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OECD: Trotz Familienförderung zu wenig Geburten

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OECD: Trotz Familienförderung zu wenig Geburten

28.04.2011, 11:23 Uhr | dpa

Der ersehnte Babyboom blieb in Deutschland bislang aus - auch wenn die Bundesrepublik im Vergleich zu den anderen Industriestaaten recht viel in ihre Familien investiert. Elterngeld, Krippenausbau und Steuererleichterung für Familien haben in Deutschland immer noch nicht zu dem gewünschten deutlichen Geburtenanstieg geführt. Dies geht aus dem neuen OECD-Familienbericht über die Förderung und Lebenssituation von Eltern in den 33 wichtigsten Industrienationen hervor. Mit einer Geburtenrate von 1,36 Kindern pro Frau liegt Deutschland um einiges unter dem OECD-Schnitt von 1,74. Seit 1983 war die Geburtenrate in der Bundesrepublik nicht höher als 1,5.

146.000 Euro pro Kind

Dabei gibt Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen nicht wenig Geld für seine Familien aus, heißt es in dem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichen Familienreport. Zur Unterstützung der Eltern sowie für Betreuung und Bildung eines Kindes bis zum 18. Lebensjahr investiert der Staat hierzulande 146.000 Euro. Im OECD-Schnitt sind dies nur 124 000 Euro.

Erstes Baby kommt immer später

Als einen Grund für die niedrige deutsche Geburtenrate führt der Bericht an, dass die Frauen in der Bundesrepublik mit der ersten Schwangerschaft immer länger warten. Im Schnitt bekommen sie ihr erstes Baby mit 30. Mehr als 40 Prozent der deutschen Frauen zwischen 25 und 49 leben in einem kinderlosen Haushalt (OECD-Schnitt: 34 Prozent).

Karriereknick durch Kinder

"Je höher die akademische Bildung einer Frau desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ihren Kinderwunsch aufschiebt", führen die OECD-Familienforscher an. "Denn Kinder gehen in Deutschland häufig zu Lasten der Karriere und der finanziellen Ausstattung einer Frau." Wegen des "Karriereknicks" in der Erziehungsphase erzielen Frauen mit Kindern weniger als die Hälfte des Lebenseinkommens einer kinderlosen Frau. Verglichen wurden ähnliche Berufsgruppen. Auch die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau sind in Deutschland besonders ausgeprägt. Sie betragen im Schnitt 25 Prozent (OECD: 16 Prozent).

Staat muss früh investieren

"Wie man Familien besser fördert" überschreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris jetzt diesen ersten Familienbericht. Auf knapp 300 Seiten und mit vielen Tabellen wird darin die Förderung und Lebenssituation von Eltern in den 33 wichtigsten Industrienationen analysiert. Fazit: "Je früher der Staat in Familien mit Kindern investiert, desto effizienter ist die Hilfe." Gezielte vorschulische Förderung wirke sich positiv auf Lernfähigkeiten und soziales Verhalten aus. Frühe finanzielle Unterstützung der Kinder mindere zudem soziale Ungleichheit - und mehre damit den Nutzen der Gesellschaft.

Skandinavier machen es besser

Dagegen demonstrierten die skandinavischen Länder durch "eine stärkere private und berufliche Gleichheit der Geschlechter", dass eine gute Ausbildung und eine hohe Beschäftigungsquote der Frauen nicht automatisch zu einer niedrigen Geburtenrate führen muss, heißt es in dem Bericht.

Frankreich und Dänemark investieren am meisten

Im Staatenvergleich der finanziellen Aufwendungen für Familien belegt  Deutschland mit knapp 2,8 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes (BIP/2007) den zwölften Platz von 33. Am meisten investieren Frankreich, Dänemark und Großbritannien in ihre Familien - mit einem BIP-Anteil von jeweils über 3,5 Prozent. In Korea fließen rund 0,5 Prozent, in den USA sind es 1,2 Prozent.

Das "europäische Familienmusterland" Frankreich glänzt inzwischen wieder mit einer Geburtenrate von 1,9 Kindern pro Frau. Schweden, Norwegen und Dänemark folgen mit 1,8, die Niederlande kommt immerhin auf 1,7.

Deutschland liegt hingegen mit 1,36 um einiges darunter. Von den OECD-Staaten haben nur Italien, Spanien und Russland eine noch geringere Geburtenrate als Deutschland.

Das macht Skandinavien besser

In Skandinavien sind schon seit den 70er Jahren bezahlter Elternurlaub, Arbeitsplatzgarantie und bezuschusste Betreuung der Kleinkinder wie der Schüler garantiert. Das noch vielfach gehegte Vorurteil, dass eine lange akademische Ausbildung und eine hohe Beschäftigungsquote der Frauen zu einer niedrigen Geburtenrate führt, wird von den nordischen Ländern mit ihrer Förderpolitik widerlegt. Im Gegenzug verweisen die Familienforscher darauf, dass eine niedrige Frauenerwerbsquote auch nicht automatisch zu mehr Geburten führt. So halten sich die Frauen in Griechenland, Italien, Japan und Polen trotz niedriger Beschäftigungsraten beim Kinderkriegen auffällig zurück.

Kinderarmutsrate relativ niedrig

Die hohe Förderung hilft laut Bericht, in Deutschland die Kinderarmutsrate mit 8,3 Prozent relativ niedrig zu halten (OECD-Schnitt: 12,7 Prozent). Mit 3,7 Prozent ist sie in Dänemark am niedrigsten. Laut dem jüngsten Bildungsbericht von Bund und Ländern sind in Deutschland 3,4 Millionen Kinder von Armut bedroht.

Steuererleichterungen für Eltern

Anders als andere Staaten setzt Deutschland bei der Familienförderung sehr stark auf sein Steuersystem. Ein Drittel aller Leistungen fließen hierzulande über Steuererleichterungen an die Eltern, Im OECD-Schnitt sind dies nur zehn Prozent. Andere Staaten  investieren mehr in die Strukturen wie Kinderbetreuung und Ganztagsschulen. Deutschland ist laut Bericht auch der einzige Industriestaat, der über das Ehegattensplitting bei der Steuer Alleinverdiener-Familien bevorzugt.

Kinderbetreuung noch mangelhaft

Trotz ihres Ausbaus habe die Betreuung der Kinder in Deutschland immer noch Mängel, heißt es weiter. So seien die Öffnungszeiten der Kindergärten oft nur kurz. Der Anteil der Kinder, die die Angebote nutzten, sei im Vergleich mit anderen Industrienationen eher niedrig. Ähnliches gilt auch für die Nachmittags-Betreuung der Grundschüler. Sie wird in Deutschland laut Familienbericht bisher nur von zehn Prozent der Kinder in Anspruch genommen.

Politiker reagieren

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues, hat die deutsche Wirtschaft aufgefordert, die Arbeitswelt familienfreundlicher zu gestalten. Der CDU-Politiker reagierte damit auf den neuen OECD-Familienbericht, nach dem Elterngeld, Krippenausbau und Steuererleichterungen für Familien noch immer nicht zu einem spürbaren Geburtenanstieg in Deutschland geführt haben.

"Nur Familienpolitik funktioniert nicht so, dass man auf einen Knopf drückt und schon werden mehr Kinder geboren", sagte Kues. Die Entscheidung für ein Kind habe auch etwas mit Mentalität und mit Einstellungen zu tun. Dazu komme die Akzeptanz am Arbeitsplatz, ob Kinder dort wie selbstverständlich akzeptiert und mit einkalkuliert würden. Da habe Deutschland Nachholbedarf. "Da sind auch die Unternehmen viel, viel stärker noch gefordert, als sie das bislang gewährleisten!"

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