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Unicef zu Kindesmisshandlung: Eine Milliarde Kinder wird geschlagen

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Unicef-Bericht zu Kindesmisshandlung  

"Auch in Deutschland sind Kinder erzieherischer Gewalt ausgeliefert"

04.09.2014, 18:06 Uhr | dpa-AFX, tze, AFP

Unicef zu Kindesmisshandlung: Eine Milliarde Kinder wird geschlagen. Gewalt gegen Kinder spielt sich oft im Verborgenen ab. "Wir müssen das Tabu durchbrechen", fordert Unicef. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gewalt gegen Kinder spielt sich oft im Verborgenen ab. "Wir müssen das Tabu durchbrechen", fordert Unicef. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kinder sind weltweit "einem erschreckenden Ausmaß an körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen" ausgesetzt. Das ist die Bilanz eines aktuellen Berichts des UN-Kinderhilfswerks Unicef, das Daten zu Gewalt gegen Kinder ausgewertet hat. Mit Daten aus 190 Staaten sei es der größte derartige Report, der je erhoben wurde. Auch in Deutschland herrschen keine rosigen Zustände. Pro Woche sterben auch bei uns drei Kinder an den Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung.

Körperliche Züchtigung, sexuelle Gewalt und selbst tödliche Übergriffe sind demnach in vielen der untersuchten Länder noch immer an der Tagesordnung. Eine Milliarde Kinder auf der Welt wird regelmäßig geschlagen. Unicef beklagt, dass in vielen Fällen Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde und Mitschüler systematisch Gewalt ausübten, ohne dies bedenklich zu finden.

95.000 Kinder in einem Jahr ermordet

2012 wurden laut dem Bericht weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren ermordet, die meisten davon in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Lateinamerika und der Karibik.

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Prügel im Elternhaus, Mobbing in der Schule

Laut Unicef sind drei von zehn Erwachsenen weltweit der Meinung, dass körperliche Züchtigung zur Erziehung gehöre, um ein Kind zu disziplinieren. In Ländern wie Ägypten, dem Jemen und im Tschad würden sogar 40 Prozent der Kinder mit Prügel bestraft. Etwa jedes zehnte Mädchen werde mindestens einmal im Leben zum Geschlechtsverkehr gedrängt oder gezwungen.

Eine neue Form von Gewalt erleben Kinder und Jugendliche durch Mobbing. Jeder dritte Schüler weltweit erlebt dies regelmäßig. In Deutschland war schon jeder sechste Schüler einmal Opfer von Mobbing über das Internet.

Spirale der Gewalt dreht sich von Generation zu Generation

Das Leid der Kinder und die teils lebenslangen Folgen würden vielfach verdrängt oder übersehen. Herauswachsende, die regelmäßiger Gewalt ausgesetzt sind, hätten häufiger Lernprobleme, entwickelten ein geringeres Selbstvertrauen und litten öfter unter Depressionen. Das Kinderhilfswerk verweist auf eine fatale Entwicklung: Opfer von Gewalt neigten außerdem dazu, sich später in Konflikten mit ihren eigenen Kindern oder Partnern ähnlich zu verhalten.

Eltern unterstützen und Rechte von Kindern stärken

Unicef rief dazu auf, gerade Eltern mit geringem Bildungsstand besser aufzuklären und das Selbstbewusstsein von Kindern gezielt zu stärken. Auch die Gesetzgeber stünden in der Pflicht, durch Rechtsreformen wirksamen Kinderschutz zu gewährleisten.

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Recht auf gewaltfreie Erziehung in Deutschland

In Deutschland haben Kinder seit 2000 ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, das im Paragrafen 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verankert ist. Insgesamt gebe es einen positiven Trend, sagt Rudi Tarneden, Pressesprecher von Unicef Deutschland, im Gespräch mit t-online.de. "Der Erziehungsstil in den Familien und Schulen hat sich deutlich geändert."

Aber jedes elfte deutsche Elternpaar hat sein Kind schon einmal "schwer geschlagen", jedes zwanzigste gar mit einem Gegenstand. Mehr als zwei Drittel gaben an, den "Klaps auf den Po" schon mal verteilt zu haben.

"Gewalt in der Erziehung ist ein soziales und ökonomisches Problem"

"Bestimmte Gruppen von Kindern in Deutschland sind noch immer erzieherischer Gewalt ausgeliefert", stellt Tarneden fest. "Besonders verbreitet sind solche Einstellungen bei Erwachsenen, die in einer schwierigen Situation leben und geringe Bildungschancen hatten. Gewalt gegen Kinder ist kein individuelles, sondern auch ein soziales und ökonomisches Problem." Aber auch gut situierten, gut gebildeten Eltern könne die Hand ausrutschen, wenn sie überfordert seien.

"Das Tabu beiseite schieben und hinschauen"

Tarneden erinnert außerdem daran, dass 2013 in Deutschland 40.000 Kinder von den Jugendämtern in Obhut genommen werden mussten, weil ihre Entwicklung in ihren Familien gefährdet war. "Das ist eine relativ hohe Zahl."

Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind, finden Rat und Unterstützung bei Jugendämtern, bei der Kinder- und Jugendhilfe und bei Erziehungsberatungsstellen. Soweit die Theorie. "Das Hauptproblem ist die Einsicht, bei den Betroffenen, dass sie Hilfe brauchen", weiß Tarneden. Deshalb müssten Nachbarn, Ärzte, Kindergärtnerinnen und Lehrer bei Kindern auf Anzeichen von Misshandlung achten. "Wir müssen das Tabu beiseite schieben und genauer hinschauen."

Unicef: "Gewalt gegen Kinder ist nicht entschuldbar"

"Verborgen in aller Öffentlichkeit" nennt Unicef den aktuellen Bericht. "Das sind unbequeme Fakten. Keine Regierung und auch keine Mutter und kein Vater wollen sie hören", sagte Unicef-Chef Anthony Lake. "Aber wenn wir die Öffentlichkeit nicht mit diesen lästigen Fakten behelligen, werden wir nie eine Änderung in den Köpfen erzielen. Denn viele denken immer noch, Gewalt gegen Kinder ist normal und entschuldbar. Das ist es nicht."

Schweden als positives Beispiel

Der deutsche Unicef-Pressesprecher ist überzeugt, dass ein Gesinnungswandel möglich ist. Er verweist auf die positive Entwicklung in Schweden, das bereits 1979 die Prügelstrafe verboten habe. Das Verbot wurde durch eine Aufklärungskampagne unter dem Motto "Mein Kind ist unschlagbar" und Forschung über Gewalt in der Erziehung begleitet. Damals seien noch über 80 Prozent der Kinder gelegentlich geschlagen worden, heute seien es nur noch zehn Prozent.

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