel liebt ihren Beruf. Jedes Jahr ist sie etwa 40 Mal dabei, wenn ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt. "Die Geburtshilfe ist ein wunderschönes Kernstück meines Berufs", sagt die 41-Jährige. Trotzdem überlegt sie, Frauen in Zukunft nur noch vor und nach der Schwangerschaft zu begleiten. Seit Juli müssen Beleghebammen - die zwar einen Vertrag mit einem Krankenhaus haben, aber selbstständig sind - einen höheren Beitrag für die Berufshaftpflichtversicherung zahlen. Er stieg von 2370 auf 3689 Euro. Betroffen sind auch freie Hebammen, die Hausgeburten begleiten.

Große Verantwortung - schlechte Bezahlung

Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes bekommt eine Beleghebamme wie Eitel pro Geburt etwa 220 Euro, die sie direkt mit den Krankenkassen abrechnet. Künftig sollen es acht Euro mehr sein. Das legte kürzlich eine Schiedsstelle fest, in der Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen und der Hebammenverbände zusammentrafen. Es sei eine "Zustimmung unterm Knebel" gewesen, die Zulage "ein Witz", sagt der Deutsche Hebammenverband. "Für die große Verantwortung, die wir tragen, ist die Bezahlung einfach miserabel", sagt Eitel, die im Kölner Krankenhaus der Augustinerinnen arbeitet. "Es ist ein wunderschöner Beruf, aber ich möchte auch davon leben können."

Personenschäden kosten viel Geld

Eitels Beruf wird für die Versicherer immer teurer. Wer durch einen Geburtsschaden behindert auf die Welt kommt, hat dank des medizinischen Fortschritts eine längere Lebenserwartung - und kann damit auch länger einen Anspruch auf entgangenen Verdienst geltend machen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellte im Frühjahr eine Kostenexplosion bei "Personenschäden im Heilwesen" fest. "Bei Hebammen ist der Anteil an Personenschäden erheblich höher als in anderen Berufen", so der GDV.

Die Kostenentwicklung sei "dramatisch": Habe ein schwerer Geburtsschaden zwischen 1995 und 1998 im Mittel noch mit 2,5 Millionen Euro zu Buche geschlagen, waren es laut GDV zwischen 2000 und 2003 durchschnittlich schon mehr als 4,1 Millionen Euro. Auch die Schmerzensgelder sind in die Höhe geschnellt und betragen inzwischen bis zu 500.000 Euro.

Schadensfälle sind nicht gestiegen - aber teurer geworden

Die 3689 Euro seien noch das beste Angebot der Versicherungen gewesen, sagt Bernd Hendges, Geschäftsführer des Münchner Versicherungsmaklers Securon, der für den Hebammenverband die Neuordnung des Rahmenvertrages zur Berufshaftpflicht aushandelte. Etwa 3000 freiberufliche Geburtshelferinnen seien über den Gruppenvertrag versichert. Es gebe nicht immer mehr Schadensfälle - sie würden nur teurer. Hinzu komme die gestiegene Klagefreude der Deutschen. "Der Versicherer muss sehen, dass er kein negatives Geschäft macht", so Hendges.

400 Euro pro Beleggeburt wäre angemessen

Die Sprecherin des Deutschen Hebammenverbandes, Edith Wolber, sagt: "Um wirklich leben zu können, müsste eine Hebamme bezahlt werden wie ein Facharbeiter." Ihrer Ansicht nach wären 400 Euro pro Beleggeburt angemessen. Die freiberuflichen Hebammen begleiteten mehr als ein Viertel der Geburten in Deutschland. Ihr Nettostundenlohn liege bei nur 7,50 Euro. Wolber befürchtet, dass viele von ihnen wegen des erhöhten Haftpflichtbetrages die Geburtshilfe aufgeben und in der Folge viele Abteilungen für Geburtshilfe in ländlichen Kliniken schließen müssen.

Fonds für Berufshaftpflicht gefordert

Die Krankenkassen sollten endlich sicherstellen, dass die Honorare der Geburtshelferinnen deren Existenz sicherten, sagt Wolber. Von der Politik fordert der Hebammenverband einen steuerfinanzierten Fonds, der für die Berufshaftpflicht der Hebammen aufkommt. Außerdem sollte eine Haftungsobergrenze festgelegt werden und die Verjährungsfrist von 30 auf zehn Jahre verkürzt werden. Das Gesundheitsministerium verweist indes auf die Entscheidung der Schiedsstelle. "Wird es uns irgendwann noch geben?", fragt Eitel. Die Erwägungen der Versicherungen kann sie zwar verstehen. Doch bei ihrer Entscheidung hilft ihr das wenig. "Die Tendenz", sagt sie, "geht bei mir eher zum Aufhören als zum Weitermachen."

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