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Kinderarmut: Hohes Armutsrisiko für Kinder von Erwerbslosen und Alleinerziehenden

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Kinderarmut  

Aus der Gesellschaft herauskatapultiert

30.08.2010, 11:32 Uhr | rw, dpa

Kinderarmut: Hohes Armutsrisiko für Kinder von Erwerbslosen und Alleinerziehenden. Elfjähriger Junge vor Wohnsiedlung.

Kinder von Alleinerziehenden sind besonders stark von Armut bedroht. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst weiter. Diese Feststellung lassen jedenfalls die Zahlen des Statistischen Bundesamts (StatBA) in Wiesbaden über die Verteilung von Armut in Deutschland zu. Die Statistiker haben ausgerechnet, dass 2009 bundesweit mehr als die Hälfte aller Kinder in Erwerbslosen-Haushalten von Armut bedroht waren. Auch die Kinder von Alleinerziehenden seien besonders gefährdet, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Wissenschaftler warnen vor den gesellschaftlichen Folgen von Armut.

Auch Kinder von Alleinerziehenden massiv bedroht

Dass Kinder von Erwerbslosen einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt sind, gehört zu den bekannten, wenn auch traurigen Realitäten. Die jüngst veröffentlichten Zahlen des StatBA zeigen aber nun, dass auch Alleinerziehende und ihre Kinder besonders stark von Armut betroffen sind. Vor allem in den neuen Bundesländern ist fast jeder zweite Alleinerziehende mit seinen Kindern von Armut bedroht. Das hat einen einfachen Grund: Viele Alleinerziehende können neben ihren Erziehungspflichten maximal halbtags arbeiten gehen. Peggi Liebisch berichtet vom Fall einer alleinerziehenden Mutter, der exemplarisch für die Misere steht: "Der Teilzeitjob sichert zwar einigermaßen ihre Existenz, ihr Kind kann sie damit aber nicht optimal versorgen", so die Bundesgeschäftsführerin des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter.

Alleinerziehende oft auf schlechtbezahlte Nischenjobs angewiesen

Auch bei der Jobwahl sind Alleinerziehende nicht selten benachteiligt. Sie müssen nehmen, was sie kriegen und irgendwie mit ihren familiären Pflichten unter einen Hut bringen können. Auch Andreas Klocke vom Frankfurter Forschungszentrum Demografischer Wandel kennt dieses Dilemma. Vor allem Alleinerziehende seien - so wie die Berliner Verkäuferin - auf Nischenjobs angewiesen. Diese Jobs brächten oft nur wenig Geld ein - zumal die Lohnentwicklung in Deutschland in den vergangenen Jahren im Durchschnitt deutlich schwächer ausgefallen sei als in den anderen europäischen Ländern.

Starkes Ost-West-Gefälle

Besonders dramatisch stellt sich die Situation in den neuen Bundesländern dar. Schlusslicht in der Statistik ist Sachsen-Anhalt. Mit knapp 60 Prozent sind hier fast zwei von drei Alleinerziehenden - inklusive ihrer Kinder - von Armut bedroht. Bei den Erwerbslosen sind es hier gar über 70 Prozent. Aber auch im Durchschnitt ist die Kluft zwischen neuen und alten Bundesländern groß. Berlin ausgenommen sind in den alten Bundesländern weniger als die Hälfte (48,5 Prozent) der Erwerbslosen von Armut bedroht. Im Osten sind es dagegen 63,1 Prozent. Ähnlich sieht das Ost-West-Gefälle bei den Alleinerziehenden aus: Zwar sind auch auf dem früheren Bundesgebiet erschreckende 37,8 Prozent aller Alleinerziehenden von Armut bedroht, jedoch erhöht sich diese Zahl im Osten der Republik auf alarmierende 46,9 Prozent.

"Die verfestigte Armut steigt beachtlich"

Als von Armut bedroht gelten all die Menschen, die weniger als 60 Prozent des bundesdeutschen Durchschnittseinkommens verdienen. Armutsforscher beobachten neben dem zahlenmäßigen auch einen qualitativen Anstieg der Armut in Deutschland. "Vor allem die verfestigte Armut von Menschen steigt beachtlich", bewertet Professor Ernst-Ulrich Huster die aktuelle Situation. Der Bochumer Politikwissenschaftler warnt vor erheblichen Auswirkungen von Armut auf Bildung und Gesundheit der Gesellschaft. "Wir investieren zu wenig in unsere relevanten Rohstoffe: die Kinder und Jugendlichen."

Von allem zu wenig

Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut in München warnt vor den Folgen. Armen Kindern drohe das Risiko, aus der Gesellschaft herauskatapultiert zu werden. "Sie haben zu wenig Bildung, zu wenig Integration, zu wenig Freunde und zu wenig Möglichkeiten dies zu kompensieren", sagt der Wissenschaftler. "Diese Kinder sind irgendwann nicht mehr fähig, in dieser Gesellschaft Fuß zu fassen." Die Langzeitfolgen könnten erheblich sein. Experte Alt prognostiziert: "Wir reproduzieren eine Armutsgruppe, die sich nicht aus diesem Armutsschlamassel rausziehen kann."

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