Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Familie >

Zahl der obdachlosen Familien steigt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Plötzlich ohne Wohnung  

Zahl der obdachlosen Familien steigt

07.10.2013, 16:23 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Zahl der obdachlosen Familien steigt. Die Zahl der obdachlosen Familien steigt - Kinder leiden am meisten unter der Situation. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahl der obdachlosen Familien steigt - Kinder leiden am meisten unter der Situation. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In Deutschland durch das soziale Netz zu fallen, ist nicht ganz einfach. Aber es ist durchaus möglich und es passiert auch mit Kindern immer häufiger. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe beklagt in diesem Zusammenhang, dass die Zahl der Menschen ohne Wohnung stetig ansteigt, die Grenze zur Obdachlosigkeit auch bei Familien immer schneller überschritten wird. Allein 2012 standen rund 284.000 Menschen auf der Straße. Elf Prozent waren davon Kinder und Jugendliche.

Wohnungslosigkeit oft eine Verkettung unglücklicher Umstände

Irgendwie glaubt man immer, in Deutschland könne das nicht passieren. Schon gar nicht mit Kindern. Und es stimmt auch: In den seltensten Fällen wird man von heute auf morgen wohnungslos. Oft aber ist es eine ganz unglückliche Verkettung von Umständen, die dazu führt, dass Menschen plötzlich ohne eigenes Zuhause dasitzen. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge, Beziehungsprobleme, oft ein Mix aus allem, können einen komplett aus der Bahn werfen. Wenn dann aufgrund von vorher nur geringen Verdiensten keine Rücklagen gebildet werden konnten, dann kommt es zu gewaltigen Engpässen. Und im schlimmsten Fall zur Zwangsräumung.

Zahlungsprobleme frühzeitig ansprechen

Doch so manche wohnungslose Familie wäre nie in die Situation gekommen, wenn das Problem früh genug angesprochen worden wäre, da ist sich die Nürnberger Hausverwalterin Sabine Scharrer sicher: "Ich kann natürlich verstehen, dass man sich schämt. Aber Vermieter sind doch auch keine Unmenschen. Wenn einer unserer Mieter früh genug das Gespräch sucht, uns die Situation erklärt, dann findet sich auch eine für beide Seiten verträgliche Lösung. Jeder kann mal in eine schwierige Situation geraten. Wenn man aber, wie ich es leider schon oft und auch bei Eltern beobachten musste, einfach dicht macht, die Miete nicht mehr zahlt, Briefe nicht beantwortet und bei Anrufen gleich wieder auflegt, dann erntet man auf der anderen Seite auch wenig Verständnis." Wenn es sein muss, wird eben per Räumungsklage durchgegriffen.

Kleines Wunder 
Kurzfilm aus Thailand erweicht das Herz

Das rührende Video ist schon jetzt ein Internet-Hit. Video

Einsamkeit am Rand der Gesellschaft

Hat man erst einmal ein "gescheitertes Mietverhältnis", wie es im Amtsdeutsch heißt, hinter sich, dann wird es schwierig, auf dem Wohnungsmarkt erneut unterzukommen. War man einmal obdachlos, sind die Zweifel, ob jemand seinen mit dem Mieten einer Wohnung verbundenen Pflichten nachkommen wird, bei potenziellen Vermietern natürlich groß. Hinzu kommt auf der anderen Seite der häufig stattfindende soziale Rückzug, Resignation, Apathie und oft auch eine abwehrende Haltung gegenüber Hilfsangeboten und Behörden. 

Eine Schuldnerberatung allein genügt nicht

Dabei gewinnen die Maßnahmen zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit gerade in Bezug auf Familien mit Kindern immer mehr an Bedeutung. Bisweilen springen sogar die Sozialämter mit Beihilfen oder Darlehen ein, um vor der Obdachlosigkeit zu schützen. Die Qualität des örtlichen Hilfssystems ist hier maßgebend, denn "die Verhinderung von Wohnungslosigkeit ist die beste Hilfe", erklärt Werena Rosenke von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe e.V. (BAG-W). Dazu gibt es vielerorts entsprechende Fachstellen - inklusive der meist notwendigen Schuldnerberatung. Doch ein Großteil der betroffenen Menschen bleibt unerreicht oder bräuchte aufgrund der Schwere der Probleme zusätzliche Hilfe.

Die Kommunen sind auf sich gestellt

"Falls der Wohnungsverlust nicht verhindert werden konnte, muss es darum gehen, die Betroffenen so schnell wie möglich wieder in eigenen Wohnraum zu vermitteln. Die Situation ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Es gibt Regionen und Kommunen, die da sehr gut aufgestellt sind, in anderen ist die Infrastruktur eher lückenhaft. Insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, aber auch in eher ländlich geprägten Regionen." In einem Positionspapier beklagt die BAG-W, dass nicht alle Städte und Gemeinden ihren Verpflichtungen zur ordnungsrechtlichen Unterbringung nachkommen, keine Angebote vorhalten oder diese nicht der Menschenwürde gerecht werden. Gefordert werden in diesem Zusammenhang Mindeststandards, wie zum Beispiel die Sicherstellung von beratenden Angeboten und weiterführenden Hilfen.

Eine Schlichtwohnung bietet Schutz

Viele Familien kommen, wenn sie ihre Wohnung verlieren, zunächst einmal bei Freunden oder Verwandten unter. Solange das so ist, sind sie in den Augen der Ordnungsbehörden auch nicht obdachlos und werden somit von der Statistik nicht erfasst. Doch je mehr Kinder eine Familie hat, umso eher muss eine Lösung gefunden werden. Obdachlose  haben einen Anspruch auf Unterbringung. Und zwar nicht nur zum Schutz vor Witterung, sondern auch als geschütztem Raum

Selbst, wenn es keine bundesweit einheitliche Regelung gibt: Es ist Aufgabe der Kommunen, diesen Raum zur Verfügung zu stellen. Also versucht man, auf spezielle Obdachlosenheime für Familien oder sogenannte Schlichtwohnungen zurückzugreifen. "Diese sind sehr einfach gehalten, klein und oft nur mit minimalen sanitären Anlagen ausgestattet", weiß Werena Rosenke.

Bedürfnisse der Kinder geraten manchmal in den Hintergrund

Normalerweise wird es vermieden, obdachlose Familien mit anderen Wohnungslosen einzuquartieren. Manchmal aber muss man auf einfache Pensionen oder Billighotels ausweichen. "Die meisten Kommunen werden aber versuchen - wegen des Kindeswohls - eine Unterbringung im Hotel zu vermeiden." Denn die entsprechenden Hotels liegen normalerweise in eher zweifelhaften Vierteln. "In Zeiten großer Wohnungsnot, das heißt, wenn ordnungsrechtliche Unterkünfte belegt sind und auch keine normale Ersatzwohnung gefunden werden kann, passiert es jedoch, dass Familien in diesen Hotels einquartiert werden."

Hilfe für wohnungslose Familien ist nicht überall gegeben

Ein Recht auf Wohnen ist im Grundgesetz nicht vorgesehen. Wohl aber das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf Würde. Die allerdings wird durch so eine Situation massiv verletzt. Aber nicht nur die Unterbringung, auch die Schaffung neuen Wohnraums, der wohnungslosen Familien vorübergehend ein Dach über dem Kopf bieten soll, gestaltet sich oft schwierig. Zum Beispiel, weil das Umfeld dem kritisch gegenübersteht. Die Kommunen müssen hier sehr feinfühlig vorgehen, um potenzielle Nachbarn nicht zu verschrecken und Vorurteile zu entschärfen.

Die Kinder leiden am meisten unter der Situation

Durch die Situation der Wohnungslosigkeit wird nicht nur die Würde des Menschen verletzt, sondern auch sein Selbstwertgefühl massiv erschüttert. Und natürlich trifft das Stigma des "Obdachlosen" vor allem Kinder und Jugendliche, die völlig unverschuldet in diese Situation geraten sind, besonders hart. Nicht selten haben sie mit Diskriminierung zu kämpfen, versuchen daher oft so lange wie möglich zu verbergen, dass sie in einem Obdachlosenheim leben. Sucht- und Gewaltprobleme sowie Verwahrlosungseffekte können, müssen aber nicht, dazukommen.  

Probleme zu bewältigen lernt man in der Kindheit

Psychologen wissen, dass der Grundstein, später einmal Probleme aktiv angehen zu können, in der Kindheit gelegt wird. Doch auch wer Liebe und Geborgenheit erfahren hat, innerlich gefestigt ist und dazu noch positive Vorbilder hat, kann in Ausnahmefällen in eine solche Situation geraten. "Welche Auswirkungen die Obdachlosigkeit auf die Seele der Kinder wirklich hat, dazu liegen mir keine Untersuchungen vor", so Rosenke. "Ich glaube auch, dass dazu in den letzten Jahren nicht geforscht worden ist." Dass eine solche Situation aber in vielerlei Hinsicht traumatisierend wirken kann, dessen ist sie sich sicher.

In unserer "Eltern-Welt" finden Sie alles, was Eltern bewegt: Jetzt Fan werden und mitdiskutieren!

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
UMFRAGE
Wird in Deutschland genug für obdachlose Familien getan?
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
38 % sparen: Boxspringbett inkl. Topper für nur 499,- €

Traumhaft und erholsam schlafen auf 180x200 cm - jetzt zum reduzierten Preis bei ROLLER.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal