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Warum Deutschland keine Lust auf Kinder hat

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Warum Deutschland keine Lust auf Kinder hat

18.08.2011, 14:55 Uhr | Spiegel Online

. Das größte Problem bleibt die Kinderbetreuung. (Foto: imago)

Das größte Problem bleibt die Kinderbetreuung. (Foto: imago)

Berlin zahlt Elterngeld und erfindet Vätermonate - trotzdem ist der Effekt nahe null: Deutsche Paare sind kaum zu überzeugen, mehr Kinder zu bekommen. Denn Arbeit und Familie sind in diesem Land nur schwer vereinbar. Wie schaffen andere Länder das?

Verhaltener Optimismus im Familienministerium

Die jüngsten Zahlen waren gar nicht schlecht. 2010 kamen in Deutschland mehr Babys zur Welt als im Jahr davor. Immerhin 678.000 kleine Menschen, ein Plus von 13.000. In manchen Regionen Deutschlands gab es sogar einen kleinen Babyboom. "Erster Geburtenüberschuss in Hamburg seit 1968", titelte das "Hamburger Abendblatt" Mitte Juli. Seit mehr als vier Jahrzehnten kamen in der Hansestadt im vergangenen Jahr wieder mehr Babys auf die Welt, als Menschen starben.

Das Familienministerium in Berlin zeigte sich angesichts solcher Zahlen vorsichtig optimistisch, sprach von neuer Lust auf Familie. Bevölkerungsforscher aber sehen lediglich eine normale Schwankung - und noch keine Trendwende. Nächstes Jahr könne es durchaus wieder ein Minus geben.

So geht das nun seit geraumer Zeit. Ein banges Starren auf die Entwicklung der Zahlen, die - je nach Standpunkt - unterschiedliche Interpretationen zulassen. Und trotz aller neuen Instrumente wie Elterngeld, Vätermonate und Ausbau der Kindertagesbetreuung gibt es keine wirkliche Veränderung. Nun keimen in Berlin neue Ideen, wie man die Geburtenrate mit weiteren Geschenken steigern könnte: Familienministerin Kristina Schröder, selbst gerade Mutter geworden, möchte Frauen den Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause mit einem staatlichen Zuschuss zur Haushaltshilfe erleichtern. Details dazu sollen demnächst vorgestellt werden. "Momentan laufen die parlamentarischen Gespräche", erläutert Sprecherin Charlotte Cary von Buttlar. Wieder geht es dabei um die individuelle Förderung von Eltern mittels Geld - ein gern benutztes Instrument der deutschen Familienpolitik.

Das Hauptproblem bleibt die Betreuungssituation

Damit ändert sich aber nichts am drängendsten Problem: der Betreuung. Zwar haben alle Kinder ab 2013 von ihrem ersten Geburtstag an einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Ob das Ziel jedoch angesichts des schleppenden Ausbautempos vor allem im Westen Deutschlands noch erreicht werden kann, ist zumindest fraglich.

Doch selbst wenn das klappen sollte, bleibt ein weiteres großes Problem: die Öffnungszeiten von Kitas und Horten. Vor 8 Uhr und nach 16 oder spätestens 17 Uhr geht nur in den seltensten Fällen noch etwas. Was also tun als Krankenschwester oder Ärztin mit Früh-, Spät- und Wochenendschichten? Was tun als Verkäuferin im Lebensmittelgeschäft, die um 6 Uhr die Regale auffüllen muss? Was tun, wenn der Chef in der Kommunikationsabteilung mal wieder ein Meeting auf 17 Uhr gelegt hat? Und wer hat schon Oma und Opa in der Nachbarschaft, die regelmäßig einspringen können?

Immer noch müssen sich Mütter in Deutschland rechtfertigen, wenn sie kurz nach der Geburt und womöglich auch noch in Vollzeit wieder arbeiten gehen. So hat sich erst kürzlich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles als "karrieregeil" beschimpfen lassen müssen, wie sie in einem Interview sagte. Sie habe Briefe in rüdem Tonfall bekommen, weil sie eine nur kurze Babypause eingelegt hat.

Wie es in anderen Ländern aussieht

So unterschiedlich sind die Gepflogenheiten weltweit:

  • In den USA ist es vollkommen üblich, dass eine Mutter sechs Wochen nach der Geburt wieder arbeiten geht. Kindermädchen und Kitas mit langen Öffnungszeiten machen es möglich. Und die Geburtenrate ist in Amerika mit 2,07 deutlich höher als hierzulande.
  • Die griechische Regierung hat angesichts der Krise vor allem auch im sozialen Bereich gekürzt. Kitaplätze sind nur noch schwer zu bekommen. Vor allem gutausgebildete junge Menschen tragen sich eher mit dem Gedanken auszuwandern, als ausgerechnet jetzt Kinder zu bekommen.
  • Norwegen bietet Eltern ein Rundum-sorglos-Paket - und die nehmen es auch an. Die Geburtenrate in Oslo hat sich in den vergangen 30 Jahren verdoppelt, 80 Prozent der Frauen sind berufstätig.

Die Zahl der Geburten gilt als einer der wichtigsten Indikatoren für Wohl und Wehe eines Landes - der berühmte demografische Faktor. Ausreichend Kinder sichern den Lebensstandard der älteren Generationen, sie werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht. Werden nicht genug oder zu viele Babys geboren, gerät das Gleichgewicht in Gefahr. Damit verändert sich auch die Gesellschaft: Was wird etwa aus "la Mamma", wenn in Italien so wenige Kinder geboren werden wie sonst nirgendwo in Europa?

In Deutschland ist die Geburtenrate zu niedrig, in Griechenland ist die Lage noch schlimmer. In Pakistan dagegen werden zu viele Kinder geboren, es gibt Familien mit zwölf Sprösslingen und mehr. Manche Staaten versuchen schon seit Jahrzehnten, mit politischen Mitteln die Lebenspläne ihrer Bürger zu steuern - mit Erfolg etwa in Skandinavien. Die USA brauchen keine staatlichen Anreize - sie zahlen weder Kindergeld, noch organisieren sie einen bezahlten Mutterschutz. Die Mittelschicht ist stolz auf ihren Nachwuchs, Kinder zu haben, ist eine Frage des Prestiges.

Geburtsrate pro Frau in ausgewählten Ländern

Land

2011*

2009

2005

2000

Niger

7,60

7,1

7,3

7,5

Uganda

6,69

6,3

6,6

6,8

Pakistan

3,17

3,9

4,2

4,7

USA

2,06

2,1

2,1

2,1

Großbritannien

1,91

2,0

1,8

1,6

Norwegen

1,77

2,0

1,8

1,9

Deutschland

1,41

1,4

1,3

1,4

Italien

1,39

1,4

1,3

1,3

Griechenland

1,38

1,5

1,3

1,3

Hongkong

1,07

1,0

1,0

1,0

Macau

0,92

1,0

0,9

0,9

Quelle: Weltbank
*Geschätzt. Quelle: CIA The World Factbook

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