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Nutella, Mett und Fußball: Vatersein im "Papa-Laden"

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Nutella, Mett und Fußball: Vatersein im "Papa-Laden"

15.05.2012, 10:15 Uhr | dpa, dpa

Nutella, Mett und Fußball: Vatersein im "Papa-Laden". Christoph Demmke und Söhnchen Tammo an der Carrera-Bahn im Berliner "Papa-Laden". (Quelle: dpa)

Christoph Demmke und Söhnchen Tammo an der Carrera-Bahn im Berliner "Papa-Laden". (Quelle: dpa)

Bundesliga hören, Mettbrötchen essen, mit den Kindern spielen und sich mit anderen Vätern austauschen - im "Papa-Laden" ist jeder Tag ein Vatertag. Und das Berliner Väterzentrum ist keineswegs ein Verwahrungsort für Softies, sondern beliebter Treffpunkt für selbstbewusste Daddys. Und auch die Mütter sind herzlich willkommen.


Babys, Kinder und junge Mütter sind im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg allgegenwärtig: Sie treffen sich in Mama-Cafés, auf dem Spielplatz oder beim Mutter-Kind-Turnen. Und was machen die Väter? Die können sich im "Papa-Laden" austauschen - ein Angebot vom Väterzentrum Berlin. Beim Brunch etwa spielen sie mit ihrem Nachwuchs und reden mit anderen Vätern. Sie können sich im Väterzentrum auch Rechtsberatung holen, Turnkurse mit den Kleinen belegen, sich über Elternzeit und richtige Ernährung informieren oder Papa-Kind-Reisen planen. Eine Anlaufstelle für Männer und Väter eben.

Eine, die laut Geschäftsführer Eberhard Schäfer dringend nötig ist. "Bei fast allem, wo Familie draufsteht, sind Väter nicht mit drin." Das soll im Väterzentrum anders sein. Die Beziehung zwischen Vätern und ihren Kindern steht im Mittelpunkt. Dass die Rolle des Vaters genauso wichtig ist wie die der Mutter, ist hier gesetzt.

Familienbrunch mit Vätern

Tischkicker und Rennbahn mitten im Raum, Turnmatte und bunte Lego-Steine auf dem Boden: Wo sich eine Horde kleiner Kinder tummelt, sitzen auf Bänken und Sofas drum herum ein Dutzend Männer, die sich beim Marmelade-Brötchen unterhalten oder entspannt Zeitung lesen. So sieht es fast jeden Samstag im "Papa-Laden" im Prenzlauer Berg aus, wenn das Berliner Väterzentrum zum Familien-Brunch lädt.

Robert Ohm ist zum ersten Mal dabei, gemeinsam mit seiner 13 Monate alten Tochter Johanna. Die Kleine tummelt sich mit den anderen Kindern, während Ohm die Zeit zum Austausch nutzt. Das Väterzentrum versteht er als Beitrag zur Gleichberechtigung. Ohm lebt getrennt von Johannas Mutter und sagt, er habe inzwischen ein gutes Verhältnis zu ihr. Beim Väterzentrum hat er sich nach der Trennung Rat geholt. "Wir werden diskriminiert, weil wir von vorneherein nicht die gleichen Rechte wie Mütter haben", sagt der 37-jährige Baubiologe.


"Hier hören wir auch mal Bundesliga"

Der Austausch reizt auch Christoph Demmke. Seit drei Jahren geht er regelmäßig ins Väterzentrum. Dabei: Tom (4) und Tammo (2). "Meine Frau ist froh, wenn sie mich hier abstellen kann", sagt der Professor für Verwaltungswissenschaften und lacht. Dem 47-Jährigen gefällt es, sich mit anderen Vätern auch mal über Fußball zu unterhalten. Denn in Mama- und Kindercafés seien Männer in der Minderheit. "Und hier hören wir auch mal Bundesliga", sagt Demmke in seinem BVB-Fanshirt.

Für Demmke ist es normal, ins Väterzentrum zu kommen. Doch er kennt auch Väter, die das nie tun würden. Manche dächten in Klischees wie "Das ist doch was für Softies". Andere hätten Angst, in eine psychosoziale Ecke gestellt zu werden. Und viele würde einfach lieber ihr eigenes Ding machen, statt sich mit anderen Vätern zu treffen.

Anlaufstelle nach Trennungen

Für Mitarbeiter Marc Schulte ist das Väterzentrum daher ein Ort, der dieses männliche Selbstverständnis aufweichen soll. Die heutige Väter-Generation habe die Chance, ihre Vaterrolle voll zu nutzen. Dabei herrsche jedoch Verunsicherung, so der Sozialpädagoge.

Vor allem nach Trennungen bräuchten viele Väter eine Anlaufstelle. Zusammen mit Anwälten, Sozialarbeitern oder Therapeuten hilft das 2007 ins Leben gerufene Väterzentrum hier. "Es ist total wichtig, dass es einen Ort für Männer gibt, wo sie wissen, ihnen wird zugehört", sagt Schulte. Dabei betont er, dass sich der Verein nicht als Vaterrechtsorganisation begreift, sondern ein Angebot der Familienbildung ist. Es gehe nicht darum, die Rechte der Väter bedingungslos durchzuboxen, sondern ihnen zu zeigen, welche sie überhaupt hätten - und welche Verantwortung damit auch einhergehe.


Auch die Mamas dürfen rein

Tatsächlich ist der "Papa-Laden" eine Anlaufstelle für die ganze Familie: Auch Mütter sind willkommen. Das gefällt Katherina Flaig, die Papa Franz heute "vertritt" und mit der kleinen Anni gekommen ist. "Ich glaube, dass die Hemmschwelle für Väter gering ist, hier alleine mit dem Kind herzukommen", sagt die 29-Jährige. Ihr gefällt, dass im "Papa-Laden" alles ein wenig wilder zugehe, als in so manchen Frauenrunden in Mama-Cafés, wo das Kinderkriegen als regelrechte Wissenschaft verstanden werde.

Das hat Mitarbeiter Schulte schon öfter gehört. Manche Väter - und mehr noch deren Kinder - seien richtig froh, dass es beim Familienbrunch sogar das bei vielen Müttern als ungesund verpönte Nutella gebe. Prompt schaltet sich ein anderer Vater ein: "Und hier gibt es sogar Mett!"


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