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Heide-Rose Brückner: Deutschland nicht kinderfreundlich

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Heide-Rose Brückner: "Deutschland ist kein kinderfreundliches Land"

30.04.2012, 16:52 Uhr | Alexandra Stahl, dpa

Heide-Rose Brückner: Deutschland nicht kinderfreundlich. Reiches Land, hohe Kinderarmut: Auch das ist Deutschland. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Reiches Land, hohe Kinderarmut: Auch das ist Deutschland. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutschland ist aus Sicht der scheidenden Geschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerks, Heide-Rose Brückner, kein kinderfreundliches Land. Die Kinderrechte seien noch nicht voll etabliert, die Kleinen würden als Randgruppe behandelt, kritisiert die 61-Jährige im Gespräch. Brückner, die den Verband nach zwölf Jahren zum 1. Mai verlässt, fordert eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

Was bedeutet es heute für ein Kind, in Deutschland aufzuwachsen?

Brückner: "Wenn man das Leben eines Kindes in Deutschland mit dem eines Kindes in Afrika vergleicht, dann ist das Leben hier natürlich gut, aber man muss dabei die Relationen sehen. Deutschland ist ein sehr reiches Land, hat aber gleichzeitig eine sehr hohe Kinderarmutsquote. Daher gibt es noch eine Menge zu tun. Priorität hat dabei die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz. Da die Hürden hier mit einer Zweidrittelmehrheit im Bundestag und im Bundesrat sehr hoch sind, müssen wir an dieser Stelle ein wirklich dickes Brett bohren."

Wieso ist Ihnen das so wichtig? Was würde sich dadurch ändern?

Brückner: "Das Grundgesetz gibt dem politischen Prozess in Deutschland nicht nur den Rahmen, sondern weist ihm auch seinen Weg. Die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz würde bedeuten, dass der Vorrang des Kindeswohls bei jedem Gesetzgebungsverfahren Beachtung finden müsste. Bei jeder Entscheidung müsste geprüft werden, ob das Kindeswohl betroffen ist und wenn ja, dann müsste zugunsten der Kinder entschieden werden. Das betrifft zum Beispiel die Stadtgestaltung oder den unmittelbaren Lebensraum der Kinder in der Schule oder in der Kommune, also überall dort, wo Kinder betroffen sind."

Was fordern Sie außerdem von der Politik?

Brückner: "Es muss eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung unserer Gesellschaft geben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Überwindung der Kinderarmut. Es gibt in Deutschland 2,7 Millionen Kinder, die arm sind und Ausgrenzung erfahren. Die Regierung tut zu wenig, um das Thema Kinderarmut anzugehen. Generell brauchen wir eine Kinderpolitik, die nicht die Politik für Kinder macht, sondern Politik mit Kindern. Die Möglichkeiten der Kinder, die Gesellschaft mitzugestalten, sind viel zu gering ausgeprägt. Deutschland ist kein kinderfreundliches Land."

Inwieweit?

Brückner: "Es ist vor allen Dingen die Frage, ob ein Kind willkommen ist in dieser Gesellschaft. Wir müssen feststellen, dass Kinder manchmal nicht gern in Gaststätten gesehen werden oder Anwohner sich über den Kinderlärm in Kitas streiten. Ein Problem der Erwachsenen in Deutschland ist, dass sie durch Kinderentwöhnung gar nicht mehr so mit Kindern umgehen können und sie daher wie eine Randgruppe behandeln. Kinder stehen hier nicht im Mittelpunkt. Es wird nicht gesehen, dass ein Kind eine große Kompetenz hat, die es einbringen kann, dass Kinder eigene Interessen haben, die man herauskitzeln muss. Das ist ein Bewusstseinsproblem, das nicht allein mit Politik zu ändern ist, aber die Politik kann einen gewaltigen Schritt dazu leisten."

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