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Wenn die Pubertät auf die Wechseljahre trifft

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Späte Mütter  

Wenn die Pubertät auf die Wechseljahre trifft

26.07.2011, 11:04 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Wenn die Pubertät auf die Wechseljahre trifft. Wechseljahre und Pubertät können durch die hormonellen Turbulenzen schnell zu Konflikten führen. (Foto: zoonar)

Wechseljahre und Pubertät können durch die hormonellen Turbulenzen schnell zu Konflikten führen. (Foto: zoonar)

Die 40 ist eine magische Zahl im Leben einer Frau. Für viele bedeutet sie, unter unüberhörbarem Ticken der biologischen Uhr endgültig die Wahl zu treffen zwischen einer Familie und anderen Lebensentwürfen. Entscheidet sich eine Frau mit Ende Dreißig, Anfang Vierzig noch für ein Kind, dann muss sie damit leben, dass dessen Pubertät ziemlich genau mit ihren Wechseljahren zusammenfallen wird. Eine durchaus brisante Konstellation.

Jede Vierte ist beim ersten Kind älter als 35

Carla Bruni, die französische Präsidentengattin und Sängerin macht es uns gerade vor: Frauen, die relativ spät noch (einmal) Mutter werden, sind heutzutage ganz normal. Das liegt schon allein daran, dass viele sich erst einmal ihrem Beruf widmen, reisen und genießen wollen, bevor sie wirklich bereit sind, "sesshaft" zu werden. Zur Folge hat das, so sagen Psychologen, dass sie innerlich ruhiger sind. Sie haben bereits viel erlebt und erreicht, haben oft ein höheres Bildungsniveau, brauchen nicht mehr jedes Wochenende Party und bekommen das Kind, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben.

Aber es hat natürlich auch Nachteile. Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken sind Spätgebärende nicht mehr so spontan wie junge Mütter. Sie haben sich an ein strukturiertes Umfeld bereits gewöhnt und werden von der Unberechenbarkeit eines Kindes oft ziemlich überrascht.

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Dem Chaos der Jugend nicht mehr gewachsen sein

Fast zwangsläufig kommt es im Lauf der Zeit zu entnervenden Machtkämpfen, bei denen der Einsatz der Kräfte in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Themen wie Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit, die Diskussionen um notwendige Pflichten und darum, warum man abends ins Bett muss und morgens auch wieder raus, bilden ein tägliches Schlachtfeld. Und zwar eines, das gerade für ältere Eltern voller Minen steckt. "Sie sind in einem Alter, in dem man es gewohnt ist, sich nach einem strukturierten Lebensplan zu orientieren", meint die Psychotherapeutin Christiane Lutz. "Das Chaos der Jugend liegt in weiter Ferne und es fällt älteren Eltern offensichtlich schwerer, sich in diese Unstrukturiertheit einzufühlen, geschweige denn, sie zu ertragen."

Wechseljahre läuten nicht das Ende der Weiblichkeit ein

Oft lässt sich beobachten, dass Menschen, die später Kinder bekommen, ängstlicher sind und Gefahr laufen, das Kind nicht loszulassen, es klein zu halten und sich damit sogar jünger zu machen. Statistisch bewiesen ist dies allerdings nicht. Was sich allerdings nicht leugnen lässt, ist dass die Natur das Klimakterium eingerichtet hat. Es sind die gefürchteten Wechseljahre, in denen sich der weibliche Körper umstellt und von der Fruchtbarkeit verabschiedet, was mit einem gewissen Hormonchaos vonstattengeht. Dieses Klimakterium fällt bei den "späten Müttern" ausgerechnet in die Pubertät der Kinder. Das muss kein Problem sein, wenn die Frau nur wenig von den Wechseljahren mitbekommt - immerhin jede Dritte - und das Kind ohne große Höhen und Tiefen erwachsen wird.

Hormonelle Turbulenzen werden unterschiedlich empfunden

Doch genau wie Frauen die Tage vor ihren Tagen unterschiedlich erleben, werden manche auch von den Wechseljahren stark gebeutelt. Plötzliche Schweißausbrüche, Haarausfall, mangelnde Belastbarkeit und Depressionen sind da nur einige wenige Symptome. Wobei das Wort "Symptom" nicht optimal ist, denn die Wechseljahre sind ja - genau wie die Pubertät - keine Krankheit. Und es handelt sich auch nicht um das Ende der Weiblichkeit, sondern lediglich um das Ende der Fruchtbarkeit. Ein gewaltiger Unterschied.

Konflikte häufen sich in der Lebensmitte

Viele Frauen in den Wechseljahren befinden sich in einer Sandwichposition zwischen Kindererziehung, Job und oft auch der Pflege der eigenen Eltern beziehungsweise der Auseinandersetzung mit deren Vergänglichkeit. Das führt nicht selten dazu, dass man sich in dieser Lebensphase auch noch gezwungen sieht, Kindheitskonflikte aufzuarbeiten. Kommen zu diesen Identitätsproblemen hormonelle Turbulenzen dazu, ist das emotionale Chaos programmiert.

So manche Mutter in den Wechseljahren wünscht sich, gelassener zu sein, weniger launisch, ausgeglichener. Doch man sollte nicht zwanghaft versuchen, "wie immer" zu sein. Es wird sowieso nicht gelingen. Für die Kinder ist es gar nicht schlecht, ihre Mutter in einer Umbruchphase zu erleben, zu sehen, wie sie damit umgeht. Wie viel Ruhe sie sich gönnt, wie sorgsam sie auf sich selbst und ihre Bedürfnisse hört, wie sie Körper und Geist wieder in Einklang bringt. Die Kinder und Jugendlichen werden und können für sich selbst lernen.

Lebensentwürfe müssen überprüft werden

Sowohl in der Pubertät als auch in den Wechseljahren ist man sehr mit sich selbst beschäftigt und hat wenig Energie für Konflikte übrig. Das kann zu Verständnisschwierigkeiten führen. "Der Andere stört, weil er die eigene Verstörtheit mit seiner Störung verstärkt." Christiane Lutz, Autorin des Buches "Ich krieg die Krise", hat die Erfahrung gemacht, dass zwangsläufig die Frage aufkommt, ob es sinnvoller gewesen wäre, seine Kinder doch ein paar Jahre früher zu bekommen.

Mütter in den Wechseljahren stecken in einer ähnlichen Krisensituation wie ihre heranwachsenden Kinder. Wie in einem Spiegelbild erleben sie ähnliche Nöte, Ängste und Schwierigkeiten. Beide fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, der Körper zeigt Grenzen auf, die der eigene Anspruch nicht wahrhaben will.

Wenn man es aber genau betrachtet, dann stehen die Kinder noch am Anfang aller Möglichkeiten. Dagegen muss man sich selbst fragen, ob es nicht für die Verwirklichung der einen oder anderen Sehnsucht inzwischen zu spät ist. Und die Antwort kann einen hart treffen.

"Du hast doch keine Ahnung, du bist uralt!"

"Die Jugendlichen scheinen im Vollbesitz von Wahlmöglichkeiten zu sein, die sich Eltern damals so nicht boten. Nicht selten mischt sich in den Vergleich auch Rivalität, verbunden mit dem Vorwurf, die jungen Leute hätten es besser." Lutz weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, dass diese ganz genau beobachten, wie man mit dem Älterwerden umgeht. Und dies - nicht immer sensibel - kommentieren. "Sie sind in ihrer wachen Schonungslosigkeit der Wahrheit meist sehr nahe, was natürlich auch Furcht auslösen kann, denn in ihrer Kritikfähigkeit bis Kritiksucht sind Pubertierende gelegentlich gnadenlos! Aber weil hinter jeder ihrer oft verletzenden Äußerungen auch ein waches Interesse an den Eltern verborgen ist, könnten die kritischen Äußerungen auch als Impuls zur Weiterentwicklung verstanden werden."

Das heißt aber zunächst mal, den Ton, mit dem die Kritik in der Regel ausgesprochen wird, zu überhören. Schließlich beherrschen junge Menschen das ganze Arsenal verbaler Kampfmittel und konfrontieren ihre Eltern oft genug mit Ironie, Zynismus und Sarkasmus. "Da man in den Wechseljahren dünnhäutiger ist, treffen diese Geschütze umso schmerzhafter in Form und Inhalt."

Die Knospe und die verwelkten alten Blütenblätter

Der Tipp, man solle sich doch als Mutter in den Wechseljahren in die Rolle der Ratgeberin begeben, sich auf die innere Reise zur "weisen Frau" machen, mag theoretisch richtig sein. Allein der gesellschaftliche Druck nach Jugend und Schönheit spricht eine andere Sprache. Da entsteht, auch wenn man es sich nicht gern eingesteht, durchaus Neid auf die junge Tochter. Das führt zu dem Versuch, ebenfalls so jung und attraktiv wie möglich zu wirken. Man nennt das das Dorian-Gray-Syndrom und man kann es besonders gut an prominenten Müttern wie Demi Moore oder Madonna beobachten. Die Psychoanalytikerin Helene Deutsch vermutete bereits in den 1940ern, dass Neid auf die Tochter fast unvermeidbar sei, schließlich erinnere das Aufblühen der jungen Frau an den eigenen Verfall. Womit klar ist, dass man es in dieser Lebensphase als Frau ein wenig leichter haben dürfte, wenn man Söhne hat. Zumindest bis sie die erste Freundin mit nach Hause bringen. Aber das ist ein anderes Thema.

ratgeber.t-online.de: Menopause: Veränderte Sexualität ab 45 
ratgeber.t-online.de: Helfen Schüssler Salze gegen Wechseljahresbeschwerden?

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