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Kinderbetreuung: Berliner Kliniken mit Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Kinderbetreuung  

Kinderbetreuung auf Bestellung - frei Haus

13.09.2010, 14:26 Uhr | rw, t-online.de

Kinderbetreuung: Berliner Kliniken mit Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ärztin mit Kind und Laptop.

Kreative Betreuungslösungen können modernen Familien helfen. (Symbolbild: imago) (Quelle: imago)

Die politische Agenda in der Familienpolitik ist klar formuliert. Ob Familienministerin Kristina Schröder oder deren Vorgängerin Ursula von der Leyen: Alle wollen, dass sich vor allem die jungen Akademikerinnen in Deutschland für Kinder entscheiden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist Evelyn Koblitz ein Paradebeispiel für das, was die Politik sich wünscht: Die Berlinerin arbeitet als Assistenzärztin und ist zugleich dreifache Mutter. Es ist kein leichter Spagat zwischen familiären und beruflichen Pflichten, der ihr jeden Tag aufs Neue gelingen muss. Unterstützung bekam die Anästhesistin dabei weniger von Seiten des Staates oder der Politik, als vielmehr durch ihren Arbeitgeber, dem privaten Krankenhausbetreiber Vivantes. Der organisiert für seine Angestellten in dienstlichen Notsituationen eine mobile Kinderbetreuung frei Haus.

Hilfestellung beim Spagat zwischen Familie und Beruf

"Wenn es den Betreuungsservice nicht gegeben hätte, dann hätte ich bestimmte Dienste einfach nicht machen können", berichtet Evelyn Koblitz, deren Mann ebenfalls Arzt ist, und meint damit vor allem solche Schichten, die kurzfristig frei werden, weil etwa ein Kollege krank geworden ist oder aus anderen Gründen ausfällt. Die regulären Dienste, die frühzeitig bekannt sind, kann sie schultern. Dafür hat sie sich privat ein umfangreiches Betreuungsnetzwerk aus Kita, Freunden, Nachbarn und einem Kindermädchen aufgebaut. Aber mal eben kurzfristig und außerhalb der regulären Betreuungszeiten der Kita einen Vertretungsdienst zu übernehmen, das geht natürlich nur, wenn sich zu Hause jemand anderes um ihre drei Söhne kümmert.

Ein Problem, dass die Ärztin mit vielen Kolleginnen teilt - in ganz Deutschland, aber auch in den Häusern von Vivantes, wie Ina Colle weiß. Als Frauenvertreterin des Krankenhausbetreibers hat sie die Einführung einer mobilen Kinderbetreuung für das Klinikpersonal maßgeblich mitentwickelt. Auch nach ihrer Erfahrung schaffen es die Mitarbeiterinnen meist sehr gut, während ihrer Regeldienste für eine Betreuung des Nachwuchses zu sorgen. Ein Hauptanliegen der Belegschaft sei aber immer drängender geworden: "Wir brauchen etwas für die Notfallsituationen."

"KidsMobil": der Betreuungsnotruf

Als Reaktion auf dieses Problem wurde "KidsMobil" ins Leben gerufen: Ein für die Belegschaft kostenloser Notfallservice, der immer dann angefordert werden kann, wenn ansonsten der reibungslose Dienstablauf in der Klinik gefährdet wäre. Wenn kurzfristig ein Kollege ausfällt, Kinder krank werden oder aus irgendwelchen Gründen die eigentlich vorgesehene Betreuung ausfällt, etwa weil ein Babysitter absagt, können die Klinikmitarbeiter den Betreuungsservice abrufen. Das Gute daran: Die Betreuung findet in den eigenen vier Wänden statt und das Personal sei hoch qualifiziert. "'KidsMobil' hat handverlesene, liebevolle Betreuer", betont Evelyn Koblitz. "Das klappt gut", so die Medizinerin. Allerdings seien ihre drei Söhne zwischen vier und zehn Jahren einen gewissen Betreuungsstress auch gewohnt, so dass sie es akzeptieren, wenn auch mal jemand käme, den sie noch nicht kennen. "Gerade dem Kleinen hilft es, dass sie zu dritt sind", schätzt die Mama.

Für die Belegschaft umsonst

Als Partner, der die Idee umsetzt, hat sich Vivantes für die "Kinder im Kiez GmbH" entschieden, die in Berlin auch mehrere klassische Kitas betreibt und somit über ein gewisses Know-How im Bereich der Kinderbetreuung und bei der Auswahl geeigneten Personals verfügt. Christiane Radtke ist hier die Leiterin von "KidsMobil". Sie hält engen Kontakt zu den Familien, die den Betreuungsservice in Anspruch nehmen. Probleme gebe es bei der Betreuung nur sehr selten. In den vier Jahren, die "KidsMobil" inzwischen existiert, habe man erst zweimal einen Einsatz abbrechen müssen, weil die Kinder die Betreuerin nicht akzeptiert hätten. "Die Eltern, die den Service in Anspruch nehmen, kennen ihre Kinder und wissen, ob die das mitmachen", so Radtke. In der Regel sind die Eltern froh, dass es ein solches Angebot gäbe. "Ich höre immer wieder, dass die begeistert sind und ganz fassungslos darüber, dass das für sie umsonst ist", so Radtke.

Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Tatsächlich müssen die Klinikangestellten für den Betreuungsservice keinen Cent bezahlen. Die Kosten trägt Vivantes. Und Assistenzärztin Koblitz weiß auch, warum das so ist. "Das ist im Interesse des Krankenhauses", macht die Medizinerin deutlich. "Gerade in der Anästhesie ist es wichtig, dass die OP-Säle immer besetzt sind. Wenn kein Anästhesist da ist, liegt der OP still und das kostet das Krankenhaus viel Geld." Auch Ina Colle zeigt auf, dass es sich bei "KidsMobil" nicht um eine uneigennützige Wohltat des gewinnorientierten Klinikbetreibers handelt. Wenn eine Kollegin ausfiele, fehle sie im Dienst und die Klinik müsse sich um eine nicht eingearbeitete Aushilfe bemühen. "Eine Erzieherin ist bestimmt nicht teurer als eine Leasing-Kraft", macht Colle eine einfache betriebswirtschaftliche Rechnung auf.

Außerdem gebe es in fast allen medizinischen Studiengängen einen teils drastischen Frauenüberschuss, worauf sich die Arbeitgeber einzustellen hätten, wenn sie auch in Zukunft qualifiziertes Personal gewinnen wollten. "Das macht den Arbeitgeber attraktiver", sagt auch Evelyn Koblitz. Seit dem Frühjahr diesen Jahres arbeitet sie für ein anderes Krankenhaus. "Bei meinem neuen Arbeitgeber gibt es so ein Betreuungsangebot leider nicht", erzählt sie, "das hat unsere Familie schon einige Male vor ziemliche Herausforderungen gestellt. Ich würde mir wünschen, dass sich solche Angebote noch viel mehr verbreiten würden."

Kinderbetreuung wichtiger als ein paar Euro mehr

Bislang ist das allerdings eher ein frommer Wunsch als gelebte Realität. Nicht nur im medizinischen Bereich sucht man Angebote wie "Kids Mobil", die junge Mütter und Väter dabei unterstützen, Familie und ihr berufliches Fortkommen gleichermaßen voranzutreiben, meist vergeblich. Das Betreuungsmodell der Berliner Kliniken ist nicht viel mehr als ein einsamer Leuchtturm. Und auch die Politik erschöpft sich in der Familienförderung noch immer allzu oft in der Diskussion ob das Kindergeld nun um 20 oder 40 Euro angehoben werden soll und agiert damit an den realen Bedürfnissen moderner Familien vorbei. Dabei zähle für beruftätige Eltern vor allem eines, so Evelyn Koblitz. "Am wichtigsten ist, dass es eine verlässliche Kinderbetreuung gibt. Das ist auf jeden Fall mehr wert als 50 Euro mehr Kindergeld."

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