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37 Grad: "Ohne Geld kleine Welt - Kinder im sozialen Abseits"

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"37 Grad"  

"Ohne Geld kleine Welt - Kinder im sozialen Abseits"

18.12.2013, 08:09 Uhr | cst, t-online.de

37 Grad: "Ohne Geld kleine Welt - Kinder im sozialen Abseits". Die 17-jährige Angelina leidet unter der Armut ihrer Eltern. (Quelle: Arne Wolter / ZDF)

Die 17-jährige Angelina leidet unter der Armut ihrer Eltern. (Quelle: Arne Wolter / ZDF)

Arme Kinder sind in Deutschland keine Einzelfälle mehr. Viele - auch alltägliche Dinge, die für andere selbstverständlich sind, können sie sich aus finanziellen Gründen nicht leisten. Daran hat auch das Bildungs- und Teilhabepaket der Regierung wenig geändert. Die Dokureihe "37 Grad" hat zwei Kinder aus armen Familien mit der Kamera begleitet und zeigt ihren schwierigen Alltag.

Ein normaler Teenager?

Angelina (17) ist ein hübsches Mädchen, strahlende Augen, lange blonde Haare. Auf den ersten Blick ein ganz normaler Teenager. Aber Angelina ist arm. Ihre Eltern und ihre vier Geschwister leben seit zehn Jahren von Hartz IV. Damals meldete der Malerbetrieb, in dem der Vater arbeitete, Insolvenz an. Bis heute sucht er vergeblich nach einer neuen Anstellung. Die Mutter von Angelina ist aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig. Dennoch wollen die Eltern ihren Kindern Fleiß und Arbeit vorleben. Einmal die Woche zieht die komplette Familie los, um Zeitungen auszutragen und sich so etwas dazuzuverdienen.

"Ein beschämendes Gefühl"

Angelina hofft, dass es ihr einmal besser als ihren Eltern gehen wird. "Ich träume davon, dass ich später mal eigenes Geld habe und dass ich mir nicht immer alles bezahlen lassen muss, dass ich meinen Kindern ersparen kann, wie es mir geht." Shoppen, tanzen, mal ins Kino oder in die Pizzeria gehen - für die meisten anderen Teenies ganz normale Dinge, sind für Angelina nicht drin. Manchmal laden ihre Freunde sie ein, allzu häufig will sie das aber nicht in Anspruch nehmen. "Ein beschämendes Gefühl", findet sie. Kleidung bekommt sie von Verwandten und Nachbarn geschenkt. Angelina achtet auf ihr Äußeres, denn die Armut soll ihr niemand ansehen.

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"Dann kloppen sich fünf Kinder um zwei Puddings"

Die siebenköpfige Familie, die in der Nähe von Köln wohnt, hat im Monat 600 Euro für Essen, Telefon, Medikamente und Kleidung zur Verfügung. Zweimal die Woche bekommt die Familie Essenspenden nach Hause geliefert. "Darauf können wir nicht verzichten", erklärt die Mutter. "Dann kloppen sich fünf Kinder um zwei Puddings und zwei Kakao." Die Essensituation hat sich seit kurzem verschärft, denn Angelina leidet an einer Laktoseintoleranz. Auf Lebensmittel, die Milchzucker enthalten, müsste sie eigentlich verzichten - ein schwieriges Unterfangen, wenn man bei jedem Einkauf sehr genau auf den Preis achten muss. Die Medikamente und speziellen Lebensmittel für Angelina kosten etwa 100 Euro im Monat - Geld, das die Familie nicht hat und vom Amt auch nicht erstattet wird.

Der Führerschein muss warten

Angelina würde sich gern einen Job suchen, um finanziell etwas unabhängiger zu sein. Das Problem: Verdient sie mehr als 100 Euro im Monat, wird der Hartz-IV-Satz ihrer Familie entsprechend gekürzt. Ihr Traum vom Führerschein muss daher erst mal warten. Auch Reiten, ihr früheres Hobby, kann sie sich im Moment nicht leisten. Wünsche hat auch Hanna, Angelinas elfjährige Schwester, sie möchte Geige spielen lernen. Zusammen mit der Mutter informiert sie sich in einem Musikgeschäft. Aber wie bei Angelina, ist Musikunterricht aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Eine Lüge und ein Happy End

Wegen des knappen Budgets können den Kindern besondere Wünsche nicht erfüllt werden. Die schwierige Lage macht den Eltern zu schaffen. "Man muss damit leben, muss es akzeptieren oder man geht zu Grunde", sagt der Vater. Mit dem Satz: "Wenn wir mal wieder Geld haben" vertröstet die Mutter seit Jahren ihre Kinder. Ihr bitteres Fazit: "Ist eigentlich eine Lüge." Weinend muss sie das Gespräch unterbrechen.

Und dann gibt es doch noch ein kleines Happy End für die beiden Schwestern. Angelina kann auf einem Reiterhof Kinder betreuen - im Gegenzug darf sie kostenlos reiten. Für Hanna hat sich der Vater eingesetzt. Er telefoniert so lange mit verschiedenen Ämtern, bis ein Förderverein gefunden ist, der seiner Tochter den Musikunterricht finanziert und die Familie muss nur sechs Euro im Monat dazuzahlen.

Zwei Jobs und trotzdem arm

Was es heißt, arm zu sein, wissen auch Tiago (11) und Luciano (10). Die Brüder leben mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Solingen. Der Vater arbeitet jede Nacht als Kurierfahrer, die Mutter als Erzieherin an einer Grundschule. Obwohl beide Eltern einen Job haben, liegt das Einkommen der Familie nur knapp oberhalb des Existenzminimums. Zusammen mit dem Kindergeld bleiben nur 890 Euro im Monat für Essen, Medikamente und Kleidung. Genau wie Angelina achten Tiago und Luciano auf ihre Kleidung. Denn auch sie wollen nicht, dass man ihnen die Armut ansieht.

"Ich habe gesagt, ich mag keinen Fußball"

Viel Geld für Freizeitaktivitäten bleibt ihnen nicht. An der Fußball AG können die Kinder nicht teilnehmen, die Kosten von 120 Euro sind zu hoch. Zugeben wollten die Jungs in der Schule das nicht. "Ich habe gesagt, ich mag keinen Fußball", erzählt Tiago. Um etwas Geld zu verdienen, haben sich die Brüder überlegt, in einer Schrebergartensiedlung ihre Hilfe anzubieten. Mit dem Lohn würden sie auf Markenklamotten sparen oder etwas mit Freunden unternehmen.

Balanceakt im Supermarkt

Großeinkauf im Supermarkt: Nur mit Mühe gelingt es der Mutter, die drei Kinder durch den Laden zu schleusen. Schokolade, Zeitschriften, überall lauern Verlockungen. Mit dem Geld hauszuhalten und dennoch ab und zu den Kindern etwas zu ermöglichen, ist ein Balanceakt. Jeder Preis wird verglichen, Tränen fließen, am Ende wird nur gekauft, was günstig und notwendig ist.

Süßes nach Lust und Laune

In Solingen bietet die Arbeiterwohlfahrt kostenloses Boxtraining an. Tiago und Luciano nehmen das Angebot gerne an. Auch ihr Einsatz in der Schrebergartensiedlung hat sich gelohnt. Regelmäßig haben sie einer älteren Dame bei der Gartenarbeit geholfen. 14 Euro haben sich die beiden so zusammengespart - viel Geld für die Brüder. Endlich dürfen sie einmal nach Lust und Laune Geld für Süßes ausgeben. Das Kamerateam begleitet sie und zeigt glückselige Kindergesichter.

Was sich Luciano für die Zukunft wünscht? "Wenn ich mal so 20, 30 bin, will ich genug Geld haben, damit ich meinen Geschwistern helfen kann oder auch meinen Eltern, wenn die kein Geld haben."

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