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Kindern Demenz erklären: "Stille Post in Omas Gehirn"

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Kindern Demenz erklären  

Alzheimer ist wie Stille Post in Omas Gehirn

17.09.2014, 11:42 Uhr | Jan Lukas Roßmüller, t-online.de, dpa-tmn

Kindern Demenz erklären: "Stille Post in Omas Gehirn". Demenz: Kleine Kinder gehen noch sehr unbefangen mit der Vergesslichkeit von Großeltern um.

Kleine Kinder gehen noch sehr unbefangen mit alzheimerkranken Großeltern um.

Alzheimer ist in vielen Familien ein Thema. Wenn sich bei den Eltern im Alter eine Demenz entwickelt, belastet das nicht nur Söhne und Töchter, sondern auch Enkel. Oma reagiert auf einmal anders, Opa fragt an manchen Tagen fünfmal dasselbe. Den Zusammenhalt zwischen Großeltern und Enkeln muss das aber nicht schmälern. So können Eltern ihren Kindern die Krankheit erklären.

Beim Umgang mit dementen Angehörigen müssen Eltern sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch der Großeltern im Blick haben. Dafür brauche es viel Fingerspitzengefühl, sagt Christian Leibinnes, Sprecher der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) in Düsseldorf.

Stille Post in Omas Gehirn

Kindern Demenz zu erklären, sei aber nicht schwer, meint Heike Elisabeth Philipp-Metzen. Die Gerontologin und Sozialpädagogin von der Fachhochschule Münster empfiehlt Eltern, erstmal die Fakten klarzustellen: "Oma ist krank. Wir können aber etwas für ihr Wohlbefinden tun."

Dabei sollten Eltern auch jüngere Kinder nicht unterschätzen. Schon im Alter von acht Jahren können sie fachliche Details verstehen. Philipp-Metzen hat vielen Kindern Vorträge zum Thema Demenz gehalten. Dabei erklärt sie ihnen, wie Nervenzellen im Gehirn Informationen weitergegeben und dass dies bei Demenzkranken nicht immer so gut funktioniert. Ihre bildliche Erklärung erinnert an das Spiel Stille Post: Die Gehirnzellen unterhalten sich, aber nicht alles kommt an. Den Kindern wird so klar, warum Demenzkranke manchmal verwirrt oder vergesslich sind.

Sensibel auf Signale des Demenzkranken achten

Mit diesem Wissen können Kinder besser verarbeiten, dass ihre Verwandten mit Alzheimer ihren Namen vergessen. Die Krankheit jagt ihnen keine Angst mehr ein. Im Gegenteil: Viele Kinder möchten sich um Oma oder Opa kümmern und den Kontakt halten, sagt Philipp-Metzen.

Voraussetzung für einen engen Kontakt zwischen Demenzkranken und Kindern ist aber, dass die Erkrankten ihn wollen. Das können Eltern selbst in späteren Stadien der Krankheit noch an Körpersprache und Gesichtsausdruck erkennen, erklärt Philipp-Metzen. Ein Lächeln oder eine zuwendende Geste zum Enkelkind sind Zeichen, dass der oder die Erkrankte sich wohlfühlt. "Eltern sind die Vermittler", erklärt die Sozialpädagogin. Sie müssen dafür sorgen, dass es beiden Seiten gut geht.

Kinder auf aggressives Verhalten vorbereiten

Haben Kinder Berührungsängste oder kein Interesse, auf das erkrankte Familienmitglied zuzugehen, dürfen Mutter oder Vater sie nicht überreden. Für Kinder kann es belastend sein, wenn die Großeltern auf einmal anfangen zu weinen, zu schreien, sich aggressiv verhalten oder einfach weglaufen, warnt Philipp-Metzen.

Überforderung der Eltern belastet Kinder

Für Enkelkinder ist es besonders wichtig, ihre Eltern kompetent im Umgang mit den demenzkranken Großeltern zu erleben. Wenn die Eltern gut damit umgehen, können die Kinder das meistens auch. Aber: "Überforderte Eltern können für Kinder belastend sein."

Eltern sind also das Vorbild für ihre Kinder. Das funktioniert aber auch umgekehrt: Erwachsene können sich vor allem von jüngeren Kindern etwas abschauen. Es sei besonders wichtig, mit Demenzkranken auf einer emotionalen Ebene zu kommunizieren, erklärt Philipp-Metzen. Das gelinge Kindern meist besonders gut. Sie können für ihre Großeltern viel Verständnis aufbringen.

Kleine Kinder reagieren unbefangen auf Demenz von Großeltern

Auch die Pflegewissenschaftlerin Sonja Steinbock bescheinigt Jüngeren die Fähigkeit, sich schnell in andere einfühlen zu können. "Kinder bringen alles mit, um einen dementen Menschen zu begleiten", sagt die Mitarbeiterin des Demenz-Servicezentrums Münsterland.

Vor allem im Kindergartenalter gingen Mädchen und Jungen herzlich und unbefangen auf Demenzkranke zu. Eltern können ihnen im Vorfeld erklären, sich möglichst nicht hektisch zu verhalten. Zu viele Regeln sollten sie ihnen aber nicht mitgeben. Das verkompliziere die Beziehung nur, erklärt Steinbock. Meistens achteten die Kinder von selbst darauf, wenn die Eltern es richtig vormachen.

Ratgeber für Familienalltag mit Demenz

Der Verein "Mehr Zeit für Kinder" hat einen Ratgeber mit dem Titel "Warum legt Oma ihre Brille in den Kühlschrank? Familienalltag mit Demenz" herausgegeben. Dieser enthält zahlreiche Tipps, wie man Kindern den Umgang mit vergesslichen Großeltern erleichtern kann. Zum Beispiel, indem sie im Gespräch direkten Blickkontakt halten und ihre Zuneigung mit Lächeln oder Umarmungen zum Ausdruck bringen. Um herauszufinden, was die Großeltern wollen, sollten Enkel einfache und direkte Fragen stellen, die Oma oder Opa mit "Ja" oder "Nein" beantworten können. Vor allem müssen Kinder lernen, Geduld aufzubringen und das Gesagte nötigenfalls mehrmals mit denselben Worten zu wiederholen. Schimpfen, Belehrungen oder Spott sollten sich sowohl Kinder als auch Enkel verkneifen.

Wo Angehörige von Alzheimerpatienten Rat und Hilfe finden

Um selbst sicher mit Demenzkranken umzugehen, können Eltern sich an verschiedenen Stellen Hilfe holen: beispielsweise bei regionalen Alzheimergesellschaften, in Familienzentren oder Mehrgenerationenhäusern. Für Kinder gibt es spezielle Bücher und Internetseiten. Die Alzheimer Forschung Initiative bietet beispielsweise eine eigene Homepage für Kinder, auf der es Erklärvideos und Tipps für gemeinsame Unternehmungen mit den dementen Großeltern gibt.

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