Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie >

Sexueller Missbrauch: Jede zweite Schule mit Verdachtsfällen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Verdacht auf sexuellen Missbrauch in jeder zweiten Schule

13.07.2011, 14:36 Uhr | dpa, AFP, dapd

Sexueller Missbrauch: Jede zweite Schule mit Verdachtsfällen. Wer sind die Täter bei sexuellem Missbrauch an Schulen? (Foto: imago)

Wer sind die Täter bei sexuellem Missbrauch an Schulen? (Foto: imago)

In 80 Prozent der deutschen Kinder- und Jugendheime, in 70 Prozent der Internate sowie in 50 Prozent der Schulen hat es in den vergangenen Jahren Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs gegeben. Dies geht aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) hervor. Als Verdächtige galten demnach in einem erheblichen Teil der Fälle Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtung. Noch häufiger aber bedrängten Mitschüler oder Mitbewohner Gleichaltrige mit sexueller Gewalt, wie aus der Studie hervorgeht. "Missbrauch ist nicht ein Thema der Vergangenheit", sagt die Regierungsbeauftragte Christine Bergmann, die die Studie in Auftrag gegeben hatte. Auch die katholische Kirche lässt Ursachen für Missbrauch in ihren Institutionen erforschen.

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Anlass der Studie war der Missbrauchsskandal in diversen kirchlichen und weltlichen Institutionen im vergangenen Jahr, wie dem Canisius-Kolleg und der Odenwaldschule. Dabei kamen der teils jahrzehntealte Fälle mit tausenden betroffenen Kindern ans Licht. Doch seien Übergriffe auch heute weiter Realität für viele Jugendliche in Schulen, Internaten, Heimen und anderen Institutionen, sagte DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. Über die heutige Situation habe es praktisch kein "systematisches Wissen" gegeben, erklärt DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. Nun habe die Studie belegt, dass "das Thema so virulent ist, dass wir es nicht einfach zur Seite schieben können."

Immer mehr Fälle von Kindesmissbrauch gemeldet

So berichteten 50 Prozent der von dem Institut befragten Schulleiter und Lehrer, dass sie in den vergangenen Jahren mit mindestens einem Verdachtsfall zu tun hatten. Von den Verantwortlichen in Internaten sagten dies knapp 70 Prozent, von jenen in Heimen 80 Prozent. Es handelt sich um eine sogenannte Hellfeldstudie - es geht also nur um Vorfälle, die tatsächlich gemeldet wurden.

In den Schulen war in rund vier Prozent der Fälle Personal in Verdacht, in Heimen immerhin in zehn Prozent der Fälle. Das seien "immer noch beachtliche Zahlen", sagt Mitautorin Alexandra Langmeyer. Gleichwohl spielte sexuelle Gewalt von Jugendlichen gegen Gleichaltrige eine noch größere Rolle: Sie waren an Schulen in 16 bis 17 Prozent der Fälle in Verdacht, bei Übergriffen an Heimen waren es sogar 38,9 Prozent.

Jugendliche Täter werden therapiert

Der größte Teil der Tatverdächtigen kam jedoch gar nicht aus der Institution, sondern aus dem privaten Umfeld. In bis zu 32 Prozent der Fälle, auf die Schulen aufmerksam wurden, galten Verwandte oder Bekannte als Tatverdächtige, bei Heimen lag die Quote bei 48,5 Prozent. Die Täter waren weit überwiegend männlich, die Opfer in den meisten Fällen Mädchen, wie Langmeyer weiter berichtet. Die Übergriffe reichten von Berührungen an den Geschlechtsteilen bis hin zu versuchter oder vollzogener Penetration.

Richtete sich der Verdacht gegen Betreuer oder Lehrer an Schulen, folgten letztlich in 20 Prozent der Fälle arbeits- oder strafrechtliche Konsequenzen, wie es in der Studie weiter heißt. In Heimen und Internaten lag die Quote solcher Konsequenzen bei jeweils 33 Prozent. Waren die Tatverdächtigen Jugendliche, bekamen sie dagegen in mehr als zwei Drittel der Fälle Strafen, meist in Form von Therapieauflagen.

Sind Kinder in Heimen besonders gefährdet?

Derzeit gibt es nur Mutmaßungen, warum so viele Verdachtsfälle in Heimen auftauchen. Womöglich gibt es wegen des gemeinsamen Wohnens für Übergriffe mehr Gelegenheit als etwa in der Schule. Doch liegt die Quote von 80 Prozent noch höher als in Internaten. Rauschenbach vermutet, dass die Bindungen im Heim enger sind. "Das ist der intimste und privateste Ort, das ist die Ersatzfamilie", sagt der DJI-Direktor. Möglicherweise liegt es an den schwierigen Verhältnissen, aus denen die Kinder kommen, vielleicht sind sie besonders anhänglich und damit leichte Opfer. Vielleicht deuten die vielen Verdachtsfälle aber auch nur darauf hin, dass Erzieher und Betreuer in Heimen besonders genau hinhören, wenn sich die Kinder offenbaren.

Bergmann fordert Schutzkonzepte und Lehrerfortbildung

Die Regierungsbeauftragte Bergmann forderte Schutzkonzepte in Schulen, Internaten und Heimen. Die Pädagogen müssten wissen, welche Schritte in Verdachtsfällen einzuhalten seien. Außerdem müsse ein Klimageschaffen werden, das es zulasse, über Missbrauch zu sprechen. Kinder müssten ermutigt werden, sich Lehrern anzuvertrauen. Schließlich habe die Studie habe nachgewiesen, dass die meisten Verdachtsfälle von Kindern selbst angezeigt würden. Im ZDF-Morgenmagazin forderte Bergmann, alle Lehrer fortzubilden. Allerdings gehe es nicht nur um die richtige Reaktion auf einen Missbrauch. "Es muss genauso wichtig sein zu gucken, was kann man präventiv tun. Da muss einfach noch viel gelernt werden", sagte Bergmann.

Klima der Offenheit gefordert

Rauschenbach betonte, viele der Erkenntnisse seien nur erste Anhaltspunkte. Doch ließen sie den Schluss zu, dass das Thema in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern eine größere Rolle spielen müsse. Auch Bergmann sagt: "Noch hat die Gesellschaft nicht alles gelernt." Nötig sei ein Klima der Offenheit.

Katholische Kirche will Ursachen von Missbrauchsfällen ergründen

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz will nun ebenfalls die Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche durch zwei Projekte erforschen lassen. Ziel sei es, intensiver nach den Ursachen des Missbrauchs und nach Präventionsmöglichkeiten zu forschen, erklärte der Beauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, bei der Vorstellung der Projekte in Bonn.

Alte Akten öffnen und für die Zukunft vorbeugen

Das eine Projekt will vor allem Akten seit 1954 von unabhängige Fachleuten durchforsten lassen und dabei auch versuchen, noch nicht gemeldete Missbrauchsfälle aufzudecken. Erste Ergebnisse sollen in einem Jahr vorliegen. Die katholische Kirche will die Fälle parallel zu den bereits angelaufenen Entschädigungen für Missbrauchsopfer aufarbeiten lassen. Jedem Opfer will die katholische Kirche bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen, in Einzelfällen auch mehr. In dem anderen Projekt sollen psychiatrisch Täterprofile erstellt werden. Nach Abschluss der Untersuchungen solle das Präventionskonzept der Kirche überprüft und falls nötig ergänzt werden.


Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Dumme Idee 
Sprung auf Hai zeugt nicht gerade von Intelligenz

Diese Aktion hätte auch gerne in die Hose gehen können. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Auf flachen Sohlen - Schuhe für die kühle Jahreszeit

Angesagte Stiefel, trendige Schnürer, klassische Stiefeletten u.v.m. jetzt entdecken bei BAUR.

Shopping
Mit dem Multitalent wird jedes Kochen zum Erlebnis

Krups Multifunktions-Küchenmaschine HP5031: Ihr Partner für kreative Kochideen! bei OTTO.de

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal