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Elternschaft verändert

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Elterliche Verwandlungen

15.04.2011, 15:10 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Elternschaft verändert. Wenn aus einem Paar ein Elternpaar wird, verändert das.  (Quelle: imago)

Wenn aus einem Paar ein Elternpaar wird, verändert das. (Quelle: imago)

Wenn aus Paaren Eltern werden, dann ist das Glück vollkommen. Und die Vorstellungen der "schwangeren" Eltern meist weit von der Realität entfernt. Selbstverständlich wird man nach einem halben Jahr wieder arbeiten gehen, in der Zwischenzeit im Fitnessstudio mit Kinderbetreuung dafür sorgen, dass der Körper erneut in Topform kommt und auch in naher Zukunft mit dem Partner weder auf aufregende Reisen, spannende Theaterbesuche noch auf gemeinsam durchfeierte Nächte mit Freunden verzichten. Glaubt man. Vergisst dabei aber häufig einen Faktor: Elternsein verändert. Und zwar positiv und negativ. Das sind die Tops und Flops.

Bereits in der Schwangerschaft verschieben sich langsam aber sicher die Prioritäten. Doch spätestens wenn das Kind da ist, sind die Vorzeichen andere. Auf das, was kommt, war man trotz aller Ratgeber und Kurse innerlich nicht vorbereitet und das ist wohl ein Zustand, der von nun an immer anhalten wird. Denn es wird anders, wenn die Kinder älter sind, unbedingt einfacher wird es nicht. Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen sagt der Volksmund. Dabei kann man sich auch das noch gar nicht vorstellen, wenn man sich gerade damit auseinandersetzt, dass im benutzten Schnuller vielleicht doch die schädigende Chemikalie Bisphenol A gewesen ist, wenn man mal wieder kaum geschlafen hat, das mit dem Stillen oder dem ersten Brei nicht klappt und wenn man sich riesige Sorgen macht und einen die Selbstzweifel packen, weil das Baby dauernd weint und man nicht dahinterkommt, warum.

Es geht fast jedem so

Die Schauspielerin und Autorin Yvonne de Bark kann sich da noch gut an ihre eigene erste Zeit mit Baby erinnern: "Das Kind. Es kam und war da. Es hatte fünf Finger an jeder Hand und zwei Augen und atmete. Und es benahm sich anders, als es in irgendwelchen Büchern stand. Ich war sicher, ich hatte einem Alien den Zutritt zu unserer Welt ermöglicht. Wir nannten ihn Lara. Nach und nach begriff ich, dass alles anders war, ist und werden wird. Und ich sah andere Alienmütter, die hilflos ihr schreiendes Baby im Arm hielten und da wusste ich: Ich bin nicht allein.“

Nein, man ist definitiv nicht alleine. Weder mit mit den überzähligen Pfunden nach der Schwangerschaft noch mit den gemeinsamen Abenden auf der Couch zwischen Wäschebergen schlafend, weder mit dem trotzenden Kleinkind noch mit dem bockigen Teenager.

Manchmal erkennt man sich selbst kaum wieder

Langschläfer werden zu Frühaufstehern, die beim ersten Hahnenschrei bereits mit einem total ausgeschlafenen, schon abgefütterten Kleinkind bereit sind, den Tag zu begrüßen und sich wundern, warum die Geschäfte noch nicht offen haben, gestandene Männer werden zu giggelnden Spieltürmen, auf denen sich wunderbar klettern lässt und Menschen, die aufgrund ihres anstrengenden Berufes schon seit Jahren den Blick für Kleinigkeiten verloren hatten, können sich nun mit ihrem Kind über den Anblick eines Regenwurms oder eines Schneckenhauses freuen.

Am besten, man verabschiedet sich erst mal von Plänen jeglicher Art

Das alles ist allerdings ein Prozess. Nur, weil man ein Kind geboren hat, wird man nicht gleich zu perfekten Eltern. Zu denen wird man davon abgesehen übrigens nie, zumindest nicht in den Augen der Kinder. Darüber muss man sich von Anfang an im Klaren sein, dann treffen einen die Vorwürfe, die in der Pubertät seitens des Nachwuchses auf einen warten, lang nicht so schlimm. Wer es gewohnt war, dass im Beruf alles gut organisiert klappte, wer von früh bis spät mit Meetings und Co. beschäftigt war, für den oder meist für die kann es recht hart werden, wenn da plötzlich jemand kommt, der das ganze Leben auf den Kopf stellt und sich so gar nicht an den Plan halten will. Und der die Geduld nicht selten gewaltig strapaziert. So mancher erkennt sich hier selbst kaum wieder. Hinzu kommt: Das Beziehungsglück wird mit Kindern auf eine harte Probe gestellt. Alles verändert sich durch die weitere kleine Person und wird diese erst mal ein bisschen größer, kommen Elternkonflikte zum Beispiel in Form von Erziehungsunstimmigkeiten dazu. Kinder kosten nicht nur eine ganze Menge Geld, sie kosten auch Zeit, Nerven und vor allem Kraft – das ist nicht zu bestreiten.

Auch die Beziehung zu den eigenen Eltern verändert sich

Aber es ist auch nicht zu bestreiten, dass es kaum ein wunderbareres Gefühl gibt, als für jemanden so Einzigartigen verantwortlich zu sein. Von dem eigenen Kind geherzt zu werden, zu spüren, wie man geliebt wird und zwar so, wie man wirklich ist, dem Kind die Welt zeigen zu dürfen und seine noch so kleinen Fortschritte mit Begeisterung zu beklatschen. Denn: Durch die Kinder lernen Eltern, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, sie lernen Ängste kennen, die ihnen völlig unbekannt waren, die sie aber reifen lassen, sie verhalten sich so, wie sie es vorher nie für möglich gehalten hätten, werden immer mal wieder selbst zum Kind und genießen das auch. Plötzlich sind ganz andere Eigenschaften gefragt als früher. Manch einer wundert sich, wie "spießig" er auf einmal geworden ist oder wie sehr er damit den eigenen Eltern ähnelt. Eine entscheidende Erkenntnis, die die Beziehung zu diesen ebenfalls in einem neuen Licht erscheinen lässt.  

Intuitive Elternkompetenz

Auch nachhaltige Themen gewinnen plötzlich noch mehr an Raum, schließlich hat man jetzt das Prinzip der Nachhaltigkeit an sich selbst erlebt und weiß, wer die Zukunft ist. Schüchterne werden plötzlich kampfbereit und der Stolz, wenn man den Nachwuchs bei einer Schulaufführung bewundert, ist kaum zu beschreiben. Selbst wenn es nur der schweigende dritte Hirte von links ist. Die Veränderungen kommen nicht von heute auf morgen, sie schleichen sich an und werden in der Fachsprache "intuitive Elternkompetenz" genannt. In die Wiege gelegt, sozusagen.

Das Kind sollte nicht die eigenen Wünsche ausleben müssen

Gleichzeitig schenkt einem diese dauerhafte Beziehung etwas, das man sonst nirgends erwarten kann: Bedingungslose Liebe. Hier allerdings muss man vorsichtig werden, damit man nicht den Fehler begeht, die Erwartungen zu hoch zu stecken und seine eigenen Wünsche ins Kind zu projizieren. Der vor zwei Jahren verstorbene Psychoanalytiker Prof. Dr. Kurt Singer, ein Fachmann für pädagogische Schulpsychologie und Schulpädagogik, hielt elterliche Erwartungen für ganz normal, sogar entwicklungsfördernd. Allerdings nur, wenn sie der Wirklichkeit des Kindes entsprechen und nicht dazu da sind, elterliche Ideale zu erfüllen. "Eltern weisen den Kindern manchmal Rollen zu, ohne es zu merken; sie wollen damit eigene unerfüllte Wünsche verwirklichen.“ Das Kind soll also elterliches Abbild werden, es einmal besser haben oder das machen können, was einem selbst verwehrt blieb. "Die Erinnerung an die eigene Kindheit hilft, sich besser in sich selbst und das Kind einzufühlen. (…) Wenn die Erwachsenen ihre eigenen Lebenswünsche verwirklichen, entlastet das die Beziehung zu den Kindern.“ Und sich seine Lebenswünsche zu erfüllen, das geht auch mit Kindern. Man muss nur manchmal einfach andere Wege gehen.

 

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