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Noch nie so viele uneheliche Kinder geboren

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Noch nie so viele uneheliche Kinder geboren

12.08.2011, 13:34 Uhr | dapd, dpa

Familie ohne Trauschein liegt im Trend: Die meisten Babys in Deutschland haben zwar Eltern, die (miteinander) verheiratet sind, es werden aber immer weniger. Im Osten sind sie in der Minderheit.

Jedes dritte Baby kommt außerehelich zur Welt

In Deutschland sind noch nie so viele Kinder unehelich zur Welt gekommen wie 2010. Jedes dritte Neugeborene hatte Eltern ohne Trauschein - insgesamt waren das rund 225.000 Jungen und Mädchen. Der Anteil unehelicher Babys an allen Säuglingen hat sich in den vergangenen 20 Jahren damit mehr als verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahr war das Plus allerdings nur noch gering (0,5 Prozentpunkte), wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Es gibt aber nach wie vor erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West.

Gravierende Unterschiede zwischen Ost und West

Mehr als 60 Prozent der Babys in den neuen Bundesländern haben Eltern, die nicht verheiratet sind. In den alten Ländern kam nur gut jedes vierte (27 Prozent) Kind unehelich zur Welt. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen an der Spitze (je 64 Prozent) der seit der Wiedervereinigung geführten Statistik. In Baden-Württemberg sind am wenigsten frisch gebackene Eltern unverheiratet (22,1 Prozent der Neugeborenen).

Deutschland EU-weit im Mittelfeld

In anderen Ländern Europas sind uneheliche Kinder noch normaler: Deutschland liegt in der EU leicht unter dem Durchschnitt von knapp 38 Prozent. Der Anteil unehelich geborener Kinder war 2009 in Estland am höchsten (59 Prozent) und in Griechenland (sieben Prozent) besonders niedrig.

Heirat nach dem ersten Kind

Viele Paare in Deutschland geben sich nach der Geburt des ersten Kindes doch noch irgendwann das Jawort. So kamen 43 Prozent der Erstgeborenen 2010 unehelich zur Welt, bei Geschwisterkindern war der Anteil geringer. Allerdings war auch fast jede vierte Mutter bei der Geburt ihres vierten Kindes ledig. Wie viele unverheiratete Eltern sich doch für den Gang zum Standesamt entscheiden, erfassen die Statistiker nicht.

Es kommen aber mehr Paare mit gemeinsamen Kindern zum Standesamt, um sich trauen zu lassen als früher. Der Anteil dieser Hochzeiten ist zwischen 1991 und 2010 von acht auf 20 Prozent gestiegen. Vor allem seit der Reform des Kindschaftsrechts 1998, mit der die rechtliche Position nichtehelicher Kinder besser wurde, lassen sich Schwangere und ihre Partner mit dem Heiraten Zeit oder verzichten ganz auf den Trauschein.

Der Trend wird sich fortsetzen

In Zukunft werden nach Ansicht der Rostocker Demografin Michaela Kreyenfeld noch mehr Kinder in Deutschland nicht ehelich geboren werden. Sie gehe davon aus, dass in Westdeutschland künftig noch weniger oft geheiratet werde und der Anteil der nicht ehelichen Kinder weiter steigen werde, sagt die Wissenschaftlerin am Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Für Ostdeutschland hingegen erwarte sie, dass bald "ein Plateau erreicht" sei. Auch eine "Trendumkehr" mit künftig leicht sinkenden Zahlen nichtehelich geborener Kinder sei dort möglich.

Die Gründe dafür, dass der Anteil an außerehelichen Geburten in Ostdeutschland sehr viel höher ist als in Westdeutschland, liegen Kreyenfeld zufolge in der ehemaligen DDR-Gesetzgebung, in der häufigeren Erwerbstätigkeit ostdeutscher Frauen sowie in kulturellen Faktoren.

"Da haben viele auf die Heirat vor dem ersten Kind verzichtet."

Die Nichtehelichenquote sei in der DDR sprunghaft angestiegen, als Mitte der 70er Jahre das Babyjahr eingeführt wurde, erklärte die Wissenschaftlerin. Dieses durften unverheiratete Frauen bereits ab dem ersten Kind in Anspruch nehmen, verheiratete erst ab dem zweiten. "Da haben viele auf die Heirat vor dem ersten Kind verzichtet." Die DDR habe schon vor der Wende wegen ihrer ungewöhnlich hohen Quote nicht ehelicher Kinder in Osteuropa hervorgestochen, sagte Kreyenfeld weiter. Heute liegt Ostdeutschland Eurostat-Angaben zufolge noch vor anderen ehemaligen Ostblock-Staaten wie Estland (59 Prozent) und Slowenien (55 Prozent) an der europäischen Spitze.

Ostdeutsche Mütter scheiden seltener aus dem Arbeitsmarkt aus

Ein weiterer wichtiger Faktor dabei ist Kreyenfeld zufolge, dass junge Mütter in Ostdeutschland selten nach der Geburt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden: "Eine Ehe ist besonders relevant, wenn ein Partner nicht erwerbstätig ist." Auch sei in den neuen Bundesländern die kulturelle Akzeptanz unverheirateter Elternschaft besonders hoch, "weil ja oft schon die eigenen Eltern unverheiratet waren." Die meisten jungen Menschen in Deutschland wünschten sich Kinder, doch eine Heirat gehöre vor allem in Ost-, aber auch in Westdeutschland nicht mehr zwangsläufig dazu.

Religion spielt keine Rolle

Einen großen Einfluss der Religion auf den Ost-West-Unterschied sieht sie nicht, auch wenn im Osten die konfessionelle Gebundenheit "frappant niedrig" sei: "Auch im Westen ist der Einfluss der Religion auf das Verhalten nicht mehr so hoch."

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