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Europas Frauen und die "Kinderfalle": Deutschland ist kinderärmstes Land

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Job und Familie: Warum Franzosen das besser können

01.08.2011, 09:46 Uhr | dapd

Europas Frauen und die "Kinderfalle": Deutschland ist kinderärmstes Land. Rabenmutter oder Supermami? Europas Frauen denken völlig unterschiedlich. (Foto: imago)

Rabenmutter oder Supermami? Europas Frauen denken völlig unterschiedlich. (Foto: imago)

Rabenmütter oder Supermamis? Windeln oder Karriere? Stoff- oder Einwegwindel? Müssen sich Frauen diese Fragen heute wirklich noch stellen? Geht nicht einfach beides: Karriere und Familie? In Frankreich anscheinend schon, Deutschlands Frauen allerdings tun sich damit immer noch schwer. Sie tappen in die Kinderfalle. Deutschland bleibt das kinderärmste Land Europas.

Frankreich und Deutschland: Supermamis und Rabenmütter

Französinnen wollen für die Pflege ihrer Kleinsten keine Stunde zu viel aufwenden. Und deshalb diskutiert das Nachbarland gerade leidenschaftlich darüber, ob die ökologischeren, aber zeitintensiven Waschpampers für Frauen diskriminierend sind. Und das ist nur ein Aspekt im Streit um Supermamis und Rabenmütter.

Französinnen sind keine Glucken

Französinnen treten vehement dafür ein, als Mutter im Beruf und im Privatleben nicht benachteiligt zu werden. Dabei sind sie aus deutscher Sicht häufig "Rabenmütter": Französinnen stillen nur selten und bringen ihr Baby mit durchschnittlich drei Monaten für acht Stunden am Tag in die Kindertagesstätte. Das Wort "Rabenmutter" existiert in Frankreich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Mütter, die sich zu viel um ihre Kinder kümmern, werden schnell als "mère poule", als Glucken bezeichnet.

Deutschland und Frankreich: Die kulturellen Unterschied sind riesig

Für die nachfolgenden Generationen scheint die französische Gelassenheit sehr fruchtbar zu sein: Mit mehr als durchschnittlich 2,1 Kindern pro Paar bekommen Franzosen mehr Nachwuchs als alle anderen europäischen Völker. Deutschland gehört mit 1,3 Kindern zu den weltweiten Schlusslichtern.

Ein hausgemachtes Problem, glaubt die Bochumer Professorin Ilse Lenz. "Es gibt einen riesigen kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich", sagt Lenz. Die Soziologin forscht über Frauenbewegungen in Europa. In Ländern wie Schweden würden Väter die Kinder selbstverständlich vom Kindergarten abholen oder zum Arzt begleiten. Niemand wirft einer mehrfachen Mutter vor, zu arbeiten. "In Deutschland sind mehr als zwei Drittel der Mütter erwerbstätig - und trotzdem wird ihnen das permanent angelastet."

Ganztagsschule hilft Französinnen bei der Karriere

Debatten wie in Deutschland über die Pflicht zum Stillen sind in Frankreich undenkbar. Schließlich bringen französische Familien ihren Nachwuchs selbstverständlich mit wenigen Monaten in die Kindertagesstätte - sie könnten gar nicht sechs Monate lang die Brust geben, wie es in Deutschland 95 Prozent aller Frauen tun. Auch sorgt das durchgehend ganztags funktionierende Schulsystem dafür, dass Französinnen sehr viel seltener in Teilzeit arbeiten müssen als Deutsche - und entsprechend besser Karriere machen können.

Zwischen "Stillzwang" und "Geburtenstreik

Gegen den aufkommenden "Stillzwang" und die Anbeterei von Müttern hat die französische Soziologin Elisabeth Badinter einen internationalen Bestseller geschrieben. In ihrem Buch "Der Konflikt" bestreitet die dreifache Mutter, dass es einen angeborenen Mutterinstinkt gibt und verwirft die These über die "angeblichen Vorteile des Stillens". Für sie ist das perfektionistische Mutterbild dafür verantwortlich, dass heute so viele und gerade gut ausgebildete Frauen in den "Geburtenstreik" treten.

Von fünf Professorinnen hat in Deutschland eine Kinder, in Frankreich sind vier Mutter. "Je stärker die Gesellschaft nach der totalen Mutter ruft, desto weniger Frauen wollen Kinder", so Badinters Fazit.

Frauen auf dem Mutter-Podest

Die französische Philosophin glaubt, dass in Deutschland das Bild der "totalen Mutter" am stärksten ist. Das liege an dem besonderen Ideal der Mütterlichkeit, sagt auch Wissenschaftlerin Lenz. Zum Nachteil von allen. "Frauen werden erst auf das mütterliche Podest gehoben und Männern bleibt so als Vätern kaum noch Raum", analysiert die Wissenschaftlerin. Junge Frauen strebten erst nach der Karriere - und dann wollen sie gleichzeitig die perfekte Mutter sein. "Daran zerbrechen viele."

Frankreich wächst in Europa am stärksten

Mit weitreichenden Folgen für die gesamte Gesellschaft. Laut dem französischen Statistikamt INSEE werden im Jahr 2035 mehr als 80 Millionen Franzosen leben. Die Nation ist stolz darauf, zu der am stärksten wachsenden Bevölkerung in Europa zu gehören. Und so könnte das moderne Mutterbild Frankreich in einigen Jahren erstmals in der Geschichte größer werden lassen als Deutschland.

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