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Teilzeitausbildung: Berufsausbildung trotz Familie meistern

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Teilzeitausbildung  

Zwillingsmama mit 19: So meisterte Sarah ihre Ausbildung

04.11.2013, 09:54 Uhr | dpa

Teilzeitausbildung: Berufsausbildung trotz Familie meistern. Kind und Karriere unter einen Hut bringen - eine Teilzeitausbildung macht das möglich.  (Quelle: dpa)

Kind und Karriere unter einen Hut bringen - eine Teilzeitausbildung macht das möglich. (Quelle: dpa)

Wenn schon sehr junge Menschen Kinder bekommen, müssen sie oft ihre Berufsausbildung abbrechen oder können ihre Lehre nicht antreten. Damit sie trotz der familiären Verpflichtungen nicht ohne Abschluss dastehen, können sie allerdings auch in Teilzeit lernen.

Zwillinge mit 19: Wie Sarah trotzdem ihren Berufseinstieg meisterte

Als Sarah Jagemann 19 Jahre alt war, bekam sie Zwillinge. Ein schönes Ereignis, eigentlich. Ein Hindernis aber beim Berufseinstieg. Eine reguläre Ausbildung, 40 Stunden pro Woche, war unmöglich mit zwei kleinen Kindern. Doch eine Ausbildungsstelle mit reduzierter Stundenzahl - das war eine Option. "Ich wollte durchstarten und habe mich schlaugemacht", sagt die Fachangestellte für Bürokommunikation. Beim Arbeitsamt hat sie gesucht und im Internet recherchiert. "Mehrere Zufälle haben mich schließlich zum Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJW) gebracht. Dort half man mir bei den Bewerbungen, ich wurde auf Vorstellungsgespräche vorbereitet."

Schließlich bekam Sarah die Möglichkeit, sich beim Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn ausbilden zu lassen - in Teilzeit, 25 Stunden die Woche. "Die Berufsschultage waren schwierig, aber die Arbeitszeit im Unternehmen hat gut geklappt", erzählt sie. Die junge Frau arbeitete fünf Stunden pro Tag, so blieb genügend Zeit für ihre Zwillinge. Jedoch: Die Familie im Hintergrund hat sehr geholfen. "Ohne meinen Mann, die Omas und andere Verwandte wäre es nicht gegangen." Drei Jahre hat die Ausbildung gedauert, im Anschluss ist sie übernommen worden, ebenfalls in Teilzeit. "Jetzt arbeite ich 30 Stunden", sagt die heute 26-Jährige.

Vor allem junge Frauen nutzen die verkürzte Ausbildungszeit

"Die Möglichkeit der Teilzeitausbildung richtet sich speziell an junge Eltern oder Auszubildende mit Familienverantwortung, die zum Beispiel einen Angehörigen pflegen", erklärt Annette Land. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Programm "Jobstarter" in Bonn. Derzeit nutzten hauptsächlich junge Frauen die Möglichkeit, die Ausbildungszeit zu verkürzen. "Gut 3000 junge Leute machen eine Ausbildung in Teilzeit, den jüngsten Erhebungen zufolge liegt der Frauenanteil bei 92,2 Prozent", erläutert sie. Am häufigsten lassen sich die zumeist jungen Eltern in kaufmännischen Berufen und für Jobs im Gesundheitswesen ausbilden.

Bewerbung für eine Ausbildung in Teilzeit

Zwei Möglichkeiten gibt es, sich für eine Ausbildung in Teilzeit zu bewerben. Die herkömmliche Variante: Direkt mit den Unternehmen in Kontakt treten und sich auf eine Ausbildungsstelle bewerben, mit dem Vermerk, dass man wegen familiärer Gegebenheiten in Teilzeit ausgebildet werden möchte. Die Alternative: Man kann von verschiedenen Projekten wie dem CJW bei einem Ausbildungsbetrieb vorgeschlagen werden, sagt Land. Die Arbeitsagenturen kennen sich damit aus. Am besten fragen Jugendliche dort nach.

Große Unternehmen stehen der Möglichkeit einer Teilzeitausbildung oft aufgeschlossen gegenüber, weil sie gute Erfahrungen gemacht haben, berichtet Hans Joachim Beckers. Er ist Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer in Kiel. "Bei kleineren Unternehmen ist es vorteilhaft, dass man sein Anliegen direkt vorträgt und sich damit gleich in dem Betrieb vorstellt", rät Land.

So verläuft die Teilzeitausbildung

"Grundlage für die Teilzeitausbildung ist die im Berufsbildungsgesetz verankerte Möglichkeit, bei berechtigtem Interesse die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit zu verkürzen", sagt Beckers. Dabei habe sich ein Ausbildungsmodell mit einer Arbeitszeit zwischen 20 und 30 Wochenstunden bewährt. Viele Auszubildende schaffen die Prüfungen in der regulären Ausbildungszeit. Bei Bedarf können sie die Ausbildungsdauer auch verlängern. "Der Berufsschulunterricht findet dabei unverändert in Vollzeitform statt", erläutert Beckers. Weder die Ausbildungsinhalte noch die Abschlussprüfung ändern sich bei den Teilzeit-Lernenden.

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Die meisten Auszubildenden reduzieren ihre Arbeitszeit auf 25 bis 30 Wochenstunden. "So bleibt ihnen genügend Zeit, sich um ihre Familien zu kümmern", erklärt Land. Wer allerdings weniger als 25 Stunden arbeite, müsse mit einer Verlängerung der Ausbildungszeit von bis zu einem Jahr rechnen, damit alle Inhalte vermittelt werden können. Knackpunkt ist mitunter das Gehalt, das die Azubis bekommen. "Die Ausbildungsvergütung kann verringert werden", sagt Annette Land.

Viele Firmen kennen die Möglichkeit der Teilzeitausbildung gar nicht

Bislang lernen nur wenige nach diesem Modell. Bundesweit haben 2011 lediglich 0,2 Prozent der jungen Menschen einen Ausbildungsvertrag mit geringerer Stundenzahl. Aktuellere Zahlen gibt es bislang nicht. Land vermutet, dass viele Firmen nicht von der Möglichkeit wissen, den Nachwuchs auch in Teilzeit auszubilden. Andere fürchten Auswirkungen auf das Betriebsklima - etwa, weil andere Mitarbeiter auch gerne Teilzeit arbeiten möchten. "Man muss viel Aufklärungsarbeit leisten, Ängste und Vorurteile beseitigen."

Dabei haben die jungen Leute eine Menge Fähigkeiten, die ihre Kollegen, die gerade erst mit der Schule fertig sind, oft noch nicht besitzen. "Mütter und Väter bringen besondere Leistungsbereitschaft mit und sind in der Regel sehr zielstrebig", sagt Beckers. Auch Land betont, dass die Teilzeitazubis eine gewisse Reife mitbringen und hohe soziale Kompetenz. "Sie engagieren sich sehr, schließlich wollen sie ihren Kindern ein Vorbild sein."

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