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Ifo-Studie: Kindergeld und geförderte Kinderbetreuung

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Kindergeld vs. geförderte Kinderbetreuung  

Studie: Bessere Kinderbetreuung ist sinnvoller als mehr Kindergeld

30.04.2013, 15:15 Uhr | AFP, t-online.de

Ifo-Studie: Kindergeld und geförderte Kinderbetreuung. Kinderbetreuung: Ein besseres Betreuungsangebot verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und steigert die Geburtenrate. (Quelle: dpa)

Ein besseres Kinderbetreuungsangebot verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und steigert die Geburtenrate. (Quelle: dpa)

Geldleistungen wie das Kindergeld wirken sich negativ auf die Berufstätigkeit von Müttern aus und verbessern kaum die finanzielle Situation von Familien. Dagegen verbessert die öffentlich geförderte Kinderbetreuung nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern lässt sogar die Geburtenrate steigen. Dies ergab eine Studie des Münchner Ifo-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Finanzen.

Mehr Kindergeld, geringere Arbeitsbereitschaft

Die Kindergeld-Studie ergab, dass Mütter mit Partnern weniger arbeiten, beziehungsweise Vollzeitstellen auf Teilzeit reduzieren, wenn das Kindergeld erhöht wird. Das gilt vor allem in Haushalten mit niedrigem Einkommen. Die wirtschaftliche Situation von Familien verändert sich trotz einer Erhöhung des Kindergelds insgesamt nicht wesentlich, da die Kindergelderhöhung durch das dann niedrigere Arbeitseinkommen der Mütter wieder ausgeglichen wird.

Öffentlich geförderte Kinderbetreuung zeigt positive Effekte

Im Gegensatz dazu belegt die Studie, dass sich öffentlich geförderte Kinderbetreuung positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die wirtschaftliche Stabilität von Familien auswirkt. Zum Beispiel besteht bei Müttern, die ihr jüngstes Kind unter drei Jahren betreuen lassen, eine etwa 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, erwerbstätig zu sein und dadurch circa 570 Euro brutto mehr im Monat zu verdienen. "Ohne ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten hingegen haben viele Mütter große Probleme, auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren - viele wollen, können aber nicht", erklärt Familienökonom Helmut Rainer, Leiter des Ifo-Forschungsbereichs Sozialpolitik und Arbeitsmärkte.

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Je besser das Betreuungsangebot, desto mehr Geburten

Angesichts der chronisch niedrigen Geburtenrate in Deutschland lässt ein weiteres Ergebnis der Studie aufhorchen: Die Ifo-Experten konnten nachweisen, dass der Ausbau der Krippenplätze die Geburtenrate in den Folgejahren um etwa drei Prozent ansteigen ließ.

Um den Zusammenhang zwischen dem öffentlich geförderten Betreuungsangebot und der Geburtenzahl zu analysieren, betrachteten die Forscher Daten aus den Jahren 2002, 2006, 2007 und 2008 in den westdeutschen Landkreisen. Dort wurden die Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren in diesem Zeitraum am stärksten ausgebaut, während die neuen Bundesländer schon lange eine deutlich höhere Betreuungsquote hatten.

In den ausgewählten Landkreisen stieg die durchschnittliche Betreuungsquote zwischen 2002 und 2008 von 2,3 auf 11,8 Prozent. "Es zeigt sich, dass ein Anstieg der Betreuungsquoten um zehn Prozentpunkte im Folgejahr zu einem Plus von 1,05 Geburten pro 1000 Frauen führt. Zwei Jahre später erhöht sich dieser Effekt nochmal auf 1,49 Kinder", schreiben die Studienautoren. Die entspreche einem prozentualen Anstieg der Geburtenzahlen um etwa 2,4 Prozent im ersten und rund 3,5 Prozent im zweiten Jahr.

Kindergeld ist kein Anreiz für die Familiengründung

Im Gegensatz dazu wirkt sich die Erhöhung des Kindergeldes nicht eindeutig auf die Geburtenrate aus. "Bei der Entscheidung, Kinder zu bekommen, spielen für junge Paare rein monetäre familienbezogene Leistungen keine nennenswerte Rolle", kommentiert Rainer, "vielmehr legen sie bei der Familiengründung größeren Wert auf das Angebot an Betreuungsplätzen und damit auf die Aussicht, Familie und Beruf vereinbaren zu können."

Weltweit gilt Deutschland mit statistisch 1,39 Kindern pro Frau als "Niedrig-Fertilitätsland". Dass die Deutschen immer weniger Kinder bekommen, wird unter anderen auf die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurückgeführt.

Kindergeld kostet Staat viel Geld und macht Familien nicht reicher

Die Ergebnisse zu den Auswirkungen der öffentlich geförderten Kinderbetreuung zeigten auch, dass sich diese größtenteils von selbst finanziert. Der Staat nimmt durch die erhöhte Erwerbstätigkeit der Mütter mehr Geld durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ein und kann damit die direkten Kosten der Kinderbetreuungssubventionen zu einem beträchtlichen Teil decken. Durch die Erhöhung von reinen Geldleistungen wie dem Kindergeld entstehen dagegen zusätzliche indirekte Kosten auf Seiten des Staates: Die verringerte Arbeitszeit von Müttern verringert auch die staatlichen Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge. Schätzungen zufolge liegt die Höhe dieser zusätzlichen indirekten Kosten in etwa auf dem gleichen Niveau wie die direkten Kosten einer Kindergelderhöhung.

Rainer schränkt jedoch ein: "Eine Gesamtbeurteilung der familienpolitischen Leistungen Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge und Kinderbetreuung muss unbedingt auch weitere Aspekte wie deren Auswirkungen auf das Wohlergehen der Kinder einbeziehen." Dazu gehört beispielsweise, dass Mütter, die weniger arbeiten, mehr Zeit mit den Kindern verbringen können.

Studie basiert auf Kindergelderhöhung von 1996

Für die Studie wurden die Effekte von Kindergeld und Kinderfreibeträgen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Teilhabe von Familien sowie auf die Geburtenrate beziehungsweise die Erfüllung von Kinderwünschen untersucht. Um die Auswirkungen der Geldleistungen sauber identifizieren zu können, konzentrierten sich die Ifo-Forscher auf die Erhöhung des Kindergeldes im Jahr 1996 auf 184 Euro für das erste und zweite Kind. Auch wenn die Ergebnisse dadurch nicht eins zu eins auf heute übertragbar seien, lassen sich nach Auffassung des Ifo-Instituts doch klare Tendenzen aufzeigen, wie sich Kindergeldzahlungen auf die Situation von Familien auswirken.

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