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"37 Grad": Sorgerechtsstreit endet mit Kindesentführung

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"37 Grad": Sorgerechtsstreit eskaliert in Kindesentführung

04.10.2012, 13:18 Uhr | tze, t-online.de

"37 Grad": Sorgerechtsstreit endet mit Kindesentführung. Franziskas Vater Karsten schaut sich mit einem privaten Ermittler erste Ergebnisse an. (Quelle: ZDF)

Franziskas Vater Karsten schaut sich mit einem privaten Ermittler erste Ergebnisse an. (Quelle: ZDF)

Ein Vater hat sich das Sorgerecht für sein Kind vor Gericht erstritten - doch dann wird das elfjährige Mädchen von der Mutter entführt. Nun sind die beiden schon seit fünf Jahren wie vom Erdboden verschwunden und der Vater verzweifelt an der Suche nach seinem Kind. Welchen dramatischen Verlauf ein Sorgerechtsstreit nehmen kann, schilderte der TV-Beitrag "Wo ist Franziska" aus der ZDF-Reihe "37 Grad".

"Extremes Gefühl von Hilflosigkeit"

Karsten aus Potsdam, der verlassene Familienvater, kämpft mit den Tränen, als er mit dem Kamerateam vor dem ehemaligen Haus der Familie steht. "Ein extremes Gefühl von Hilflosigkeit" blieb zurück, als er eines Tages das Haus leer vorfand und die Frau mit der gemeinsamen Tochter verschwunden war. Das Paar hatte jung geheiratet, er war 23, sie erst 19. Schon kurz nach Franziskas Geburt kriselte die Ehe, die nach zunehmenden Streitigkeiten über Erziehungsfragen endgültig in die Brüche ging.

Es begann ein Sorgerechtsstreit vor Gericht. In erster Instanz bekam die Mutter das Sorgerecht für die damals siebenjährige Franziska zugesprochen, doch der Vater ließ nicht locker und hatte in zweiter Instanz Erfolg: Das Kind sollte bei ihm leben. Der Streit zwischen den Ex-Partnern schwelte in den folgenden Jahren weiter. Nachdem die Mutter vergeblich Berufung eingelegt hatte, tauchte sie mit der mittlerweile elfjährigen Tochter unter. Karsten bleibt nur eine Email von Franziska, liebevoll verfasst und mit Smilleys bestückt.

Vater schaltet Privatdetektive ein

Die Polizei fahndete jahrelang ohne Erfolg nach den Verschwundenen, auch Karstens eigene Recherchen im Internet bringen ihn nicht auf die Spur der Tochter. Neue Hoffnung keimt auf, als er Franziska zufällig in einem Dokumentarfilm über Jugendämter entdeckt. Daraufhin beauftragt Karsten Privatdetektive mit der Suche nach seinem verschollenen Kind.

"Mir geht es vordergründig darum zu wissen, wie es Franziska geht. Ich bin kein Rächer. Mir geht es um ihre Zukunft", betont Karsten. Fünf Jahre ohne ein Lebenszeichen von seinem einzigen Kind haben den Mittvierziger zermürbt. Der ständige Gedanke an Franziska und die Trauer über den Kindesentzug überschattet auch seine neue Beziehung.

"Ich will ihr sagen, dass ich als Papa für sie da bin"

Die privaten Ermittler klappern Freunde und Verwandte der Ex-Frau ab und stoßen auf eine Spur ins Rheinland. Sie präsentieren Karsten unscharfe Videoaufnahmen, die ein etwa 16-jähriges Mädchen mit halblangen blonden Haaren zeigen. Karsten stockt der Atem, er ist sicher, seine Tochter erkannt zu haben. Auf der Fahrt zu Franziskas vermeintlichen Aufenthaltsort ist er nervös und aufgewühlt. "Ich will ihr sagen, dass ich als Papa für sie da bin."

Karstens Hoffnung zerplatzt, bei einer Begegnung im Linienbus stellt er fest, dass das blonde Mädchen eine Fremde ist. "Sie hat eine andere Augenfarbe und einen anderen Gang."

Ein überraschendes Lebenszeichen von der Tochter und der Ex-Frau

Unterdessen hat die Ex-Frau von Karstens Suchbemühungen erfahren und lässt über eine ihr bekannte Journalistin ausrichten, dass sie und Franziska zu einem Interview bereit seien - vorausgesetzt, sie blieben dabei unerkannt. Und dann erzählen Mutter und Tochter ihre Version der Geschichte. Deutlich wird, dass es bei Trennungskonflikten und Sorgerechtsstreit neben verletzten Gefühlen immer zwei subjektive Wahrheiten gibt, über die kein Gericht zu urteilen vermag.

Franziska behauptet: "Ich wollte weg"

"Also, ich wollte weg von meinem Vater, weil wir uns immer gestritten haben", sagt Franziska, durch eine Perücke unkenntlich gemacht, vor laufender Kamera. Sie sei eines Tages von der Schule zu den Großeltern geflüchtet und habe die Mutter gebeten, sie von dort abzuholen. "Wir wollten rauskommen aus diesem ganzen Desaster. Ich wusste, dass er weiter über das Jugendamt Druck ausüben wollte, um mir den Umgang zu verbieten", so erklärt die Ex-Frau ihre Beweggründe.

Sie schildert, wie sie mit der Tochter zunächst bei Freunden Unterschlupf suchte und sich schließlich schlau gemacht habe "wie man untertaucht". Das bedeutet, nirgendwo mit dem echten Namen registriert sein, kein Auto und kein Telefon anzumelden, sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Trotzdem sei es gelungen, Franziska regulär in der Schule anzumelden. Sie haben sich inzwischen ein neues Leben unter falschen Namen aufgebaut.

Die Tochter entfremdet sich vom Vater

Das permanente Versteckspiel belastet das Mädchen und verstärkt die Entfremdung vom Vater: "Ich hatte Angst, dass mich jemand mitnimmt, dass ich meine Mama nicht mehr sehe und in ein Heim komme. Oder dass ich zu meinem Vater zurück muss. Und das will ich nicht," sagt Franziska. "Ich will keinen Kontakt. Für mich ist er wie ein Fremder."

Karstens Ex-Frau zeigt Verständnis für die Bedürfnisse des Vaters, verweigert jedoch ebenfalls die Kontaktaufnahme. "Ich verstehe schon, dass er wissen will, wie es seiner Tochter geht. Aber wir haben jetzt ein neues Leben." Sie fürchte, von ihrem Ex-Mann immer wieder angezeigt und unter Druck gesetzt zu werden.

Sorgerechtsprozess gewonnen - trotzdem das Kind verloren

Karsten schaut sich wieder und wieder die Aufnahme des Interviews an. Er räumt ein: Ich habe sicherlich in der Vergangenheit auch Fehler gemacht." Nur langsam begreift er, dass er damals den Prozess gewonnen hat, nicht aber das Herz seiner Tochter. Eine schmerzhafte Erkenntnis. Trost bietet die Gewissheit, dass es dem Mädchen gut geht. Was bleibt ist die Hoffnung, dass Franziska sich später doch einmal bei ihm melden wird.

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