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1,5 Milliarden Kinder weltweit erleiden Gewalt

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Bis zu 1,5 Milliarden Kinder weltweit erleiden Gewalt

30.06.2011, 16:10 Uhr | dpa

1,5 Milliarden Kinder weltweit erleiden Gewalt. Die Schirmherrin von Unicef Deutschland, Bettina Wulff, Unicef Deutschlandchef Jürgen Heraeus und die UN-Sonderbeauftragte Marta Santos Pais stellen den Unicef-Report vor.  (Foto: Reuters)

Die Schirmherrin von Unicef Deutschland, Bettina Wulff, Unicef Deutschlandchef Jürgen Heraeus und die UN-Sonderbeauftragte Marta Santos Pais stellen den Unicef-Report vor. (Foto: Reuters)

Schläge, Mobbing und sexueller Missbrauch: Zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Kinder auf der Welt erleiden jedes Jahr Gewalt. Auch die Aggression unter Kindern nimmt zu, heißt es im Unicef-Report 2011. Gewalt gegen Kinder wird demnach weltweit verdrängt und unterschätzt. In Entwicklungs- und Schwellenländern erlebten drei von vier Kindern in ihrer Familie Strafen bis hin zu Peitschenhieben, berichtet das Kinderhilfswerk. Auch in Deutschland wachsen Kinder nicht gewaltfrei auf.

Schläge als Erziehungsmittel sind keine Seltenheit

Gewalt gegen Kinder ist nicht nur ein Problem armer Staaten. In Deutschland schlagen nach Schätzungen des Kinderschutzbundes 13 Prozent der Eltern auch mal zu - obwohl das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung gesetzlich festgeschrieben ist. Unicef fordert deshalb unter anderem eine Ombudsstelle für Kinderrechte.

Besonders gefährdet: kleine, ungewollte oder behinderte Kinder

Kinder in Deutschland erführen Gewalt oft aus Gleichgültigkeit, unkontrollierter Wut oder Selbstsucht, sagte Bettina Wulff, Schirmherrin von Unicef Deutschland, bei der Präsentation des Reports. Besonders gefährdet seien Kinder, wenn sie klein, ungewollt oder behindert seien. Um Kindern zu helfen, seien eine stärkere Vernetzung der Institutionen und auch mehr Mittel für qualifiziertes Personal in den Kommunen nötig. "Kinder müssen stark gemacht werden gegen Gewalt", betonte Wulff. "Das bedeutet, dass wir sie achten, ihnen zuhören und sie ernst nehmen."

Jugendliche gehen aggressiver miteinander um

Im Unicef-Report macht das Hilfswerk auch auf neue Gewaltrisiken aufmerksam: Die Aggression von Kindern und Jugendlichen untereinander. So habe Mobbing auf dem Schulhof, über Mobiltelefone und im Internet ("Cyberbullying") zugenommen. Kinder müssten in Schulen und Jugendgruppen darauf vorbereitet werden.

Zwangsverheiratet oder zur Prostitution gezwungen

Weltweit erleiden zwischen 500 Millionen und 1,5 Milliarden Kinder jedes Jahr Gewalt, berichtete die UN-Sonderbeauftragte Marta Santos Pais. "Das ist ein dramatisches Niveau". In einigen Ländern würden Kinder mit acht bis zwölf Jahren verheiratet, für Adoptionen verkauft, zur Arbeit in fremden Haushalten oder zur Prostitution gezwungen. In manchen Staaten könnten Kinder legal mit Stock- und Peitschenhieben bestraft werden. Auch Verurteilungen zur Steinigung oder Todesstrafe seien möglich.

Tabuthema: Sexuelle Gewalt von Vertrauenspersonen

Für eine kaum sichtbare und am wenigsten beachtete Form der Gewalt gegen Kinder zählt für Unicef sexueller Missbrauch. Die größte Gefahr gehe dabei von Menschen aus, zu denen Kinder Vertrauen haben: Verwandte, Nachbarn, Schulbedienstete und Betreuer. Auch in Europa wird nach Schätzungen des Europarates eines von fünf Kindern Opfer sexueller Gewalt. "Das kann man nicht akzeptieren", betonte Santos Pais. Nationale Präventionspläne und bessere Gesetze seien nötig.

Kinderschutzgesetz wird überarbeitet

Am 1. Juli debattiert der Bundestag in erster Lesung den Entwurf der Bundesregierung für ein Bundeskinderschutzgesetz. Dabei geht es unter anderem um Führungszeugnisse für hauptamtliche Mitarbeiter in der öffentlichen und freien Jugendhilfe.

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