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UNICEF: "Kinderarbeit kann man nicht einfach verbieten"

10.06.2011, 12:56 Uhr | dpa

UNICEF: "Kinderarbeit kann man nicht einfach verbieten". Ein philippinischer Junge sucht in einem Slum in Manila nach verwertbaren Dingen. (Quelle: dpa)

Ein philippinischer Junge sucht in einem Slum in Manila nach verwertbaren Dingen. (Quelle: dpa)

Jeden Tag werden Millionen Kinder ausgebeutet. Sie schuften auf Feldern, putzen Schuhe oder arbeiten als Dienstboten. Auch als Soldaten oder Prostituierte werden Minderjährige missbraucht. Global verbieten kann und sollte man Kinderarbeit trotzdem nicht, wie der Sprecher des UN-Kinderhilfswerks UNICEF in Deutschland, Rudi Tarneden, in einem Gespräch erläutert.

Warum kann man Kinderarbeit nicht verbieten?

Tarneden: "Weil man damit die Ursachen von Kinderarbeit nicht aus der Welt schafft. Mit Verboten oder Boykotten allein drängt man die Kinder in die Illegalität. Das kann dazu führen, dass letztlich die Kinder bestraft werden."

Was kann man tun?

Tarneden: "UNICEF setzt auf mehreren Ebenen an. Zum einen ist da der Kampf gegen die extremen Formen der Kinderarbeit wie Prostitution und Kinderhandel. Da gibt es politisch-rechtliche und polizeiliche Mittel, die ergriffen werden müssen. Daneben geht es vor allem darum, Ausbeutung vorzubeugen. Dazu gehört, dass die Bildungschancen gerade von benachteiligten Kindern verbessert werden. Entscheidend ist, flexibel vorzugehen und die tiefer liegenden Ursachen zu bekämpfen."

Gibt es eine genaue Definition für Kinderarbeit?

Tarneden: "Nicht jede Form von Arbeit ist für Heranwachsende schädlich. Viele Kinder wollen auf dem Feld oder im elterlichen Betrieb mithelfen und können dabei auch etwas lernen. Für UNICEF ist entscheidend: Wie alt ist ein Kind, was genau muss es machen, wie kann sich die Arbeit auf seine Gesundheit und Entwicklung auswirken?"

Welche internationalen Absprachen gibt es?

Tarneden: "Nach der UN-Konvention über die Rechte des Kindes hat jedes Kind ein Recht darauf, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt zu werden. Diese Konvention haben praktisch alle Staaten unterzeichnet. Eine weitere wichtige Regelung ist eine der Internationalen Arbeitsorganisation ILO gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit wie Zwangsarbeit, Prostitution, Drogenhandel und der Missbrauch von Kindern als Soldaten."

Wo gibt es Kinderarbeit?

Tarneden: "Überall auf der Welt. Nach UNICEF-Schätzungen müssen etwa 150 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten. Auf dem afrikanischen Kontinent schuftet etwa jedes dritte Kind, in Asien sind es etwa 13 Prozent. Aber auch in den Industrieländern gibt es Kinder, die wirtschaftlich tätig sind. Sie arbeiten allerdings in anderem Maße, tragen zum Beispiel Zeitungen aus oder arbeiten bei Film- und Fernsehproduktionen mit."

Was sind die häufigsten Formen der Kinderarbeit?

Tarneden: "Die meisten sind in der Landwirtschaft tätig. Viele Kinder arbeiten auch als Straßenverkäufer, Dienstboten, Schuhputzer oder in Werkstätten. Manchmal werden sie als Drogenkuriere eingesetzt, etwa in Lateinamerika. Die meisten Kinder arbeiten ohne Vertrag, ohne feste Regeln."

Warum gibt es Kinderarbeit?

Tarneden: "Der Hauptgrund ist sicherlich, dass ihre Familien sehr arm sind. Sie sind billige Arbeitskräfte, sie wehren sich nicht, man kann sie jederzeit wieder wegschicken. Viele Kinder in Afrika müssen ihre Geschwister großziehen, weil ihre Eltern an Aids gestorben sind. Ein anderer Grund ist, dass Schulen oft sehr weit weg sind und Geld kosten. Eltern, die nicht erlebt haben, wie wichtig Bildung ist, verstehen nicht, warum sie ihre Kinder zur Schule schicken sollen."

Welche Folgen hat das für die Kinder?

Tarneden: "Kinder, die auf Feldern arbeiten, wo Chemikalien und Düngemittel eingesetzt werden, bekommen oft Probleme mit der Haut und den Atemwegen. Kinder, die viel gebückte Arbeit machen müssen, leiden unter Wachstumsproblemen. Kinder, die in privaten Haushalten arbeiten, werden oft wie Sklaven gehalten. Bei schlimmen Formen der Kinderarbeit wie Zwangsprostitution wird das Leben der Kinder zerstört."

Was können wir Deutsche gegen Kinderarbeit tun?

Tarneden: "Die Botschaft ist: Nicht jedes Schnäppchen muss sein. Man kann heute zwischen vielen Produkten wählen, bei denen die Importeure sich sehr bemühen, Kinderarbeit auszuschließen. Es gibt sehr viele zertifizierte Produkte. Den fairen Handel zu unterstützen ist ein gutes Signal - nicht nur an die Firmen, sondern auch an die betroffenen Länder.»

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