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Report Mainz: Immer mehr Frauen werden von Frauenhäusern abgewiesen

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Frauenhaus  

Jede Frau, die heute abgewiesen wird, kann morgen tot sein

11.12.2013, 09:29 Uhr | mmh, cst, t-online.de, ots

Report Mainz: Immer mehr  Frauen werden von Frauenhäusern abgewiesen. Zeuge und Opfer zugleich: Gewalt gegen Frauen betrifft zu oft auch Kinder.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zeuge und Opfer zugleich: Gewalt gegen Frauen betrifft zu oft auch Kinder. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Frauenhäuser sollen geschlagenen Frauen und ihren Kindern eine Zufluchtsstätte bieten. Immer häufiger werden sie jedoch abgewiesen - aus Geld- und Platzmangel. Darüber berichtete "Report Mainz" gestern abend. "Jede Frau, die in einer Gefährdungssituation keinen Platz findet, kann am nächsten Tag tot sein." So drastisch brachte Report Mainz die Situation auf den Punkt. Zwei Frauen sprachen darüber vor der Kamera.

Nadja M. hat bis heute keinen Platz gefunden

Nadja M. lebt in der Nähe von Köln, sie ist gebildet, hat studiert. Gegen die Übergriffe ihres Mannes kann sie sich nicht zur Wehr setzen. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an eine Beratungsstelle für Frauen in Not. Die Mitarbeiterin kann ihr jedoch nicht helfen, denn alle Plätze in den Frauenhäusern der Umgebung sind belegt. Vier Wochen lang wendet sich Nadja M. an alle Beratungsstellen, die sie finden kann, doch bis heute hat sie keinen Platz gefunden. Zwar hat die Polizei ihren gewalttätigen Ehemann der Wohnung verwiesen, doch die Angst, dass er zurückkommt, ist allgegenwärtig. Das Schicksal von Nadja M. ist kein Einzelfall. "Im letzten Jahr mussten wir 600 Frauen abweisen", sagt Eva Risse vom Frauenhaus Bonn.

Liliana K. flieht mit ihrem kleinen Sohn

Auch Liliana K. aus Berlin wurde jahrelang von ihrem Mann misshandelt. Mit ihrem kleinen Sohn Domitrel floh sie vor den Gewaltattacken zur Polizei und hoffte auf Schutz in einem Frauenhaus. Vor der Kamera erzählt sie: "Er hat mich bespuckt und getreten, an den Haaren durchs Zimmer geschleift. Außerdem hat er mir auf den Mund geschlagen, so dass einige Zähne herausgefallen sind." Die Polizei möchte Liliana K. in einem Frauenhaus unterbringen - doch es gibt keinen Platz. Weil sie nicht weiß, wohin, übernachtet Liliana K. in einem Obdachlosenheim, tagsüber irrt sie mit ihren kleinen Sohn durch Berlin. "Ich hatte Angst, wieder nach Hause zu gehen," erzählt sie verzweifelt. Nach zwei Wochen nimmt ein Frauenhaus sie auf, obwohl die regulären Plätze alle belegt sind.

"Frau kann am nächsten Tag tot sein"

Die Leiterin, Brigitte Altenkirch, kennt das Risiko: Die Erfahrung zeige, dass "in diesem ersten Trennungsmoment eine unheimliche Gefährdungssituation für die Frau vorliegt. Machen wir uns nichts vor: Jede Frau, die zu diesem Moment, keinen Platz findet, kann am nächsten Tag tot sein."

Deutschlandweit finden pro Jahr 9000 Frauen keinen Platz

Die Probleme sind nicht auf Bonn oder Berlin beschränkt. Pro Jahr finden rund 9000 hilfesuchende Frauen keinen Platz - diese Zahlen nennt ein Bericht des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2012. Wer für die Finanzierung der Frauenhäuser zuständig ist, ist nicht klar geregelt. "Report Mainz" zeigte, wie sich Bund, Länder und Kommunen die Verantwortung dafür gegenseitig zuschieben. "Das widerspricht dem Verfassungsrecht", sagt Rechtswissenschaftler Joachim Wieland. Der Staat sei verpflichtet, für einen effektiven Schutz zu sorgen. Gesetzliche Richtlinien zur Finanzierung der Frauenhäuser sind dringend nötig.

Die Hälfte aller Schutzsuchenden in Frauenhäusern sind Kinder

Frauenhäuser bieten besonders auch Kindern Hilfe und Schutz: Fast die Hälfte aller Schutzsuchenden in Frauenhäusern sind Kinder. Sie sind von häuslicher Gewalt mit betroffen, als Opfer und als hilflose Zuschauer. Das Klima von Angst und Aggression prägt sie. Irgendwann ist es zu viel. Ein Glück, wenn die Mütter dann den Weg in ein Frauenhaus finden. Doch was können diese Einrichtungen für Kinder tun?

Sie kommen nach ausweglosen Krisen, nach heftiger körperlicher und seelischer Gewalt und "es ist trotzdem immer ein schwieriger Schritt", schildert Heike Herold, Geschäftsführerin von "Frauenhauskoordinierung". 2012 fanden etwa 9000 Frauen Zuflucht vor der Gewalt des Partners in einem der 366 Frauenhäuser in Deutschland. Zwei Drittel der betroffenen Frauen treten diesen Weg aus der Gewalt gemeinsam mit ihren Kindern an, 8812 Kinder finden in einem Frauenhaus eine vorübergehende Bleibe. Die Zahl bleibt über die Jahre ziemlich konstant, einfach deshalb, weil nicht mehr Plätze vorhanden sind, um mehr Frauen aufzunehmen. Bedarf wäre da, die Gewalt nimmt eher zu. "Dieser Bereich ist extrem schlecht ausgestattet", bedauert Herold.

Häusliche Gewalt - Kinder sind Zeugen und Opfer

Diese Mädchen und Jungen sind selbst Opfer oder Zeugen von Gewalt gegen ihre Mutter geworden und wachsen in einer Atmosphäre von Angst und Gewalt auf. Diese traumatischen Erfahrungen beeinträchtigen ihre gesunde Entwicklung. Es besteht das Risiko für diese Kinder, später selbst zu Gewalt zu greifen oder sie zu erdulden. Diese Kinder brauchen dringend eine besondere Betreuung, um die Gewalterfahrung zu überwinden.

Die Frauenhäuser sehen den dringenden Unterstützungsbedarf der Jungen und Mädchen im Frauenhaus, doch fehlen in vielen Standorten Geld und Personal, deshalb bleibt die spezielle Unterstützung der Kinder auf der Strecke. "Die Kinder sind traumatisiert, sie müssen die Gewalterfahrung aufarbeiten, aber das ist nicht vorgesehen", bedauert Herold. Diese Erfahrungen beeinträchtigen die Kinder ein Leben lang: Sie haben ein andauerndes Schlafdefizit, da nächtliche Gewaltszenen sie wach halten, sie sind nicht konzentriert, die Schulleistungen lassen nach. Aber vor allem: Sie lernen es nicht, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und finden sich als Erwachsene in ganz ähnlichen Situationen wieder. Ein Teufelskreis beginnt. "Wir haben schon die zweite Generation von Frauen, die in das Frauenhaus kommen. Frauen, die als Kinder mit ihren Müttern hier waren."

"Extrem schlecht ausgestattet"

Frauenhäuser bieten keine 24-Stunden-Betreuung. Kommt nachts eine hilfesuchende Frau, wird sie erst von anderen Frauen in Empfang genommen, nicht von Fachpersonal.

Zudem nehmen manche Frauenhäuser Jungs nur bis zu zwölf oder 14 Jahren auf. Der Grund wird deutlich aus dem, was Heike Herold schildert. "Es ist ein Gemeinschaftsleben auf engem Raum, die Frauen teilen sich das Bad, es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten. Das sind oft sehr junge Frauen, die männliche Gewalt erduldet haben. Für die sind jugendliche Söhne zu nah an der Altersgruppe ihrer Peiniger." Man sucht nach Lösungen für jeden Einzelfall, das kann betreutes Wohnen oder der Unterschlupf bei Verwandten sein.

Eine Trennung vom Sohn fällt schwer und ist für keine Seite die optimale Lösung, schließlich ist er oft der einzige Beschützer gegen die Partnergewalt. Zudem soll der übliche Alltag aufrecht erhalten werden: Schule, Job, Kita. Ein Ortswechsel ist daher zu vermeiden.

Hilfe für Kinder scheitert an Geldmangel

Für die Organisation "Frauenhauskoordinierung" ist es nicht hinnehmbar, dass die Unterstützung der Kinder im Frauenhaus an den fehlenden Finanzen scheitert. "Wir brauchen eine bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung der Frauenhäuser und Fachberatungsstellen auf der Grundlage bundesgesetzlicher Regelungen und nicht wie bisher in der Regel auf Basis freiwilliger Leistungen der Länder und Kommunen", sagt Geschäftsführerin Heike Herold. "Frauenhauskoordinierung" fordert einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder.

Die Organisation arbeitet als Bundesvernetzungsstelle der Frauenhäuser und Fachberatungsstellen in den Wohlfahrtsverbänden. Sie vertritt 260 Frauenhäuser und 200 Fachberatungsstellen und setzt sich ein für den Abbau von Gewalt gegen Frauen und für wirksame Hilfen für misshandelte Frauen und deren Kinder.

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