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Zwischen Hahn im Korb und Außenseiter: Drei Väter berichten von ihrer Elternzeit

02.05.2011, 10:47 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Drei Väter berichten von ihrer Elternzeit. Väter in Elternzeit sind im Kommen. (Foto: imago)

Väter in Elternzeit sind im Kommen. (Foto: imago)

Nimmt der Vater eines Kindes auch Elternzeit, so belohnt der Staat die Familie mit zwei Extramonaten. Und immerhin jeder fünfte nutzt die Gelegenheit, ein paar Wochen unterstützend daheim zu bleiben. Wobei das dann eher den Begriff des "Erziehungsurlaubs" verdient hätte, denn viele genießen jetzt erst einmal ihr Baby, ein eventuelles Geschwisterkind und: ihre gemeinsame freie Zeit. Mit Alltag hat das oft wenig zu tun. Ganz anders die Männer, die für eine längere Zeit zu Hause bleiben, während ihre Frauen arbeiten gehen. Ein solcher Vater ist zwar heutzutage kein bunter Hund mehr, stößt aber trotzdem hier und da auf Schwierigkeiten. Und zwar vor allem auf solche, mit denen er nicht gerechnet hätte. Diese Erfahrungen haben zumindest Bernd, Peter und Alex gemacht.

Held oder Weichei?

Tolerant sind wir doch alle. Dass Männer und Frauen gleichwertig sowohl für Beruf als auch für Familie zuständig sein können, wissen wir. Trotzdem trifft die Männer, die sich für längere Zeit um das gemeinsame Kind kümmern, immer mal wieder ein skeptischer Blick. Was oft schon bei der Anmeldung der Elternzeit beginnt. Dabei kann man doch, so heißt es, in dieser Zeit Fähigkeiten trainieren, die auf dem Arbeitsmarkt heutzutage stark gefragt sind: Stressresistenz, Flexibilität, Führungseigenschaften und Organisationstalent. Viele Chefs wissen das letztendlich auch zu schätzen, so wie die von Peter und Bernd, die tatkräftig bei ihrem Vorhaben unterstützt wurden. "Mein Vorgesetzter hat selbst zwei Kinder und er hatte richtig Respekt davor, was ich mir so zutraue."

Wobei es die Chefs der anderen Art leider nach wie vor gibt. Alex, der an einem Flughafen beschäftigt war, hat sich allein schon von seinen Kollegen einige derbe Sprüche anhören müssen. "Und dabei war 'Weichei' noch einer der soften." Er hat es trotzdem gemacht und das zu einer Zeit, als man(n) noch nicht mit Extra-Elternzeit geködert wurde. Seine Frau verdient als Unternehmerin deutlich mehr und arbeitet im Gegensatz zu ihm nicht in drei Schichten und so fiel die Wahl nicht nur aufs Geld, sondern auch auf die Lebensqualität.

Man(n) steht unter Beobachtung

"An guten Tagen kam ich mir vor wie der beneidenswerte Hahn im Korb, so mitten am Tag im Sonnenschein am Spielplatz", erzählt der attraktive 41-Jährige, der nun seit etwas mehr als zehn Jahren die Familie zu Hause managt. "An schlechten aber hatte ich das Gefühl, der völlige Außenseiter zu sein." Was Peter nickend bestätigt. "Und ich war sicher, dass jeder und speziell jede dachte: Ach schau, das ist der Loser, der sich von seiner Frau aushalten lassen muss!" "So krass habe ich es jetzt nicht empfunden", meint der 35-jährige Bankkaufmann Bernd, der sich mit seiner Frau die Elternzeit geteilt hat und fünf Monate komplett für seinen kleinen Sohn da war. "Aber beobachtet kam ich mir schon auch vor. Doch ich halte es eher für Bewunderung oder Neugier und weniger für kritisches Betrachten. Wenn ich zum Beispiel mit meinem Bruder und unseren zwei Jungs unterwegs bin, ziehen wir schon viel Aufmerksamkeit auf uns." Und verschmitzt grinsend fügt er hinzu: "Gut, wir sind größer als der Durchschnitt und sehen genau wie unsere Söhne blendend aus…! Nein, im Ernst: Im Großen und Ganzen war immer ein gewisser Zweifel zu spüren so à la: Wie? Du mit Kind allein daheim? Und die Mama in der Arbeit? Nee, oder?"

Man stellt es sich einfacher vor als es ist

Vor allem die Kolleginnen waren zunächst skeptisch, was Bernd fast ein bisschen gekränkt hat. Die Freunde allerdings waren schon ein wenig neidisch auf die fünf Monate "Urlaub" und konnten anfangs so gar nicht verstehen, warum nicht einmal Zeit für ein nachmittägliches Tennisspiel war. Was wohl vor allem daran liegt, dass man sich keine Vorstellung davon macht, was es wirklich bedeutet, Familie und Haushalt optimal am Laufen zu halten. Diese Erfahrung kann Peter nur bestätigen: "Die Wertschätzung für das, was der Partner macht, hat sich gewaltig erhöht. Auf beiden Seiten. Ich weiß jetzt, dass 'Zuhause' nicht gleichbedeutend ist mit 'Friede, Freude, Eierkuchen'." Drei Töchter, alle in den letzten vier Jahren geboren, halten den Maintenance Manager auf Trab. "Bei mir hat sich trotzdem der Tag eher entwickelt, als dass ich ihn gestaltet hätte."

Doch die Gefühle des 34-Jährigen waren schon zwiespältig, wenn die Tür hinter Stephanie ins Schloss fiel. "Ich war mir sicher, ich könnte meine Tage jetzt endlich frei planen, was sich definitiv als Trugschluss herausgestellt hat. Ich hatte aber auch ziemliche Zweifel daran, ob ich alles richtig machen würde." Letztendlich war es, so Peter, zwar nicht immer richtig, aber richtig schön. "Eine Bereicherung für mein Leben und ein unvergessliches positives Erlebnis."

Der Rhythmus, mit dem man mit muss

Die Möglichkeit, die althergebrachten Rollen zu tauschen, war für die beiden nicht ausschlaggebend. Denn die heute 30-jährige Stephanie bekam, obwohl sie bereits schwanger war, einen Traumjob angeboten, den sie nicht ablehnen wollte und für den sie bereit war, kurz nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen. Peter hat das damals ganz pragmatisch gesehen und die Möglichkeit genutzt, seinen Fokus auf sein nebenberufliches Studium zu lenken. Bekäme er diese Chance noch einmal, würde er wieder in Elternzeit gehen, auch wenn er dann, wie er sagt, für einen geregelteren Ablauf sorgen würde. "Ich bin aber auch in vielen Dingen viel entspannter, zum Beispiel wenn ein Kind mal nicht genug trinkt oder erhöhte Temperatur hat. Ob sich das positiv ausgewirkt hat, das kann ich nicht sagen, aber ich habe schon den Eindruck, dass unsere Große, die Jula, mit der ich fast ein Jahr zu Hause war, irgendwie ruhiger ist beziehungsweise ruhiger war."

Die gemeinsame Zeit genießen

"Ich fand das total cool. Die ersten Wochen habe ich den Kleinen in den Tragesack gepackt und bin erst mal ausführlichst frühstücken gegangen", erzählt Bernd. "Jannis und ich waren dauernd unterwegs, in der Stadt und im Park, mit dem Kinderwagen und dem Fahrradanhänger. Ich kenne jetzt jede Eisdiele in der gesamten Umgebung. Klar habe ich auch die festen Termine übernommen, war bei PEKiP und bei der Krankengymnastik, aber am schönsten waren immer die gegenseitigen Besuche und Unternehmungen mit anderen Eltern." Obwohl er sich da schon gewünscht hätte, dass es ein wenig mehr Papas in Elternzeit gäbe.

Die Verantwortung ist riesig

"Entspannter als meine Frau bin ich gar nicht", gibt Alex zu. "Und das ist genau das, was mich auch echt zwischendrin immer mal fertig gemacht hat. Diese dauernde Verantwortung für zwei so kleine Wesen. Und was denen alles passieren könnte ... Da finde ich arbeiten gehen leichter. Und ich bin echt froh, dass meine beiden jetzt aus dem Gröbsten raus sind, mir sagen können, wo es wehtut, nicht mehr einfach in den Bach vor unserem Haus fallen können und sich die Schwierigkeiten jetzt eher auf Bereiche wie die Schule oder die ersten Anzeichen von Pubertät verlagert haben."

Was ihn aber wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass er der Strenge sein muss, der erzieht und der irgendwie nie fertig ist mit seiner Arbeit. Während seine Frau abends heimkommt, ein bisschen mit den Kindern spielt oder ihnen etwas beim Zubettgehen vorliest und dann Feierabend hat. "Mit dem Argument, dass sie ja morgen wieder früh raus müsse. Dass ich aber so manches Mal auch heute noch mehrmals in der Nacht aufsteh' und am nächsten Morgen ja auch wieder ran muss, das sieht sie oft gar nicht."

Elternzeit prägt

Bernd stimmt zwar zu, dass das frühe Aufstehen und Präsentsein nach so einer Nacht kein Zuckerschlecken ist, sieht die Sache aber trotzdem anders. Was wohl vor allem auch daran liegt, dass seine Frau und er einen "gleichberechtigten" Arbeitsplatz bei der gleichen Firma haben und die zeitlich begrenzte Entscheidung - im Gegensatz zu der von Alex und Sonja - rein aus persönlichen, nicht aber aus finanziellen Gründen fiel. "Ich wollte unbedingt so viel Zeit wie möglich mit meinem Kind verbringen, nichts verpassen von seiner Entwicklung. Und auch wichtig sein für Jannis. Ich habe die Elternzeit immer als Chance gesehen, eine ganz intensive Bindung zum Kind aufzubauen. Mich haben diese fünf Monate mit unserem Sohn sehr geprägt und ich denke, ihn auch. Für Jannis sind wir beide gleich wichtig." Und er fügt hinzu: "Durch den Wechsel der Aufgaben hat sich das gegenseitige Vertrauen zwischen Nicole und mir noch weiter gefestigt."

Frauen geht es genauso

Doch auch Peter fand die Umstellung vom Berufsleben auf das Leben zu Hause mit Kind schwerer, als man eigentlich zugeben möchte. "Fakt ist, dass die 'häuslichen' Abläufe und deren Arbeitspensum von mir unterschätzt wurden. Dem Kind einen richtigen Rhythmus zu geben, hat sich dabei als schwierige Aufgabe entpuppt und der Austausch mit den Kollegen hat mir auch ziemlich gefehlt. Und ehrlich gesagt, war ich froh, dass meine Frau nur fünf Minuten Fußweg entfernt war. Auch wenn ich es nicht gebraucht habe, aber es hat mir Sicherheit gegeben." "Am Anfang habe ich mich bei vielen Sachen angestellt wie der Hund zum Eierlegen", erzählt Alex. "Und hätte ich nicht eine sehr gute Freundin, die gleichzeitig mit ihren zwei Kindern zu Hause war und doch tatsächlich die gleichen Probleme hatte, ich hätte sehr oft an mir gezweifelt. Heute weiß ich, dass es einfach hart ist, sich umzustellen vom Berufsleben auf ein Leben mit Kind. Für alle, egal, ob Mann oder Frau."

Wickeln und Füttern mithilfe des iPhones

Bernd hat sich zu Beginn seiner Elternzeit einfach vorgestellt, dass Nicole nur etwas besorgen wäre und dafür den ganzen Tag bräuchte. "Mir hat die Arbeit auch gar nicht gefehlt, ich bin in dem Papajob voll aufgegangen", doch nach kurzem Überlegen gibt er zu: "Also gut, ich habe mir am Anfang sehr viele Notizen gemacht und mir Erinnerungstermine in mein iPhone eingetragen, damit ich ja keine Zwischenmahlzeit, kein Vitamin D und all die anderen wichtigen Dinge vergesse."

Gerät das Selbstbild ins Wanken, kann es schwierig werden

Alle drei sind sich einig darüber, dass sie das, was in der Regel auch heute noch meistens die Frauen zu Hause leisten, unterschätzt haben. "So einen Tag mit einem trotzenden Kleinkind und einem zahnenden Säugling muss man erst mal durchstehen. Allein das ist schon kein Zuckerschlecken", erinnert sich Alex, der sich jetzt wieder auf seine Rückkehr ins Berufsleben vorbereitet und dafür eine Zusatzausbildung macht. "Ob ich es noch mal machen würde? Ich weiß nicht. Klar, die Bindung zu meinen Kindern ist fantastisch und das, was ich mit ihnen erlebt habe, nicht zu toppen. Aber wenn, dann würde ich nicht mehr komplett zu Hause bleiben, sondern schauen, dass ich mir die Zeit mit meiner Frau teilen kann. So wie die meisten Männer das ja mit dem heutigen Modell auch machen. Denn ich muss schon zugeben, dass ich immer wieder Probleme mit meinem Selbstwertgefühl hatte und das dann unweigerlich auch zu Schwierigkeiten in der Beziehung geführt hat."

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Bernd hätte gerne noch mehr Zeit mit Jannis verbracht. "Mir ist es richtig schwergefallen, den Kleinen in die Krippe zu bringen und selbst wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren." Und genau wie Peter versucht er erstens, sich mehr Aufgaben als früher mit seiner Frau zu teilen und zweitens, so viel Zeit wie möglich mit seinem Nachwuchs zu verbringen. "Das 'alte' Bild eines Vaters, der spät von der Arbeit nach Hause kommt und das gestrenge Oberhaupt der Familie gibt, ist für mich nicht nachahmenswert", erklärt Peter. Am liebsten wäre er bei allem, was seine Töchter erleben und entdecken, dabei. Und ist heute zu einem richtigen "early bird" in der Firma geworden. Schließlich will er möglichst früh wieder zu Hause bei seinen Kindern sein.

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