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Arbeitslosigkeit: Mit Kindern offen über Geldnot reden

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Kein Geld für Markenklamotten und Urlaub  

Mit Kindern offen über Arbeitslosigkeit reden

02.07.2014, 21:26 Uhr | dpa-tmn

Arbeitslosigkeit: Mit Kindern offen über Geldnot reden. Arbeitslosigkeit: Eltern sollten offen mit ihren Kindern über Geldnot sprechen. (Quelle: dpa/tmn)

"Das können wir uns nicht leisten." Die finanzielle Lage sollte in der Familie kein Tabuthema sein. (Quelle: dpa/tmn)

Das neueste iPhone, eine Tasche von Adidas, Schuhe von Converse müssen es sein - schon kleine Kinder sind häufig markenbewusst. Doch was ist, wenn die Eltern arbeitslos sind und für diese Dinge kein Geld haben? Dann helfen nur ehrliche Worte und kindgerechte Erklärungen. Experten geben Tipps, wie das gelingen kann und ab welchem Alter man mit den Kindern über Arbeitslosigkeit sprechen kann.

Die junge Frau ist alleinerziehend und noch dazu arbeitslos. Dass sie in Hartz IV gerutscht ist, bereitet ihr Probleme, doch am meisten leidet ihre Tochter unter der Situation. Denn sie ist die Einzige, die mit dem Markenbewusstsein ihrer Mitschüler nicht mithalten kann und gehänselt wird. Als die Mutter schließlich Geld ausgibt, das sie eigentlich nicht hat, um ihrer Tochter ein Handy oder Klamotten zu kaufen, ist das für sie der Beginn einer finanziellen Krise.

Geldnot nicht verschweigen

So wie der jungen Frau geht es vielen arbeitslosen Müttern oder Vätern, insbesondere, wenn sie alleinerziehend sind, weiß Gerhard Strunz. Er ist Sozialsekretär des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt in Marktredwitz. "Das Gespräch mit dieser Mutter hat mich nie mehr losgelassen", erzählt Strunz und betont: "Es ist wichtig, die Schwierigkeiten nicht zuzudecken, sondern vom ersten Tag an mit der Familie offen darüber zu sprechen." Passiere das nicht, entstehe ein Klima des Misstrauens in der Familie.

Markenkult von Mitschülern setzt Kinder unter Druck

Meist sind es die Reaktionen in der Schule, die das Problem verstärken und Kinder sowie Eltern psychisch belasten. Das beobachtet auch Falko Liecke, Dezernent für Jugend und Gesundheit am Bezirksamt Neukölln. Mit einer Arbeitslosenquote von 19,3 und einer Armutsgefährdung von 38 Prozent stand der Berliner Stadtteil in der Statistik der Arbeitslosenzahlen von 2013 weit oben.

"Die Familien kommen meistens erst dann zu uns, wenn sie nicht nur von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sondern auch noch andere Probleme haben", sagt Liecke. Das können Ängste, psychische Schwierigkeiten oder finanzielle Engpässe sein. Vor allem Eltern mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Schichten seien kaum in der Lage, ihre Situation den Kindern angemessen zu vermitteln.

Mit Jugendlichen Klartext reden

Jüngeren Kindern könne man zum Beispiel behutsam erklären, dass es nicht jeden Tag ein Eis oder einen Freibadbesuch geben kann, weil Mama und Papa wenig Geld haben. Bei Jugendlichen sei hingegen Klartext angebracht, rät Liecke. Doch noch wichtiger sei es, Kinder möglichst aus den familiären Streitigkeiten herauszuhalten und ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass sie Schuld sind an der schwierigen Lage.

Rosemarie Bork, Beraterin am Arbeitslosenzentrum Johanniskirchhof im Kreis Minden/Lübbecke, findet, dass viele Familien und Kinder mit Arbeitslosigkeit erstaunlich gut umgehen können. "Natürlich versuchen einige Eltern immer noch, den Kindern trotz des wenigen Geldes alle Wünsche zu erfüllen." Ihrer Erfahrung nach könnten Kinder die Lage aber schon früh verstehen. "Sie sehen ja, dass Mama oder Papa viel zu Hause sind."

Arbeitslosigkeit macht auch Kinder depressiv

Doch was ist, wenn sich die Kinder immer mehr zurückziehen? Vor allem, wenn ein Elternteil schon lange Zeit arbeitslos ist und die finanziellen Nöte der Familie zunehmen, ist die Gefahr von depressiven Symptomen und sozialem Rückzug groß. Unterstützung können Betroffene zum Beispiel in psychologischen Beratungsstellen finden. Meist arbeiten diese eng mit den Arbeitslosenberatungszentren zusammen. "Entscheidend ist, dass die Eltern erkennen, dass es in ihrer Verantwortung liegt, etwas zu ändern", erklärt Andreas Mattenschlager, Leiter der psychologischen- und Lebensberatung der Caritas in Ulm. Beispielsweise könnten sie die freie Zeit nutzen, um gemeinsam mit ihren Kindern kostenlose Freizeitangebote in Anspruch zu nehmen. Wenn arbeitslose Eltern offen zu ihrer Situation stehen, finden sie eher aus ihrer Isolation heraus.

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