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Hurrelmann: Frauen verzichten eher auf Kind als auf Job

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Frauen verzichten eher auf ein Kind als auf den Job

04.01.2012, 11:49 Uhr | dapd

Hurrelmann: Frauen verzichten eher auf Kind als auf Job. Kind oder Karriere? Viele junge Frauen verzichten eher aufs Kind. (Quelle: Archiv)

Kind oder Karriere? Viele junge Frauen verzichten eher aufs Kind. (Quelle: Archiv)

Viele junge Frauen verzichten heute eher auf ein Kind als auf ihren Beruf. "Das ist mehr und mehr die Option, die die Frauen heute wählen" sagte der Sozialforscher Klaus Hurrelmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Mit scharfen Worten kritisiert er das seit 2008 geltende Unterhaltsrecht und das ab 2013 geplante Betreuungsgeld.

"Eine ganz üble Konstellation für Frauen"

Hurrelmann sprach von einem politischen Bruch: Die Familienpolitik sei ausgerichtet auf eine Arbeitsteilung Berufstätigkeit - Kinderbetreuung. Scheitere das traditionelle Familienmodell, dann erhalte meist die Mutter die Botschaft: "Selbst schuld, dass Du Dich darauf verlassen hast." Das Unterhaltsrecht schränke die Ansprüche kinderbetreuender Ex-Partner deutlich ein. "Das ist eine ganz üble Konstellation, in der sich Frauen dann befinden", sagte Hurrelmann, der an der Hertie School of Governance lehrt, einer privaten Hochschule in Berlin.

Die Tücken des Unterhaltsrechts

Die Konsequenzen des Unterhaltsrechts zeigten sich erst jetzt, mit Veröffentlichung einschlägiger Gerichtsurteile: Frauen, die der Familie wegen ihre Berufstätigkeit aufgegeben hätten, gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. "Für viele ist das ein echter Schock, weil sie sich gar nicht vorbereiten konnten und nie das Gefühl gehabt haben, dass sie sich darauf vorbereiten müssten", betonte der Wissenschaftler. Die gesamte Familienpolitik der vergangenen Jahre beruhe auf der Grundannahme: Das Kind ist zu Hause am besten aufgehoben, jedenfalls die ersten Lebensjahre.

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"Indirekte Anti-Berufstätigkeits-Politik"

"Die Weichen sind alle so gestellt, dass man als Mutter am besten fährt, wenn man sich heraushält aus der Berufstätigkeit", sagte Hurrelmann und verwies zum Beispiel auf das Ehegatten-Splitting im Steuerrecht. Die Familie werde zum absoluten Zentrum der Versorgung gemacht und erhalte Leistungen wie Kinder- oder Elterngeld, die in anderen Ländern schon längst an öffentliche Einrichtungen gehen würden. "Indirekt ist es eine Anti-Berufstätigkeits-Politik", betonte er. Scheitere dann das Familienmodell, sage die aktuelle Rechtslage: "Es war Deine Verantwortung, dass Du Dich auf darauf eingelassen hast."

Kind oder Karriere? Reine Kosten-Nutzen-Rechnung

Für viele junge Frauen sei die Entscheidung zwischen Kind und Karriere deshalb eine ganz klare Kosten-Nutzen-Abwägung, erklärte der Sozialforscher. Sie bezögen das Risiko ein, dass eine Partnerschaft scheitere, deshalb wollten sie auf die Berufstätigkeit nicht verzichten. "Und wenn ich das nicht verbinden kann mit einem Kind, dann verzichte ich auf das Kind", sagten sie sich. Junge Frauen, das zeigten zahlreiche Studien, wollten eine gute Ausbildung plus Karriere und das mit Familie verbinden. "Eine Nichtvereinbarkeit von Familie und Beruf gefährdet den Kinderwunsch", sagte Hurrelmann.

Bringt Fachkräftemangel die Mütter zurück in den Beruf?

Für ein Umdenken in der Familienpolitik könne möglicherweise der Fachkräftemangel führen, der bei anhaltend guter Konjunktur erwartet werde. "Solche ökonomischen oder arbeitsmarktpolitischen Zwänge wirken ganz stark auf die Familien- und Bildungspolitik zurück", erklärte der Sozialforscher. Frauen könnten in diesem Fall als Arbeitsmarktreserve entdeckt werden.

Hurrelmann fordert "Bürgerrecht auf Berufstätigkeit"

Darüber hinaus sprach sich Hurrelmann für ein Bürgerrecht auf Berufstätigkeit sowohl für Männer als auch für Frauen aus. "In der heutigen Gesellschaft kann man nur gut leben, wenn die wichtigste Sache erfüllt ist, die für die Sicherung der eigenen Existenz notwendig ist, und das ist nun einmal Berufstätigkeit", sagte er. Es sei eine Grundsatzfrage der Lebensführung, dass beide Geschlechter hier die gleichen Rechte hätten.

Kritik am geplanten Betreuungsgeld

Der Sozialforscher kritisiert die für 2013 geplante Einführung des Betreuungsgeldes. Setze die Bundesregierung das Vorhaben tatsächlich um, "dann würde die Regierung Merkel 2 mit dem Hintern einreißen, was die Regierung Merkel 1 mit Ursula von der Leyen aufgebaut hat" sagt Hurrelmann. Von der Leyen hatte sich als Familienministerin 2005 bis 2009 für den Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten eingesetzt. Das von ihrer Nachfolgerin Kristina Schröder geplante Betreuungsgeld soll ab 2013 in Höhe von 100 Euro und ab 2014 von 150 Euro monatlich an Eltern gezahlt werden, die ihre Kleinkinder zu Hause und nicht in einer staatlich geförderten Einrichtung betreuen.

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