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"Sandwich"-Mütter: Kinder, Beruf und Pflege unter einen Hut bringen

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Ein "Sandwich-Leben": Kinder, Beruf und Pflege unter einen Hut bringen

01.10.2010, 14:58 Uhr | Sabine Caron, t-online.de

"Sandwich"-Mütter: Kinder, Beruf und Pflege unter einen Hut bringen. Die typische Sandwichfrau: Eingeklemmt zwischen den Anforderungen von Kindererziehung und Pflege der Eltern. (Quelle: imago/Blickwinkel)

Die typische Sandwichfrau: Eingeklemmt zwischen den Anforderungen von Kindererziehung und Pflege der Eltern. (Quelle: Blickwinkel/imago)

Immer mehr Frauen - und auch Männer - müssen nicht nur Beruf und Kinder unter einen Hut bringen, sondern sich zusätzlich noch um ihre pflegedürftigen Eltern kümmern. Weil Frauen und Männer heute oft erst zwischen 35 und 40 Jahren Eltern werden, steigt die Zahl der so genannten "Sandwich-Frauen und -Männer" mit relativ kleinen Kindern und pflegebedürftigen Eltern beziehungsweise Schwiegereltern stark an. Betroffen sind vor allem die Frauen, die meist die Pflege der Eltern oder Schwiegereltern übernehmen und gleichzeitig ihren Familienalltag mit Beruf, Familie und Kindern meistern müssen. Wir haben mit zwei betroffenen Frauen gesprochen: Wie schaffen sie den Spagat? Was ist besonders belastend und wie organisieren sie ihren Alltag?

Den Spagat schaffen - wie geht das?

Beate, 45 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern, acht und fünf Jahre alt, arbeitet zweimal wöchentlich auf einer Kinderstation. Außerdem pflegt sie ihre 76-jährige Mutter, die direkt nebenan wohnt. Seit fünf Jahren ist sie jeden Tag bei der Mutter, macht die Einkäufe gemeinsam mit ihr, hilft ihr beim täglichen Waschen und der sonstigen Körperpflege. Vor einigen Monaten, nach einer eigentlich harmlosen Hüftoperation, spitzte sich die Situation plötzlich zu. Die Mutter sitzt seitdem im Rollstuhl und braucht für alles Hilfe. Für die nächtlichen Toilettengänge muss Beate manchmal sogar bis fünfmal aufstehen. Ihr alter Vater kann diese Unterstützung nicht mehr leisten. Ständiger Schlafmangel zerrt so zusätzlich an den Nerven. Neben der Pflege belastet sie außerdem der viele Papierkram und der häufige Ärger mit den Krankenkassen bei der Beantragung von Hilfsmitteln.

Oma und die Kinder: Beide profitieren

Für Beates Familie war es trotz allem nie eine Alternative, die Mutter im Pflegeheim unterzubringen: "Das kam für uns überhaupt nicht in Frage, vor allem weil unsere Mutter geistig absolut fit ist. Das wollten wir ihr nicht zumuten, sie sollte doch auch noch was von ihren Enkelkindern haben. Die Kinder bauen und muntern sie auf und sie freut sich sie herumspringen zu sehen." Außerdem sei ihre Mutter ein sehr dankbarer und geduldiger Mensch, erzählt Beate. Umgekehrt lernen auch die Kinder eine Menge aus dem gemeinsamen Leben mit der pflegebedürftigen Oma. Zum Beispiel, dass Altwerden zum Leben dazu gehört. Und sie erfahren auch, wie sie anderen Menschen durch Kleinigkeiten eine Freude machen können: Wenn sie kurz vorbeihüpfen und „Hallo“ sagen, ein Bild malen oder einfach von ihrem Kindergarten- oder Schultag erzählen. 

Ein heulendes Elend

Trotz alledem überschreitet Beate häufig ihre Belastungsgrenze: "Manchmal kriege ich das heulende Elend, weil einfach viel zu viel auf mich einströmt", sagte Beate. „Mir fehlt dann einfach die Kraft." In Situationen, in denen sie sich überfordert gefühlt hat, sei sie auch schon mal ihrer Mutter gegenüber laut geworden und wäre fast ausgerastet. Ein Telefonat mit der Schwester, die selber in der Altenpflege arbeitet, aber leider weit entfernt wohnt, gebe ihr dann neue Kraft. "Ein offenes Ohr, hilft mit der Belastung umzugehen". Besonders wichtig ist es für Beate, die eigenen Grenzen zu erkennen und Regeln aufzustellen, damit man nicht am Alltag zerbricht. 

Regeln setzen und Auszeiten nehmen

Damit alles so reibungslos wie möglich funktioniert, müssen sich auch die Pflegebedürftigen an zeitliche Vereinbarungen halten. So geht Beate noch einmal mit der Mutter zur Toilette, bevor sie ihren Sohn schnell in den Kindergarten bringt. Außerdem hat sie mit ihren Eltern bestimmte „Notfallzeiten“ vereinbart, zu denen sie zwar falls nötig einspringt, aber unter normalen Zeiten nicht gestört werden möchte. Zum Beispiel braucht sie abends eine solche garantierte Auszeit, wenn sie die Kinder ins Bett gebracht hat. "Wenn meine Eltern dann Schwierigkeiten haben, ihren Videorekorder zum Laufen zu bekommen, müssen Sie eben fernsehen", sagt Beate. Das hört sich vielleicht hart an, aber sie brauche einfach Zeit für sich: Dann nimmt sie ein Entspannungsbad, geht eine große Runde mit dem Hund spazieren oder schaut sich mit einem Glas Wein einen Film an. Wenn sie auf ihrer Arbeitsstelle zu Nachtdienst eingeteilt ist, springt ihre bereits 20-jährige Nichte ein. 

Eigene Grenzen erkennen

Auch Altenpflegerin Andrea Rugabele hält es für wichtig, seine eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren: Viele Frauen und Männer trauen sich zum Beispiel nicht zu bei den Pflegebedürftigen Windeln wechseln oder sie zu waschen, berichtet Andrea.

So ging es auch der 48-jährigen Karin, die ihren Vater jahrelang pflegte: "Die Intimpflege habe ich im Notfall mal übernommen, aber es hat mich sehr große Überwindung gekostet und ich habe gemerkt, dass ich das einfach nicht regelmäßig machen kann." Aber auch die zeitliche und psychische Belastung wurde irgendwann zu groß. Drei Jahre lang fuhr sie morgens, nachdem sie die damals fünfjährige Tochter in den Kindergarten gebracht hatte, zu dem nahe gelegenen Elternhaus, um den Vater aus dem Bett zu helfen, einkaufen zu gehen oder im Haushalt zu helfen. Mittags holte sie die Tochter aus dem Kindergarten ab, brachte sie anschließend zum Sport und Musikunterricht und brachte schließlich abends den Vater wieder ins Bett. Nebenbei musste sie außerdem noch den Haushalt führen. Mit ihrer beruflichen Stelle und dem langen Anfahrtsweg war dieser alltägliche Aufwand irgendwann nicht mehr vereinbar. Deshalb wechselte Karin ihren Arbeitsplatz. Nun arbeitet sie weniger Wochenstunden und auch die Fahrt zum Job ist kürzer geworden. Trotzdem blieb die große Belastung und der tägliche Versuch, alles unter einen Hut zu bringen - so lange bis es nicht mehr ging. Seit einiger Zeit lebt der Vater im Pflegeheim, weil sie sich nicht mehr in der Lage sah, die Pflege zu leisten. Eine Entscheidung, die Karin bis heute belastet.

 

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