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Familienförderung: Klassische Kitas zu Familienzentren ausbauen

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Familienexperten fordern  

Klassische Kitas zu Familienzentren ausbauen

22.11.2013, 15:13 Uhr | Andrea Barthélémy, dpa

Familienförderung: Klassische Kitas zu Familienzentren ausbauen. Familienförderung: Hand in Hand für das Wohlergehen der Kinder arbeiten - Experten wollen Hilfsangebote für Familien besser vernetzen. (Quelle: dpa)

Hand in Hand für das Wohlergehen der Kinder arbeiten - Experten wollen Hilfsangebote für Familien besser vernetzen. (Quelle: dpa)

Ein Kindergarten, der zugleich Anlaufstelle für Eltern ist, Kinderarzt-Sprechstunden und auch Erziehungsberatung anbietet - so könnte nach einer Vision von Kinderärzten, Sozialforschern und Politikern ein Familienzentrum aussehen, das auch Kindern aus benachteiligten Schichten alle Fördermöglichkeiten bietet.

Das Kind hat zu Hause wenig Ansprache, oft nur durch den Fernseher. Weil der Sechsjährige undeutlich spricht, verschreibt der Kinderarzt ihm Logopädie-Stunden. Wird dem Kind damit geholfen? Nicht wirklich, sagen Experten. "Wir versuchen derzeit, mit medizinischen Therapien soziale Probleme zu lösen", beklagt die Kinderärztin Elke Jäger-Roman von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. Sie gehört einem Gremium von Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik an, die sich zusammengetan haben, um regelmäßig ein "Kinderbulletin" zu veröffentlichen. Unter dem Motto "Jedem Kind eine Chance" wollen die Experten erreichen, dass die verschiedenen Hilfsangebote für Kinder besser vernetzt werden.

Kinderärzte können nicht genug für Kinder tun

Ärzte sehen oft zuerst, welche gesundheitlichen Probleme Kinder haben. Aber sie können nur punktuell eingreifen und erreichen die Familien im Hintergrund kaum. "Trotz sinkender Kinderzahl sehen wir mehr Kinder und Jugendliche, die zwar organisch gesund sind, aber insgesamt nicht gut gedeihen", sagt Jäger-Roman.

Ihr Kollege Ulrich Fegeler vom Berufsverband Deutscher Kinder- und Jugendärzte bestätigt: "Wir haben viele Hilfesysteme, aber sie arbeiten viel zu wenig zusammen." Die dramatischste Folge: Die Todesfälle vernachlässigter Kinder, bei denen Kitas, Ärzte, Sozialdienste und Jugendämter nebeneinander her-, statt gemeinsam und mit der Familie gearbeitet haben.

Kitas sollen Eltern stärker einbeziehen

Wenn Familien, die Unterstützung nötig hätten, die entsprechenden Einrichtungen nicht aufsuchen, muss die Hilfe näher an die Familien und Kinder heranrücken. Vor allem muss die Kommunikation zwischen den Einrichtungen in Gang gesetzt werden. Der Frühpädagoge Wolfgang Tietze von der Freien Universität Berlin erläutert: "Statt der herkömmlichen Kita könnte das ein Familienzentrum sein, in dem Eltern nicht nur zur Eingewöhnung willkommen sind, Logopädinnen Angebote machen, und alle zwei Wochen Erziehungsberater Sprechstunden anbieten." Viel teurer als traditionelle Konzepte müsse das nicht sein. Positive Beispiele gebe es bereits in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.

Problem: Angebote dringen nicht zu Betroffenen durch

Weitere Vorschläge der Experten: Mehr Qualitätskontrolle für Kitas, bessere Qualifizierung der Kinderbetreuer und vor allem mehr fachübergreifendes Denken.

"Moderne Familien werden einerseits immer autonomer, aber gleichzeitig gibt es ein großes Bedürfnis, gesellschaftliche Dienste zu nutzen", sagt Reinhard Wolff, früherer Leiter der Alice-Salomon-Fachhochschule in Berlin. Allerdings: Während viele Eltern aus der Mittelschicht es gelernt hätten, diese Systeme zu Hilfe zu holen, sei das bei Eltern aus benachteiligten sozialen Verhältnissen seltener der Fall. "Wenn die Kita einen Termin bei der Erziehungsberatung empfiehlt und die Telefonnummer in die Hand drückt, welche der beiden Familien ruft dann dort wohl an?"

15 Prozent der Kinder in Deutschland leben in Armut

Der Armutsforscher Andreas Klocke von der Fachhochschule für Sozialarbeit in Frankfurt erinnert daran, dass nach wie vor rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter Armutsbedingungen lebten. "Und das seit zwei Jahrzehnten ziemlich konstant." Die Entwicklungschancen der Kinder variierten mit der Familie. "Das ist kein neuer Befund, aber leider immer noch gültig."

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