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Günther Jauch: ARD-Talkrunde zum Familienmodell ohne Impulse

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Manuela Schwesig: "Befristete Beschäftigung wirkt stärker als die Pille"

03.06.2013, 09:37 Uhr | Tanja Zech, t-online.de

Günther Jauch: ARD-Talkrunde zum Familienmodell ohne Impulse. Günther Jauch auf der Suche nach dem Familienmodell der Gegenwart.  (Quelle: dpa)

Günther Jauch auf der Suche nach dem Familienmodell der Gegenwart. (Quelle: dpa)

Deutschland sucht nach einem neuen Muttermodell, doch zwischen dem Heimchen am Herd und der Rabenmutter ist keine Identifikationsfigur in Sicht. Auch nicht bei Günther Jauchs gestriger ARD-Talkrunde zum Thema "Auslaufmodell Hausfrau - wie funktioniert Familie heute?" Der Moderator räumte ein: "Man muss zugeben, dass sich hier ein privilegierter Kreis über das Thema unterhält." Und das war einer der Schwachpunkte der Sendung.

Zu Gast waren auf der einen Seite zwei Vertreter der klassischen Rollenverteilung: Elisabeth Müller, Vorsitzende des Verbands kinderreicher Familien Deutschland, und der Jurist und vierfache Vater Johannes Kippenberg. Auf der anderen Seite drei berufstätige Mütter um die 40: Sterneköchin Cornelia Poletto und Moderatorin Yvonne Willicks sowie Manuela Schwesig, Arbeitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern und sogenannte Hoffnungsträgerin im Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Der Talk-Abend bescherte jedoch wenig Spannungsmomente, da er kaum als Debatte taugte, sondern sich in einer Aufreihung bekannter Standpunkte erschöpfte.

Der fromme Wunsch von Kardinal Joachim Meisner 

Dass Frauen "zuhause bleiben und drei, vier Kinder auf die Welt bringen", ist ein frommer Wunsch des Kölner Kardinals Meisner, der kürzlich in einem Interview mit seinen Ansichten zur Familienpolitik aneckte, die Jauch eingangs zitierte. Die Realität sieht anders aus: 60 Prozent der Mütter in Deutschland sind erwerbstätig und die Geburtenquote mit 1,39 eine der niedrigsten in Europa. Als Gründe werden die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch selbst auferlegter Erfolgsdruck der Mütter ins Feld geführt. Soll ich Kinder bekommen, wenn ja wann, und kann ich mir das überhaupt leisten - das sind die Kernfragen, die Frauen heute beschäftigen.

Kind und Karriere - alles "eine Frage des Willens"

Zwar nicht mühelos, aber souverän scheint die Hamburger Restaurantchefin und alleinerziehende Mutter Cornelia Poletto diese Herausforderungen zu meistern. "Das ist alles eine Frage des Willens und eine Frage der Organisation", lautet ihre Überzeugung. Ihre Tochter habe in einer Babyhängematte in der Großküche geschaukelt - ein Privileg der erfolgreich Selbständigen. Wunschberuf und Familie möglich machen, diesen Vorsatz hegt sie auch als Chefin von zwölf Mitarbeiterinnen, aber noch sind alle kinderlos.

Alleinverdiener und Vollzeitmutter - ein Luxusmodell?

Das Privileg des gesicherten Einkommens ermöglicht wiederum das traditionelle Familienmodell der Familie Kippenberger. Der 52-Jährige arbeitet als Rechtsanwalt und seine Frau hat ihren Beruf aufgegeben, um die vier Kinder groß zu ziehen. "Darin waren wir uns einig." Seine Überzeugung: Kinder sind bei der Mutter am besten aufgehoben. Von Ganztagsschulen hält er nichts, dann bleibe den Kindern zu wenig Energie und Zeit für Hobbies. "Der Tölzer Kinderchor könnte dann zumachen."

Schwanger während der Lehre - aus Verzweiflung abgetrieben

Ein Luxusproblem für die jungen Frauen, die verzweifelt bei der Schwangerenkonfliktberatung Berlin Rat suchen. Eine kommt anonymisiert in einem Videobeitrag zu Wort. Weil sie während der Ausbildung schwanger wurde, hat sie abgetrieben. Ohne abgeschlossene Ausbildung und Gehalt sah sie keine Perspektive für sich und das Baby. "Ich beneide die Frauen, die nur Hausfrau und Mutter sein können," sagt sie.

Schwesig: "Frauen brauchen Wahlfreiheit"

Für die SPD-Ministerin Manuela Schwesig ist die Gemengelage von unsicheren Arbeitsverhältnissen, schlechter Bezahlung und Mangel an Betreuungsplätzen der Grund dafür, dass viele Paare keine Kinder oder zumindest kein zweites bekommen wollen. "Befristete Beschäftigung wirkt stärker als die Pille". Ihr Schlagwort lautete "Wahlfreiheit". In einer idealen Gesellschaft müssten Frauen frei entscheiden können, ob sie mit den Kindern zuhause bleiben oder sich Familie und Beruf widmen. Jedes Lebensmodell muss von der Politik unterstützt und von der Gesellschaft anerkannt werden", forderte sie. Dazu gehöre der Ausbau von Ganztagsbetreuung und mehr Flexibilität der Arbeitgeber.

Schwesig hatte mit Abstand den größten Redeanteil in der Runde und für einen Moment wurde es wahlkampfpolitisch, als Jauch nachhakte, wie sich die "Ökonomisierung der Familie" mit "vollzeitnah arbeitenden Müttern" mit Schwesigs sozialdemokratischem Weltbild vereinbaren lasse. Die Ministerin kontert, dass Minijobs und Teilzeitjobs nicht immer reichten, um eine Familie finanziell über die Runden zu bringen.

Nicht zu vergessen: Frauen der heutigen Generation sind gut ausgebildet und wollen sich in ihren Berufen engagieren.

Mütter klagen über mangelnde Anerkennung

Anerkennung und Wertschätzung für Mütter und Familien vermissen auch Yvonne Willicks, Moderatorin und Mutter von drei Kindern, Elisabeth Müller, Vorsitzende des Verbands kinderreicher Familien Deutschland. Sie hat sechs Kinder, für die Familie auf ihre Karriere verzichtet und eine Rentenerwartung von nur 200 Euro. Im Sozialsystem spiele die gesellschaftliche Leistung von Müttern keine Rolle. Sie beklagt "strukturelle Benachteiligungen" für kinderreiche Familien. Steuerlast, Auto, Wohnraum, Heizkosten - der Alltag sei enorm teuer. "Wir kinderreichen Familien müssen auf die Barrikaden gehen".

"Mehrkindpolitik als zweite Säule" der Familienförderung

Schön und gut, dass in den letzten Jahren viel getan worden ist, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, aber "wie bekommen wir es hin, dass Frauen auch ein drittes Kind bekommen können?" Müller fordert: "Wir müssen die Mehrkindpolitik als zweite Säule entdecken".

Sind den Deutschen Kinder zu teuer?

An dieser Stelle kommt Jauch auf die Kostenfrage zurück und zitiert eine Berechnung des Bundesamtes für Statistik, wonach ein Kind seine Eltern bis zum 18. Lebensjahr 120.000 Euro kostet. Wer traue sich da noch, drei oder vier Kinder zu bekommen?

Muss der Staat also neben Kindergeld, Elterngeld und Co. noch mehr finanzielle Unterstützung für Familien bieten? Eine aktuelle Studie des Bundesfamilienministeriums dazu fiel ernüchternd aus: Es gibt es insgesamt 156 familienpolitische Leistungen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro pro Jahr - und trotzdem bekommen Bürger in Deutschland nicht mehr Kinder.

So wie die vielen Familienleistungen nahezu ohne Effekt verpuffen, so verpufften auch die Statements dieser Talkrunde ohne neuen Impuls.

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