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Kommentar: Umstrittene Streitschrift zu Kindesmisshandlung

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Kommentar  

Debatte um Kindesmissbrauch - die toten Kinder sind Realität

31.01.2014, 13:39 Uhr | Ein Kommentar von Maria M. Held, t-online.de

Kommentar: Umstrittene Streitschrift zu Kindesmisshandlung . Kindesmisshandlung - eine tickende Zeitbombe unserer Gesellschaft! (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kindesmisshandlung - eine tickende Zeitbombe unserer Gesellschaft! (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Dann liegt ein totes Kind auf unserem Sektions-Tisch, aber jeder hat alles richtig gemacht" - dieser Satz hängt in der Luft und setzt sich in den Gedanken fest. Michael Tsokos sagt ihn. Er ist Rechtsmediziner und hat gemeinsam mit seiner Kollegin Saskia Guddat ein Buch geschrieben mit dem bewusst provozierenden Titel "Deutschland misshandelt seine Kinder". Ein Debattenbuch, das von schrecklicher Grausamkeit erzählt, mitten in unserer Gesellschaft.

In unserem System der Jugend- und Familienhilfe läuft etwas grundlegend falsch, behaupten die Autoren. Sie fordern und kritisieren, sie geben Handlungsempfehlungen, wie man den "Serienmord im Kinderzimmer" stoppen kann. Ziel erreicht: Denn tatsächlich streiten schon kurz nach der Buchvorstellung die verschiedensten Gruppen über die Aussagen. Die Kritisierten - Rechtsmediziner, Richter, Familienhelfer, Kinderärzte, Jugendämter - nennen die Kritik "zu pauschal, populistisch, praxisfern".

Die Schuld der Jugendämter - fast täglich in den Nachrichten

Zeitgleich landet heute der Fall Yagmur in den Nachrichten. Ein Prüfbericht hat den Jugendämtern eine Mitverantwortung am gewaltsamen Tod des dreijährigen Mädchens aus Hamburg-Billstedt gegeben. Eine Verkettung von Fehlern habe dazu geführt, dass entscheidende Punkte übersehen wurden, sagte der Leiter der Jugendhilfeinspektion, Horst Tietjens. Die kleine Yagmur war am 18. Dezember in der Wohnung ihrer Eltern innerlich verblutet. Der Vater soll sie zu Tode gequält haben. Das Mädchen wurde seit seiner Geburt von Jugendämtern betreut.

Auch dieser Fall stützt die Thesen von Guddat und Tsokos. Genauso wie die Zahlen des Bundeskriminalamtes und des Statistischen Bundesamtes: Rund 170 Kinder in Deutschland starben nach den jüngsten Zahlen des Bundeskriminalamts 2012 durch Gewalttaten. Rund 106.600 Strafverfahren liefen im selben Jahr wegen Gewalt gegen Kinder.

Viele Ursachen, kaum Lösungen

Diese bekannten Fälle sind laut vieler Experten wohl nur die Spitze des Eisbergs. 2012 haben die Jugendämter rund 40.200 Kinder und Jugendliche wegen Vernachlässigung oder Gewalt aus ihren Familien genommen. Seit 2007 hat sich diese Zahl nach Angaben des Statistischen Bundesamts fast verdoppelt.

Dazu kommt Stellenabbau bei Polizei und Jugendamt, Burn-out, Überlastung bei den professionellen Kinderschützern, das umstrittene Outsourcing von Jugendhilfe an private Agenturen und die Überforderung bei den Eltern.

Das Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder" ist subjektiv, aber es bleibt trotzdem auch ein Insiderbericht, der die Augen öffnen will. Lob erhalten die Autoren wenig. Sie haben mit ihrem "Feuerwerk an Kritik" Menschen im Familienhilfesystem auf die Füße getreten.

Viele Debatten: Die toten Kinder bleiben

Doch die Kritikpunkte von Guddat und Tsokos - manche überzogen und klischeehaft formuliert - lassen sich nicht einfach wegwischen.

Die jetzt entfachte Diskussion in einer breiten Öffentlichkeit ist gut. Aber bitte nicht nur über das Buch reden und darüber, wer denn jetzt zuständig sei und woher mehr Geld für den Kinderschutz kommen könne. Erklärungen wie die von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, die durch eine "Kultur des Hinschauens" Kindesmisshandlung verhindern will, dürfen keine Lippenbekenntnisse bleiben. Es muss sich etwas bewegen. Denn es bleiben die toten Kinder wie Yagmur.

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