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Desperate Househusbands - wenn der Papa Hausfrau ist

29.03.2011, 15:19 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli

Desperate Househusbands - wenn der Papa Hausfrau ist.  Fulltime-Hausmänner sind immer noch Exoten, mache sind es aus Überzeugung, manche eher unfreiwillig. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Fulltime-Hausmänner sind immer noch Exoten, mache sind es aus Überzeugung, manche eher unfreiwillig. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Meist läuft es so, dass Väter mit zum Geburtsvorbereitungskurs gehen, bei der Entbindung dabei sind und während der ersten Wochen nach der Geburt eine Weile zu Hause bleiben. Aber spätestens dann verlangt das häufig noch tief in unserer Gesellschaft verwurzelte Rollenverhalten nach einer Rückkehr in die angestammte Position des Ernährers. Der Frau, mit den oftmals schlechteren Verdienstmöglichkeiten, obliegt es in der klassischen Rollenverteilung, die Kinder zu versorgen und den Löwenanteil der häuslichen Pflichten zu übernehmen. Doch es gibt auch die umgekehrte Version, bei der Mama das Geld verdient und Papa den Haushalt schmeißt - eine Familienkonstellation, die noch Seltenheitswert hat.

Hausmann aus Überzeugung

Ein solcher hauptberuflicher Hausmann ist der 49-jährige Uwe. Eigentlich ist er Volljurist wie seine Frau, entschied sich aber vor 13 Jahren, als die erste Tochter zur Welt kam, zu Hause zu bleiben: “Das war eine bewusste Entscheidung. Unsere Karrieren waren damals eigentlich vergleichbar. Der Job meiner Frau bot allerdings damals etwas bessere Perspektiven. Das gab den Ausschlag für die Entscheidung“, erzählt Uwe. Bedauert haben er und seine Frau diesen Schritt nie: “Obwohl alles eigentlich wie ein experimentelles Projekt begann und keiner wusste, wo die Reise hingeht, habe ich mich riesig gefreut, alles hier zu Hause zu managen. Die klassische männliche Ernährerrolle habe ich damals bewusst hinter mir gelassen und mich für ein anderes Lebensmodell entschieden“, berichtet Uwe weiter.

Auch der fünfzigjährige Gerald ist Hausmann, seine Frau ist Lebensmittelingenieurin und die Hauptverdienerin der Familie. Auf die beiden Kinder, die heute sechs und acht Jahre alt sind, passte Gerald von Anfang an auf. Finanzielle Argumente gaben den Ausschlag: "Meine Frau war, als unser erstes Kind geboren, schon etabliert im Job, während ich in meinem Beruf als Landschaftsarchitekt noch ganz am Anfang stand. Das machte die Entscheidung leicht, sagt Gerald.

Zahl der Alleinverdienerinnen nimmt zu

Eine solche "vertauschte“ Rollenverteilung konsequent zu leben ist in Deutschland noch immer selten - gewinnt aber an Bedeutung: 1991 wurden 15 Prozent aller Mehrpersonenhaushalte allein von Frauen finanziert, heute sind es schon 21 Prozent, so das Ergebnis des Forschungsprojekts "Familienernährerinnen“ vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), das auch vom Familienministerium unterstützt wurde. Unter den alleinverdienenden Frauen sind jedoch nur wenige Akademikerinnen, die Karriere machen möchten und mit ihrem Partner abgesprochen haben, dass er sich demzufolge mehr um die Familie kümmern muss. Der Studie zufolge haben nur in einem Viertel der Fälle die Alleinernährerinnen eine hohe Berufsqualifikation und eine hohe "Erwerbsneigung“, wie es im Soziologendeutsch heißt.

Unfreiwilliger Rollentausch

75 Prozent der befragten Alleinernährerinnen haben diese Aufgabe aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Erwerbslosigkeit ihres Partners unfreiwillig übernommen. Und gut die Hälfte von ihnen ist unglücklich mit der neuen Rolle. Kein Wunder, denn die meisten dieser Frauen arbeiten im Niedriglohnsektor und müssen mit ihrem kleinen Gehalt eine ganze Familie ernähren. Die betroffenen Frauen sind entweder nicht besonders qualifiziert oder so lange aus ihrem alten Beruf heraus, dass sie im Niedriglohnbereich untergekommen sind. Häufig waren sie vor der Arbeitslosigkeit oder Erwerbsunfähigkeit ihres Mannes die klassischen "Zuverdienerinnen“ und stemmen meist zusätzlich zum Fulltimejob auch noch einen Großteil des Haushalts.

Glücklich mit dem Hausmannsdasein

Das bewusst getauschte  Rollenmodell, wie es in den Familien von Gerald und Uwe konsequent gelebt wird, ist aufgrund dieser Untersuchungen eine echte Rarität - zumal alle Beteiligten mit der gefundenen Lösung glücklich scheinen. Uwe genießt das Hausmannsdasein und gewinnt ihm viele positive Aspekte ab: "Die unabhängige Zeiteinteilung schätze ich sehr. So bin ich in meinem kleinen Unternehmen "Haushalt“ selbstbestimmt und selbstständig. Und das Schönste: Man bekommt bei den Kindern alles mit - jeden kleinen Entwicklungsschritt. Das genieße ich am meisten.“Auch Landschaftarchitekt Gerald ist mit seiner Rolle zufrieden. Ebenso wie Uwe gefallen ihm die Unabhängigkeit und die freie Zeiteinteilung. "Doch das Allerwichtigste ist, dass ich intensiv Zeit mit meinen Kindern verbringen kann“, erzählt Gerald.

Die täglichen Pflichten, die rund um Haus und Hof anfallen, sind vor allem für Uwe kein Grund demotiviert zu sein: "Ich erledige den Haushalt eigentlich sehr gerne und empfinde es auch nicht als niedere Arbeit oder frustrierend. Es füllt mich aus. Besonders gerne putze ich Fenster. Am liebsten jedoch bereite ich Einladungen zum Essen vor.“ Für Gerald ist Haushalt eher ein notweniges Übel, das keine Begeisterungstürme bei ihm entfacht: “Ich bin kein Perfektionist, mache Dinge vielleicht nicht so akribisch, wie Frauen das manchmal mögen. Ich lasse ‘Fünfe‘ gerade sein und bin locker. Manchmal hätte ich es gern ein bisschen schöner, aber ich bringe es dann organisatorisch irgendwie nicht auf die Reihe. Das Multitask-Gen fehlt mir wahrscheinlich - zum Leidwesen meiner Frau.“

Gesellschaftliche Exoten

Fulltime-Hausmänner wie Gerald und Uwe sind auch in der Forschung Exoten. Noch keine wissenschaftliche Arbeit hat sich bisher detailliert und speziell mit diesem Thema auseinandergesetzt. Offenbar scheint die Vorstellung, dass der Vater zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert auch bei den Fachleuten als zukunftsträchtiges Familienmodell abwegig und nicht massentauglich.  Der Soziologe Peter Döge vom Institut für anwendungsorientierte Innovations-und Zukunftsforschung (IAIZ) in Berlin fasst das Forschungsdefizit kompakt zusammen: "Über Hausmänner weiß man gar nichts.“ Einig sind sich die Soziologen nur darin, dass sich die meisten Männer weniger über die Familie als über den Beruf definieren - und die damit verbundene gesellschaftliche und finanzielle Macht.

Hausmann Uwe passt nicht in dieses typisch maskuline Schema. Auf die juristische Karriere verzichtet zu haben verbucht er nicht unter "verpasste Chancen“: "Ich vermisse das typische Businessleben eigentlich gar nicht. Im Beruf bist du ersetzbar und austauschbar. In der Familie jedoch ist deine Rolle einzigartig und unersetzbar - der einzige Papa, der einzige Ehemann! Die Verantwortung gegenüber einer Familie empfinde ich als das Größte. Das ist durch keinen Job zu toppen.“So verzichtet er auch gerne auf berufliche Bestätigung. Die würde sich ohnehin meist nur durch Geld ausdrücken und könnte es zum Beispiel nicht aufnehmen mit den Zuneigungsbekundungen seiner beiden Töchter. Das sei die schönste Bestätigung, schwärmt Uwe.

Ein wenig berufliches Feedback muss sein

Für Gerald dagegen ist sein Beruf als Landschaftsarchitekt immer noch ein Teil seines Lebens. Sporadisch nimmt er freie Aufträge an, plant und gestaltet Gärten: “Solche Aufgaben brauche ich schon als Ausgleich, denn einen Garten anzulegen ist etwas mit großer Nachhaltigkeit, wogegen Haushalt doch eher einer Sisyphusarbeit gleicht und nie ein befriedigendes Ende findet. Ist man hinten endlich fertig geworden, muss man vorne wieder anfangen.“ Gerald betont aber auch, dass er dennoch auf das soziale Leben des Büroalltages gut verzichten kann und sein männliches Ego auch ohne kollegiales Schulterklopfen auskomme.

Von ihrem sozialen Umfeld finden sich die beiden Hausmänner eigentlich akzeptiert und verstanden. Beide haben noch keine negativen Erfahrungen gemacht - zumindest werden Zweifel über ihre gesellschaftliche Rolle nicht offen geäußert: “Meine Frau wird manchmal gefragt, wann denn ihr Mann wieder anfinge zu arbeiten. Mich traut sich in der Beziehung keiner anzusprechen“, erzählt Uwe. Doch er hat auch schon betont positive Reaktionen erfahren. Ein guter Freund, der als Jurist einen extrem hoch dotierten Job hat, hätte ihm einmal gesagt, dass er ihn beneide. Denn bei seinem 14-Stunden-Manager-Tag bekäme er oft von seiner Familie nichts mit und das zweite Leben zu Hause, inklusive der Entwicklung der Kinder, ginge komplett an ihm vorbei.

Ist männliche Erziehung anders?

Als unmännliche "Weicheier“ sehen sich Gerald und Uwe nicht. Da sind sie sich mit ihren Frauen einig. Sie betonen sogar, dass ihr Hausmannsleben und ihr Erziehungsstil ihrer Meinung nach viele typisch männliche Komponenten hat: “Ich glaube, dass ich konsequenter und strenger bin als viele Mütter. Sie neigen oft dazu, sich sofort aufzuopfern und selbstlos ihrem rufenden Kind zuzuwenden, obwohl sie gerade vorher mit etwas anderem beschäftigt waren", bemerkt Uwe kritisch. Gerald hebt bei seiner Erziehung die männliche Gelassenheit hervor: “Mir fehlt wohl ein wenig das Hege- und Pflegegen. Ich erschrecke zum Beispiel nicht und lasse alles fallen, wenn sich ein Kind leicht verletzt hat. Ich bleibe dann entspannt und zücke nicht reflexartig ein Pflaster. Dann ist meist alles halb so schlimm." Mit dieser relaxten Haltung, meint Gerald, seien seine Kinder bisher ganz gut durchs Leben gekommen und wären durch eine fehlende mütterliche Überbehütung vielleicht etwas selbstständiger als manche Altersgenossen.

Offenes Rollenverständnis der Geschlechter

Den wichtigsten Erziehungseffekt für seine Kinder sieht Uwe in dem "Rollentausch“ an sich: "Ich glaube, dass es besonders wichtig für meine Töchter ist, dass sie ein offenes Rollenverständnis der Geschlechter vermittelt bekommen. Das ist wichtig für das gesamte Leben. Erziehung funktioniert nämlich hauptsächlich durch das Vorbild." Und das setzt er gleich in die Praxis um. Gerade kommt seine jüngste Tochter von der Schule nach Hause. Jetzt sind Papas Kochkünste gefragt und nachmittags steht außer Bügeln unter anderem Papas Taxiservice auf der Haushaltsagenda. Kein Problem für leidenschaftliche Hausmänner, die zwar noch selten sind, aber dafür umso überzeugter von dem, was sie tun. Uwe bringt sein Motto auf den Punkt: “Bei dieser Lösung darf man seine eigenen Interessen nicht hinten anstellen und nur als dienender Dienstleister funktionieren. Meine Devise ist, dass ich glücklich und zufrieden sein muss, mit dem was ich tue. Nur wenn es mir selbst gut geht, geht es auch den anderen in der Familie gut. Bisher funktioniert das Prinzip hervorragend.“

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