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Obdachlosigkeit ist für Kinder eine emotionale Katastrophe

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Interview  

"Obdachlosigkeit ist für Kinder eine emotionale Katastrophe"

16.10.2013, 12:41 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Obdachlosigkeit ist für Kinder eine emotionale Katastrophe. Bei Frauen und Kindern zeigt sich Obdachlosigkeit oft anders. Sie brauchen deshalb auch andere Hilfsangebote. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Frauen und Kindern zeigt sich Obdachlosigkeit oft anders. Sie brauchen deshalb auch andere Hilfsangebote. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Thema Obdachlosigkeit von Frauen und Kindern wird bisher vernachlässigt. Dabei sind gerade hier die psychischen Auswirkungen der Wohnungslosigkeit massiv. Die Elternredaktion von t-online.de hat sich mit Katja Salkow, Leiterin der Salus-Ambulanzen in Potsdam-Mittelmark, unterhalten. Die Psychotherapeutin hat sich intensiv mit Wohnungslosen beschäftigt. Und dabei schnell festgestellt, dass es neben dem typischen Bild vom obdachlosen Mann, der auf der Straße lebt und trinkt, noch viele Untergruppen gibt.

Sieht Frauenobdachlosigkeit anders aus als die von Männern?

Salkow: Auf jeden Fall gibt es hier große Unterschiede. Es ist eher eine verdeckte Obdachlosigkeit, nicht so einfach zu erkennen. Denn viele der Frauen schlüpfen mit ihren Kindern irgendwo unter. Oft suchen sie sich auch sehr schnell einen neuen Partner, der sie dann bei sich aufnehmen kann.

Was bedeutet es für ein Kind, wenn seine Eltern obdachlos werden. Wenn sie ihr Zuhause verlieren? Kaum etwas mitnehmen können?

Salkow: Für Kinder ist das eine emotionale Katastrophe. Bei vielen ist ja auch eine Trennung der Eltern vorausgegangen. Wenn so eine Familie dann die Wohnung verliert, in eine völlig fremde Umgebung kommt, wo alles räumlich sehr begrenzt ist und man vielleicht noch mit fremden Menschen Küche und Bad teilen muss, dann ist das nicht einfach. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle: Das Geld fehlt, um gewisse Standards aufrechtzuerhalten, Schamgefühle sind im Spiel, aber möglicherweise auch soziale Isolation.

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Gerade ältere Kinder und Jugendliche versuchen oft, so lange wie möglich zu verstecken, dass sie obdachlos sind. Ist das nicht eine riesige seelische Belastung?

Salkow: Das Problem hier ist, dass ein entscheidender Risikofaktor, obdachlos zu werden, psychische Erkrankungen sind. Es handelt sich hier um einen ganz hohen Prozentsatz. Bei den betroffenen Kindern ist also häufig davon auszugehen, dass es mit der psychischen Erkrankung von mindestens einem Elternteil klarkommen muss. Und diese ebenfalls vertuscht. Das ist auch für das gesunde Elternteil eine sehr schwierige Situation, häufig ist der Kontakt zu Verwandten oder Freunden abgerissen und es gilt, eine Menge Probleme zu bewältigen. Das braucht Kraft, die beim Kind dann fehlt.

Was können Eltern tun, um ihre Kinder in dieser Situation zu stützen?

Salkow: Die einzige Chance für die Eltern ist, mit den Kindern darüber zu sprechen. Ihnen zu erklären, dass es Lösungen gibt und ganz wichtig, in irgendeiner Form darauf eine Aussicht zu entwickeln. Es ist entscheidend, dass man versucht, die Situation so schnell wie möglich wieder zu beenden. Zum Beispiel auch als Neuanfang in einem anderen Viertel. Dass man sich Arbeit sucht, dass sich seelisch kranke Eltern in Behandlung begeben und auch dafür sorgen, dass das Kind selbst psychologische Unterstützung bekommt.

Manche Eltern sind schnell dabei, wenn es darum geht, jemanden als nicht gut genug für das eigene Kind zu befinden. Wie können obdachlose Eltern mit einer solchen Diskriminierung umgehen?

Salkow: Nun, die Umstände sind ja akut erst einmal nicht änderbar. Und auch hier gilt es, offen mit dem Kind zu sprechen und nach Lösungen zu suchen, vielleicht auch im Gespräch mit Schule oder Kindergarten. Aber die Frage, wie offen man überhaupt nach außen hin damit umgeht, die muss man im Einzelfall entscheiden. Wie gut und wie wichtig für das Kind ist der Kontakt? Wen kann man einweihen, wen sollte man außen vor lassen? Und welche Alternativen gibt es? Das sind die Fragen, die sich obdachlose Eltern stellen sollten.

Sind die betroffenen Kinder stärker gefährdet, später selbst mal in eine solche Lage zu geraten als Kinder mit einem zuverlässigen Zuhause?

Salkow: Es wird immer Kinder geben, die zusätzliche Unterstützung brauchen, um ihren Weg zu finden. Es gibt aber auch sehr viele Kinder, die selbst unter den schwierigsten Umständen psychisch gesund bleiben. Meist haben diese Kinder eine Bezugsperson, die ihnen Halt geben kann. Aber eines muss man ganz klar sagen: Wohnungslos zu werden, das  kann jedem von uns passieren. Das hat nicht grundsätzlich etwas damit zu tun, dass man etwas nicht auf die Reihe bekommen hat oder gar dieses Muster schon in die Wiege gelegt bekam. Sehr oft sind es Schicksalsschläge, die Menschen und eben auch Familien in eine solche ausweglos erscheinende Situation bringen können.

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