Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie >

Krankenversicherung: Ist das deutsche Gesundheitswesen kinderfeindlich?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ist das deutsche Gesundheitswesen kinderfeindlich?

25.05.2012, 17:22 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Krankenversicherung: Ist das deutsche Gesundheitswesen kinderfeindlich?. Ist das deutsche Gesundheitssystem ein Zwei-Klassen-System, unter dem vor allem Kinder leiden? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ist das deutsche Gesundheitssystem ein Zwei-Klassen-System, unter dem vor allem Kinder leiden? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das deutsche Gesundheitswesen muss kinderfreundlicher werden. Das hat die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth kürzlich gefordert. Sie fürchtet eine Entwicklung hin zu einem Zweiklassensystem. Betrachtet man die nackten Zahlen, könnte die CDU-Politikerin recht haben. Rund 70 Millionen Menschen in Deutschland sind gesetzlich versichert, 30 Millionen privat. Die Diskrepanz zur Einwohnerzahl Deutschlands ergibt sich durch die Zahl der privaten Zusatzversicherungen. Ein Schutz, den man sich leisten können muss. Was Familien bei der Wahl der Krankenversicherung beachten müssen.

Private Zusatzversicherung soll Defizite ausgleichen

Mehr als 20 Millionen gesetzlich Versicherte ergänzen ihre Versicherung oder die ihrer Kinder durch private Leistungen. Vor allem der Besuch beim Heilpraktiker oder ein Recht auf ein Zweibettzimmer und bevorzugte Behandlung im Krankenhaus sind Eltern wichtig. "Diese Branche der privaten Zusatzversicherung boomt aber erst so richtig, seit die gesetzlichen Krankenversicherungen sehr stark bei Brillen und Zahnersatz zurückfahren", meint Stephan Caspary vom Verband der Privaten Krankenversicherung.

Private Krankenversicherungen sind teuer

Die Überlegung, das Kind von Anfang an privat zu versichern, um ihm den bestmöglichen Schutz zu bieten, ist bei vielen Eltern ein Thema. Doch im Gegensatz zur kostenlosen Familienversicherung, wie sie bei der gesetzlichen Krankenkasse üblich ist, muss man bei einer privaten Krankenversicherung teilweise tief in die Tasche greifen. Trotzdem: 1,6 Millionen Kinder sind inzwischen privat versichert, Tendenz steigend. Dabei ist der Versicherungsschutz je nach Vertrag unterschiedlich.

Bausteinsystem: Man bucht, was man zu brauchen glaubt

Möchte man, dass das Kind nicht nur über eine Zusatzversicherung verfügt, sondern voll privat abgesichert ist, dann ist der Leistungsumfang ein maßgeblicher Faktor für die Beitragshöhe. Abgesehen vom seit 2009 vorgeschriebenen gesetzlichen Mindestumfang – Behandlung durch Haus- beziehungsweise Facharzt sowie Behandlung im Krankenhaus – kann jeder dazubuchen, was er selbst für nötig hält. Je jünger man bei Eintritt in die Kasse ist, desto günstiger ist der Beitrag.

Privat versichert zu sein, kann Nachteile haben

Privat versichert zu sein bringt Vorteile. Die Bevorzugung bei der Behandlung gilt als das Hauptargument. Es hat aber auch Nachteile, denn solange man beruflich keinen extremen Statuswechsel nach unten hat, ist es nicht möglich, von der privaten Krankenversicherung zurück zur gesetzlichen zu wechseln. Wird aber zum Beispiel ein Elternteil arbeitslos, dann muss der Privatversicherer denjenigen aus dem Vertrag lassen und ihm so die Möglichkeit geben, sich gesetzlich zu versichern – inklusive der Familienversicherung. Waren allerdings beide Elternteile privat versichert und verdient derjenige, der "übrig" bleibt, mehr als die Versicherungspflichtgrenze, dann müssen die Kinder in der privaten Krankenversicherung bleiben. Finanzielle Rücklagen sind also nicht nur notwendig, um laufende Arzt- oder Krankenhausrechnungen vorzuschießen, sondern auch, um sich vor Überraschungen zu schützen.

Unisextarife sollen Benachteiligung von Mädchen verhindern

Für Kinder unter zwölf Jahren muss man für eine sinnvolle und kindgerechte Grundversorgung in etwa mit 1200 Euro pro Jahr rechnen, danach wird es etwas teurer – je nachdem, ob man einen Jungen oder ein Mädchen versichern möchte. Denn die kosten mehr. "Mädchen verursachen mit der Pubertät ganz andere, teurere Behandlungskosten. Auf diese Unterschiede der Geschlechter reagieren wir im Augenblick noch", erklärt Stephan Caspary. "Ab dem 21.12.2012 gelten aber für alle Versicherungsbranchen Unisextarife."

Die Familienversicherung der Gesetzlichen ist kostenlos

Einen Unisextarif braucht die gesetzliche Krankenversicherung nicht. Denn bei ihr sind Familienangehörige von Mitgliedern, sofern sie kein oder nur ein geringes Einkommen haben, sowieso beitragsfrei mitversichert. "Damit leisten die gesetzlich Versicherten einen erheblichen Solidarbeitrag für Familien mit Kindern", erklärt Susanna Tromm vom Bundesministerium für Gesundheit auf Nachfrage von eltern.t-online.de.

Gesetzliche Kassen zahlen teilweise auch rezeptfreie Medikamente

Über 18 Millionen Menschen waren im Jahr 2011 gesetzlich versichert und kosteten in etwa 22 Milliarden Euro. 245 Millionen davon flossen in Leistungen zur Frühförderung. 151 Millionen Euro zahlten die Kassen für die U-Untersuchungen und elf Millionen kostete der sogenannte Kinder-Zahn-TÜV. Hinzu kommen das Wegfallen der Praxisgebühr bei Kindern und Jugendlichen, Impfungen, spezielle Kuren und die Übernahme von Medikamentenkosten - teilweise auch von solchen, die nicht verschreibungspflichtig sind. "Gerade um die besonderen Belange von Familien zu berücksichtigen, sind nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel für Kinder unter zwölf Jahren sowie Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum 18. Lebensjahr nicht von der Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen." Der Grund: Besonders in den ersten Lebensjahren leiden Kinder häufig unter Erkrankungen, die mit Ohrentropfen, Hustentropfen oder fiebersenkenden Mitteln behandelt werden können – und eben auch behandelt werden sollen.

Im Einzelfall immer nachhaken

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, und besondere Leistungsformen berücksichtigen besondere Bedürfnisse." Eine konkrete Liste, welche Leistungen speziell für Kinder bereitstehen, existiert aber nicht. Ganz einfach schon deswegen nicht, weil sie zu umfangreich wäre. In Anbetracht all der Krankheiten und Sonderfälle, die möglich sind. Es macht aber Sinn, sich im Einzelfall genau zu informieren: zunächst bei der eigenen Krankenkasse, beziehungsweise dem GKV-Spitzenverband, der zentralen Interessensvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland. Wer weiter gehen möchte, kann im Sozialgesetzbuch nachlesen oder beim G-BA nachfragen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss, der den Leistungskatalog für die gesetzlichen Krankenkassen festlegt.

Nicht jede Kasse zahlt das Gleiche

"Leistungsstreichungen sind mir in diesem Zusammenhang nicht bekannt", sagt Florian Lanz vom GKV-Spitzenverband. Im Gegenteil gebe es sogar neu aufgenommene Leistungen für Kinder wie die U7a und die J1. Bei anderen, vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfohlenen Untersuchungen wie U 10, die U 11 oder J 2, nutzen die Kassen ihren Spielraum. Was die eine übernimmt, zahlt die andere noch lange nicht. Hier gilt es, sich gut zu informieren und die Kasse zu wählen, die am besten zur Familie passt.

Bei der Behandlung von Kindern gibt es gravierende Mängel

Kritik am deutschen Gesundheitssystem wird bereits seit einigen Jahren laut. Schon 2009 stellte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen fest, dass vor allem Kinder und alte Menschen in Deutschland oft unnötige oder riskant viele Medikamente erhalten. Zwar schneide die allgemeine medizinische Versorgungssituation in Deutschland im internationalen Vergleich nicht schlecht ab. Bei der Behandlung von Kindern gebe es aber durchaus Mängel. Nicht nur die Programme zur Gesundheitsförderung wiesen "gravierende Defizite" auf. Auch Antibiotika würden zu häufig eingesetzt, Psychostimulanzien zu Unrecht verordnet. Hinzu komme eine zulassungsüberschreitende Anwendung, ein sogenannter Off-Label-Use bei etwa einem Sechstel der ambulant angewandten Arzneimittel. Im stationären Bereich liege der Anteil sogar bei bis zu 90 Prozent. Das bedeutet, dass diese Medikamente gar nicht für die entsprechende Altersgruppe untersucht und zugelassen worden sind.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Handbremse vergessen 
Eigentlich wollte er nur das wegrollende Auto stoppen

Doch dann macht er einen fatalen Fehler und es kommt noch dicker. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Multimedia-Sale: Technik- artikel stark reduziert

Jetzt zuschlagen: Fernseher, Notebooks, Beamer, Navis u. v. m. zu Toppreisen. bei OTTO

Shopping
Voll im Trend und garantiert keine kalten Füße mehr

Kuschelige weich und warm gefüttert, Boots für gemütliche Tage zuhause. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal